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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

die Prüfung der in Tunis gemachten Beute bewies, daß das feind- 
liche Kriegsmaterial französischen Ursprungs war, und jetzt. 
im Augenblicke dieses europäischen Sieges, machte Franz I. 
seinen Anspruch auf Savoyen und Mailand geltend - und, sich 
hinwegsclzend über den Vertrag von Camhrai, begann er 1536 
den neuen Krieg gegen die Habsburger. 
Karl vcrläßt die afrikanische Armee, er begibt sich nach Rom. 
Dort spricht er öffentlich; cr erklärt sich bereit, um der Einig- 
 
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Brief Karls V. an Erzherzog Maximilian (Maximilian II) vom 
15. jiinner 1515. Unlcr der Kallxgrnphenschrift die cigcnhändigcn 
Schriftzüge des Kaisers und seine Unterschrift. Spanien, Hof- 
knrrcspondenz. 
(Hin-H. "lllhh, Hul- und Stamhilrrhh. 
keit willen, „angesichts der alles andere überschattenden Ge- 
fahr", Mailand an den jüngsten Sohn des Königs von Frank- 
reich abzutretcn. Den Anspruch auf das französische Burgund 
gibt er auch diesmal noch nicht endgültig auf. Aber nun macht 
er den erstaunlichen Vorschlag: „um die Christenheit in sol- 
chem Augenblick nicht durch einen Bruderkrieg zu spalten", 
will er, „um alle andern noch strittigen Fragen zu entscheiden", 
sich mit dem König in ritterlichem Zweikampf schlagen. 
Franz I., als Antwort, veröffentlicht seinen Bündnisvertrag mit 
dem Sultan. Er kauft sich deutsche Fürsten, und bald steht eine 
starke Armee deutscher Landsknechte und Schweizer unter sei- 
nen Fahnen. 
Karl handelt augenblicklich: eine seiner Armeen unter Nassau 
bricht von Flandern aus in Frankreich ein und besetzt die Fe- 
stung Guise. Er, der Kaiser, selbst an der Spitze eines ebenfalls 
aus Deutschen, Spaniern und Italienern zusammengesetzten 
Heeres, zieht von Spanien aus der Küste entlang - er schlägt 
die vom Herzog von Boisy befehligte französische Armee, er 
besetzt Aix und einen großen Teil der Provence. Aber die Pro- 
vence ist leer, der König hat den Ausweg der verbrannten Erde 
gewählt. Karl ist auf den schwierigen Nachschub angewiesen, 
er hält dennoch die bezogenen Stellungen gegen eine starke 
Übermacht. Er leitet Verhandlungen ein, die von Franz I. so 
lange hinausgezögert werden, bis Seuchen im kaiserlichen Heer 
ausbrechen; Karl muß zurück nach Spanien eilen, um Verstär- 
kungen auszuheben, sein Schiff wird beinahe von der nun ver- 
einigten türkisch-französischen Flotte aufgebracht, die kühne 
Tat des Genuesen Doria rettet ihn. 
Franz I. hat die politischen Gewohnheiten der Neuzeit eröffnet; 
Heinrich VIII. von England wird ihm in anderer Weise auf 
diesem Wege folgen; das Verhalten beider Fürsten wird von 
Erfolg gekrönt sein. 
Karl jedoch, dem fast jedes seiner aus größtem Ernst ent- 
standenen Unternehmen gelingt, sieht sich doch immer im letz- 
ten Augenblick um sein Ziel betrogen, das sich verflüchtigt, 
wenn er es zu fassen glaubt. 
Er unterhandelt weiter, er unterhandelt mit dem französischen 
König, vor allem wegen der Rebellen in Deutschland, dem Land- 
grafen von Sachsen, dem Landgrafen von Hessen, den Mit- 
gliedern des Schmalkzildischen Bundes, die sich mit Franz I. 
