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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 6)

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zellanfiebers, das alle anderen Thonproducte zurückgedrängt hatte, die 
Fayence nach und nach wieder zur Geltung gebracht und dieselbe bei 
ihrer seitherigen hohen technischen Entwickelung zu einer gefährlichen 
Rivalin des Porzellans werden lassen. Die Fayence hat dem Porzellan 
nicht nur die Alleinherrschaft wieder strittig gemacht, sondern dasselbe 
in mancher Linie geschlagen und zurückgedrängt _ ganz abgesehen 
natürlich von der Kostenfrage - selbst im Hinblicke auf rein künst- 
lerische Momente. 
Niemandem ist heute zweifelhaft, dass, wo es breite decorative 
Eifecte gilt, wie es gerade die Specialität von Sevres, die großen Vasen, 
beanspruchen müssen, das mit Muffelfarben decorirte Porzellan der Fayence 
nicht gleichzukommen vermag, mag der Decorateur noch so viel Kunst 
daransetzen. 
Der mit peinlicher Mühe mit Stupfpinsel und Vertreiber aufgetlipfelte 
Farbfond einer solchen Vase wirkt - dem farbigen Glasurfond einer 
Fayencevase gegenüber gestellt -- als matter, todter FarbHeck. 
So erschiene denn das Porzellan, seit die Fayence erstarkt, eigentlich 
auf ein kleineres Gebiet beschränkt: auf kleinere Objecte in geringen 
Dimensionen, wo zierliche, preciose Ausführung des Decors, ich möchte 
sagen die Behandlung en miniature, dem schönen edlen Stoffe anpassend, 
demselben die Domäne unbestritten sichert. 
Dazu das weitere unbestrittene Gebiet des Tisch- und Tafelgeräthes. 
Aber auch hier, wo es sich also um Gebrauchsstücke handelt, erscheint 
es eigentlich dem kostbaren, harten, durch Messer und Gabel unverletz- 
lichen Körper des Geschirres unangemessen, dass die farbige Zier des- 
selben weich, leicht ritzbar, leicht verletzt, ia schon durch schwache 
Säuren, wie Essig- und (Zitronensäure, zerstörbar, dabei bleihältig, also 
- wenn man rigoros sein will - giftig ist. 
Es ist demnach erklärlich, dass man in den hervorragendsten Por- 
zellanmanufacturen, in erster Linie im reichen Kunstinstitute Sevres, 
dessen Ziel es sein musste, das Porzellan zur höchsten Ausbildung zu 
bringen, es in der Gunst zu erhalten als edelstes, geschätztetes kera- 
misches Product - dass man in Sevres vor Allem dahin strebte, auch 
für's Porzellan Glasurfarben zu scharfen, den Decor in die Glasur zu 
verlegen. 
Aber da ist es nur eine sehr reducirte, ganz geringe Zahl von Farb- 
oxyden, die das hohe Scharffeuer des Glasurbrandes ohne Zersetzung, 
Verflüchtigung, Verfärbung zu ertragen vermag. Vor Allem das unver- 
wlistliche Cobalt, das sich in der Glasur mittiefblauer Farbe löst. Schon 
aus der Meißner Fabrik wurden die mit solchem Scharffeuerblau deco- 
rirten Service rasch beliebt und populär- an der couranten Waare das 
bekannte Zwiebelmuster. 
Sevtes brachte es zur Meisterschaft in Cobaltblau als Fondfarbe, 
die nahe, wenn auch nicht ganz, an das satte, tiefe Blau der alten
	        

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