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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 5)

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Meister LIUI" Hisloriu Fridcrici cl Tünximilizlni: Erz- 
herzog MAximiJians WÄlhl und Krönung zum Römi- 
schen König H86 (Bcnusch-Auer Nr. 29). 
zu Wien erliegende Redaktion dieser Diktate. Über diese erste 
Redaktion hinaus ist die lateinische Autobiographie freilich wie 
so viele andere Vorhaben des Herrschers nicht gediehen, da 
Maximilians Interesse kurze Zeit später schon von Plänen und 
Entwürfen zu einer auf mehrere Werke verteilten deutschen Fas- 
sung in Anspruch genommen wurde. Grünpeck, der nach der 
Jahrhundertwende einer Krankheit wegen den Hol verlassen 
mußte, durfte die Diktate zu verschiedenen geplanten Werken 
seines Brotgebers behalten, der den Geheimschreiber auch nach 
dessen Abgang weiterhin unterstützte und mit ihm in Verbin- 
dung blieb. Mit Wissen seines Gönners wertete Grünpeck die 
Diktate zur lateinischen Autobiographie 1505[O6 in den später 
verschollenen „Commentaria divi Maximiliani" und schließlich 
1S14f15 in der „Historia Friderici III. et Maximiliani I." aus; die 
letztere Arbeit hat sich, wie bereits gesagt, als Reinschrift von 
der Hand des Autors im Wiener Staatsarchiv erhalten. 
Grünpeck, der im eigenen Interesse stets auf gute Beziehungen 
zur Umgebung des Herrschers Wert legen mußte, dürfte auf 
diesem Wege erfahren haben, daß der Kaiser mit Mißtrauen die 
durch burgundische und spanische Edelleute besorgte politische 
Erziehung seines älteren Enkels verfolgte, der ihm als Karl V. 
im Reiche folgen sollte. Als Grünpeck diese Situation nützte und 
sich vom Kaiser den Auftrag erbat, für Karl, der unter der Ob- 
hut seiner Tante in den Niederlanden heranwuchs, ein hausge- 
schichtliches Vademecum in lateinischer Sprache verfassen zu 
dürfen, fand er ein geneigtes Ohr, obwohl Maximilian sich da- 
mals bereits intensiv mit dem „Weißkunig" beschäftigte. 
Aufgabe dieses Fürstenbuches konnte es lediglich sein, dem Erz- 
herzog die Taten seines Urgroßvaters und Großvaters, ihre 
Erlebnisse und Aussprüche in Bildern aus dem Leben vor Augen 
zuführen. Da das Buch nicht nur der Belehrung des llnkels, son- 
dern auch dem Lob und Preis der darin behandelten Vorfah- 
ren zu dienen hatte, mußte die Themenstellttrtg in erster Linie 
hervorragende Hcldentrtten, vornehme Sitten, Tugend und Weis- 
heit berücksichtigen. Da Grünpeck für Maximilian schon früher 
Aussprüche und Taten Friedrichs III. gesammelt hatte, ferner 
die Diktate der lateinischen Autobiographie Maximilians noch 
besaß, konnte er entweder noch 1514 oder 1515 rasch das Kon- 
zept des Fürstenbuches in Angriff nehmen. Neben den soeben 
erwähnten schriftlichen Quellen verweist der Autor auf münd- 
liche Berichte der Zeitgenossen und nennt als Gewährsleute 
Ammen, Altersgenossen und Kriegskameraden des Kaisers; vic- 
les wird er als Sekretär bei den Diktaten mitgchört oder in der 
Kanzlei selbst erfahren haben. Größten Wert aber legte Grün- 
peck wurde für das vorgelegte Werk mit Zinsen und Gülten zu 
eigene Anschauung und auf die Erlebnisse mehrerer jahre in 
der engsten Umgebung seines llerrn. 
Der Historiker sucht in dem der Erziehung eines jungen Men- 
schen gewidmeten Fürstenbuch quellenmäßig von vornherein 
keine neuen Aufschlüsse über die große Politik oder das stür- 
mische Kriegsgeschehen jener Zeit; dem Kulturhistoriker hin- 
gegen erscheinen alle jene kleinen Einzelzüge aus dem Leben 
Friedrichs und Maximilians wertvoll, die Grünpeck allein in 
seiner Historia festhielt. So erzählt der Verfasser in einem 
schulmeisterlich trockenen und weitschwcifigen Latein, daß 
Maximilian während der Belagerung der Wiener Burg durch 
Erzherzog Albrecht VI. Hunger litt und sich nur mehr mit 
Hirsebrei zufricdengeben mußte. So erfahren wir von der glück- 
lichen ersten Ehe des Erzherzogs in den bewegten Jahren des 
burgundischen Aufenthaltes. Oder stolz hält Grünpeck fest, daß 
der König bei der Einnahme der Mahlzeiten meist gestört wurde 
und gleichzeitig seine Räte anhören, Bittschriften entgegenneh- 
men und seinen Sekretären diktieren mußte. Leise Kritik 
schwingt mit, wenn der ehemalige Geheimschreiber feststellt, 
daß Maximilian mitunter unangenehmen Staatsgeschäften durch 
Vogelbeize und Jagd aus dem Wege gehen zu können glaubte 
oder viel zu viel Zeit damit verirüdelte. daß er als König sich 
um die kleinsten Kleinigkeiten der Küche, des Kellers und der
	        

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