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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 52)

an 
enthalten, die in der Natur noch viel verbreiteter sind, und die seit langer Zeit 
schon und besonders heute noch in der Darstellung und Fsbricatiun der hydrau- 
lischen Mörtel die wichtigste Rolle spielen. 
Von ihrer Anwendung kann man in der Geschichte derselben eine zweite 
Hauptperiode datireu, die mit dem Jahr 1756 beginnt. 
Ein Jahr zuvor war der. Leuchtthunn von Plymouth abgebrannt, und dem 
Engländer John Smeaton war der Auftrag geworden, ihn wieder aufzubauen. 
Er begann seine Aufgabe damit, sich zuerst nach einem dauerhaften Wasser- 
mörtel nmzusehen, und bei einer umsichtigen Prüfung verschiedener Kalksorten 
fand er eine, die in Aberthaw in Wales bricht, welche nach dem Brennen einen 
Mörtel gab, der unvergleichlich besser als jeder andere im Wasser hart blieb 
und ihm widerstand. 
Sein Verdienst war, dass er sich mit diesem praktischen Erfolg nicht be- 
gnügte, sondern den Grund dieser Erscheinung zu ermitteln suchte; dass er diesen 
Kalkstein mit den Hilfsmitteln seiner Zeit untersuchte, mit andern verglich, und 
als Resultat feststellte, dass für einen dauerhaften hydraulischen Mörtel jene Kalk- 
steine die besten seien, die, mit Säuren behandelt, sich nicht ganz auflösen, sondern 
eine gewisse Menge eines Rückstandes geben, der aus Thon, meist mit etwas Sand 
vermischt, besteht. 
Hatte man bis dahin vornehmlich hydraulische Mörtel nur nach der bisher 
beschriebenen Methode aus den vulkanischen Tnifen und ähnlichen Materialien 
darzustellen gewusst, so erschloss er mit seinen Versuchen ein viel grösseres Ge- 
biet von verwendbaren Naturproducten, und bahnte eine der wichtigsten Industrien 
an, eine, die heute auf einer hohen Stufe von Vollkommenheit angelangt ist. 
Thonige Kalksteine von der Art wie die von Aberthaw, die Smeatnn als 
hydraulische Kalke erkannte, sind nicht selten. England, Frankreich, Deutsch- 
land und Oesterreich enthalten deren an verschiedenen Orten; sie wurden von dort 
an eifrig gesucht und gefunden, in zahlreichen Patenten empfohlen und privilegirtz; 
den technischen Versuchen und Erfolgen folgten bald eingehendere theoretisch- 
wissenschaftliche Arbeiten über diese Mörtel, und die letzte Folge war, dass man 
sich auch von diesen natürlichen thonigen Kalksteinen unabhängig zu machen 
wusste, und hlos aus Thon und Kalk dieses Präparat synthetisch herzustellen lernte. 
Gehört nämlich ein tbonhaltiger Kalkstein zu den gewöhnlichsteu Gesteins- 
arten, so ist doch gerade das passende Mischungsverhiiltniss von kohlensaurem Kalk 
und Thon, welches sn einem guten hydraulischen Mörtel erforderlich ist, in der 
Natur nicht eben so häufig zu treffen, und sich von solchen zufälligen Funden un- 
abhängig zu machen, war ein ganz ausserordentlicher Fortschritt, den man besonders 
den Untersuchungen des französischen Chemikers Vicat und des Münchener Pro- 
fessors Fuchs verdankt. 
Man kann die rein künstliche Darstellung der hydraulischen Mörtel nach diesen 
neuen Principien in das Jahr 1810 setzen, und damit eine dritte Periode charak- 
tcrisiren, diejenige, die noch heute fortwiihrt. 
Der Gegenstand war praktisch und theoretisch so wichtig, dass wir über 
denselben eine grosse Anzahl technischer und wissenschaftlicher Arbeiten besitzen, 
in denen eine Summe von Scharfsinn und Speculation aufgeboten wurde, um einen 
Process zu erklären, der scheinbar sebr verwickelt ist, der aber doch jetzt eine 
ziemlich einfache Erklärung zulässt, die zu verstehen nach demVorausgegsngenen 
uns nicht schwer fallen soll. 
Bis in die letzten Tage reichen die Arbeiten ausgezeichneter Chemiker über 
diese Frage, die ich Ihnen einzeln nicht vorführen kann, die aber zu verdienstlich 
sind, dls dass ich nicht wenigstens die Namen ihrer Verfasser nennen sollte.
	        

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