verbündet hatten. 
In der alten Krcuzzugsfeste Ludwigs des Heiligen, in Aigues- 
mortes, treffen sich endlich Kaiser und König unter dem Schutz 
ihrer Flotten. Nochmals schließen sie einen Kompromiß ab. Es 
wird vereinbart, daß die französischen Subsidicn an die „Schmal- 
kaldischen" eingestellt werden. 
Nun kehrt Karl nach Spanien zurück, und wiederum betreibt er 
die „große Rüstung" mit allen Mitteln. In diesem Jahre, 1539, 
stirbt seine einzige wirkliche Vertraute, die Kaiserin Isabella, 
nachdem sie einen toten Sohn geboren hat. Seit diesem Ereignis 
ist der Kaiser noch unzugänglicher, noch stiller geworden. Und 
doch, immer rastloser wird seine Tätigkeit, er muß die Auf- 
ständischen in Flandern, in Deutschland überreden, er muß auch 
gegen sie zu Felde ziehen - gleichzeitig erleidet er seine 
schwere Niederlage vor Algier -, und sofort beginnt Frankreich 
wieder seinen Krieg; Soliman erobert die Feste Gran, die Tür- 
ken verwüsten Ungarn, Nizza wird durch eine vereinigte tür- 
kisch-französische Flotte gewonnen, Hennegau und Brabant wer- 
den von den Franzosen geplündert. Karl stellt neue Armeen 
auf, er dringt vor bis ins Herz von Frankreich, und nochmals 
zwingt er den König zum Frieden, den Frieden von Crespy. 
„Endgültigcr Friede", heißt es, und im selben Jahr wird Karls 
großer Gedanke verwirklicht, das innige Ziel der erhofften 
Einigung erreicht, um welches er selbst mit den Päpsten hatte 
kämpfen müssen: das Konzil von Trient wird eröffnet, welches 
nach des Kaisers Hoffnung und Willen nicht nur die Reform 
der Kirche, sondern die Aussöhnung der entzweiten Christen- 
heit hätte bringen sollen. Der Reichstag wird nach Regensburg 
einberufen, aber die Protestanten bleiben ihm fern. Und nun 
beginnt der Kampf in Deutschland, wieder heftet sich der Sieg 
an des Kaisers Fahnen, und durch alle Zeiten reitet er, wie 
Tizian ihn gesehen hat, in eisernem Ernst über das Schlacht- 
feld von Mühlberg. Franz I. und Heinrich VIII. sterben im 
selben Jahre 1548. Aber auch der Kaiser ist jetzt am Ende seiner 
Kräfte angelangt, die Frage der Nachfolge stellt sich schon, ein 
Bruderzwist zwischen Karl und Ferdinand droht. Und nun er- 
folgt der Verrat des Moritz von Sachsen, und augenblicklich, 
dank ihm, besetzen die Franzosen die Festungen Metz, Toul, 
Verdun und Cambrai; die deutschen Protestanten ziehen in 
Augsburg ein; Karl muß fliehen wie ein Geächteter; das Konzil 
wird vertagt. 
Und nochmals: es gelingt dem Kaiser, den Religionsfrieden in 
Passau schließen zu lassen, der die „Augsburger Konfession" 
vorbereitete und das „Interim" aufhob. Von neuem zieht Karl 
in einen Krieg mit Frankreich, der von 1553 bis 1558 dauern 
wird und zu keiner Entscheidung mehr führt. Er erlebt es, 
daß sein Sohn Philipp Maria, die Erbin der englischen Krone, 
die gealtertc, kranke Tochter Heinrichs VIIL, heiratet und 
neben ihr auf dem englischen Throne sitzt, jene Maria, die 
man in ihrem Lande später Maria die Blutige genannt hat. Aber 
über dieser Ehe wie über dem schleppenden französischen Krieg 
liegt ein düsteres Licht. 
Es geschieht dem letzten Kaiser der Christenheit in seinem tiefs
	        

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