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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 40)

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densehild und das Porträt Karls VI., darunter Neapel mit dem Vesuv, auf dem Lauf und 
der Schlossplatto ein Stempel mit der spanischen Krone, darunter: „Dicgo Ventum." 
Mit Kaiser Joseph ll. nimmt die Pracht der Jagdwalfsn ab und erst die Gewehre 
Sr. jetzt regierenden Majestät erfreuen das Auge wieder, sowohl durch solide Arbeit, als 
auch durch kunstreiche Ausführung. 
Wenn wir nun diese alten Jagdwaffen mit denen unserer Zeit vergleichen, so kön- 
nen wir mit Beruhigung sagen, dass die neuesten vortrefflichen Erlindungen und die solide 
Fnbrication gegenwärtig ein Gewehr hergestellt haben, welches das edle Waidwerk schon 
sehr bequem macht; was aber die kunstreiche Ausführung anbelangt, da laufen uns die 
alten Meisterwerke bedeutend den Rang ab. Der Lauß das Schloss, der ganze Schaft, der 
Lndstock bis auf seinen Knopf, Alles ist bedeckt mit den schönsten und sinnreichsten Ver- 
zicrungen und nicht etwa nur an Gewehren aus dem I6. Jahrhundert, wo es Vergissmein- 
nicht dieser Art vom Himmel regnete, sondern eine Menge Stücke aus dem 1T. und I8. 
Jahrhundert entzücken das Auge durch ihre prachtvolle Arbeit. Wir sehen die Kunst, den 
Schah mit Bein und Silber einzulegen, auf den höchsten Punkt gebracht und glauben, 
dass diese Kunst, bei unserer Schlihung wieder angewendet, gesucht und bezahlt werden 
würde. Ein also „verpaintes" Stiick von Ferdinand lll. ist so schön, aber auch so zart 
in der Zeichnung, dass man gar nicht begreift, wie es so haarscharf aus Bein ins Holz 
hineingebracht worden. Bei den ältesten Gewehren ist der ursprüngliche Lauf meist schon 
gewechselt, bei den Gewehren aus dem 18. Jahrhundert sind die prachtvollen Niederländer 
Arbeiten noch ganz beisammen, als wpllten sie warten, bis unsere Zeit im Stande wäre, 
so etwas nachzumachen. 
Voin Pfeil und Jagdspiess bis zur Armbrust, vom Luntengewehr his zum Rsdschloss 
und dieses verbessert durch den Stecher, vom spanischen Schloss his zum französischen 
und bis zu den Erfindungen der neuesten Zeit malt uns diese kaiserliche Samm- 
lung das Jägerleben, besonders der alten Herren, mit den glllnzendsten Farben vor. 
Ausscrdem wird man auch mit besonderem Interesse noch die verschiedenen Arten Bin- 
terlnder, die schon in alter Zeit gemacht wurden, betrachten; man sieht daran, wie nahe 
die Büchsenmacher schon damals der Ausführung dieser Waße gekommen sind. 
(Wr. Ztg.) 
 
Kleinere Mittheilungen. 
(Ernennung) Se. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 
Rainer haben Sich in Höchstihrer Eigenschaü als Protector des k. k. 
Museums Gir Kunst und Industrie bestimmt gefunden, den Herrn Oberst- 
liüchenmelster und geheimen Rath Grafen Joseph Wratislaw v. Mit- 
trowitz und Schönberg im Sinne des ä 18 der Statuten zum (huator 
des Museums zu ernennen. 
(Besuch des Museums.) Die Anstalt wurde im Monate Deeember von 9318 
Personen besucht. 
Se. k. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ludwig Victor beehrten 
am 6. d. M. das k. k. ölterr. Museum fdr Kunst und Industrie mit einem Besuche. 
(Geschenke an das Museum.) Der Correspondent des Museums, Herr Otto 
v. Bauer, hat dem Museum eine prachtvolle silberne Gussmedaille Kaiser Ferdinand's II. 
und 16 Originnlhandzeichnungen für Glasfenster von Hans Baldus Grün, Herr General- 
Consulatsdirector Hofrnth Dr. W. Ritter v. Schwarz eine Suite von Photographien des 
neuen Kunstmuseums von Amiens, der Hohischler Herr Erner in Köln eine Anzahl von 
Gypsabgiissen nach alten Möbeln zum Geschenke gemacht. 
(Neu ausgestellte Gegenstände.) Am 16. Decem her: Ein grosser Fliigelalt-ar 
aus der Spitallrirdie in Aussig. XV. Jahrhundert, Eigenthum der Stadtgemeinde Aussig; 
Büste des Herrn A. Ritter v. Lanna, modellirt und in Bronze ausgeführt vom Bildhauer 
Pönninger; Msrmorbiiste des Herrn Feldzeugmeislers Freiherrn v. Stankowicz, aus- 
geführt im Atelier Wasscrburger vom Bildhauer Le Grain, und die Publicationen der 
Gesellschaft der Aqusfortisten in Paris. 
Am 23. December: Ein Reliquienkrenz und Monstranze aus dem XV. Jahrhun- 
dert, sus der Piarrkirche zu Malebic in Böhmen, Eigenthnrn des Herrn Grafen Schön- 
bßfn; Kelch und Missale, {iir die romanische Kreuzcapelle in Prag bestimmt, nusgetiihrt 
von Pawlsnsky nach Zeichnung des F. Wuchsmann in Prag; Relief von getriebenem 
Silber aus dem XVI. Jahrhundert, Augsburger Arbeit, Eiganthum des Herrn Ritter von 
Ncuberg; Bacclialntin, Relief in Marmor, ausgeführt von Kunnlmnnn; eine grosso Suite
	        

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