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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 49)

 
lCn von Rcnmo G ultuao (1912) ge- 
widmci. Dllmil leistet Wclz eine ähnliche 
Pionierarbeit, wie er sie seil 1954 für 
(iincomo Mnnzii vollbraehle: Bis dato 
wnr auch (iuiluao noch nul keiner Aus- 
alcllung hlilleleurorns mit einer größeren 
Folge von Bildern verireien. Gulluso, 
einer der linuplnleialci" eine: betont 
politischen Realismus, hal sich nun vor- 
wiegend dem Sulleben und der liguralen 
Darstellung zugekehrt, Sein Werk slchl 
ganz unter dem Zeichen einer durchaus 
[versbnlichen Auneinnnderselzung mit Pi- 
euasos Llnearslil; auch Gulluso bcsilzl 
die gleiche vehemente Kraft des Zu- 
pnrkens und Um-Gcslnllens, über er in 
kein Formzerlrümmerer, sondern be- 
müht sich. durch [Thcrtreihung und for- 
male AgresS uns die Dinge so nahe- 
zubringen, bis ie sich uns gleichsam 
schmerzhaft einprägen. ln diesem Sinn 
sind die zzlhlreiehen Slilleben (zu deren 
Reperioire als Symbol der Form-Ver- 
werfung sjxls r neapolimnische Kaf- 
feemaschine gehorl) auch durch kräf- 
tige, ja glühende Farbnkzente von lo- 
dernder Krfl bestimmt. liin einziges 
Bild, eine „Büglei-in" vnn 1958, wein 
Gunuso als Nachfahren Duumiers und 
der Sozinlmulerei des 19. Jahrhunderts 
im Allgemeinen aus. (Abb. 3) 
 
 
 
Innxbrucb. um] Grnz: Gold und Silber. 
Zeitlich last glcichlaulend lühren die 
beiden Landeshauptstädte (Innsbruck: 
Hofburg, Gruz: joanneum) große Kol- 
lektionen von Cold- und Silhcrschmiedev 
arbeiten vor; der Sinn beider so ähnli- 
cher Ausstellungen ist es wohl, zu einer 
allgemeinen Invcntarisierung des noch 
Vorhanclencn zu gelangen und dem Be- 
schziuer die "Fatsache ins Bcwußtsein zu 
rufen. wie innig auch auf diesem Sektor 
des Schailens Kunst und Geschichte mil- 
einander verbunden sind. Das qualitativ 
höhere Niveau wird im Allgemeinen von 
der lnnsbrucker Ausstellung gehalten, 
die noch dazu ganz vorzüglich in den 
bar wird. Die Innsbrucker Schau hebt 
mit dem temporär hcimgekehrten 
Wiltener Kelch an, zeigt, um zunächst 
bei den Spitzen zu bleiben, die 
vorzügliche Haller Monstranz (E. 
15. _lh.), die WaldauPsche Reliquien- 
sammlung, die an und für sich eine ein- 
zigartige Kuriosität ist, bringt eine Reihe 
vorzüglicher Kunstuhren, ferner den 
Herzogshut samt Szepter aus der Ka- 
planei Mariastein, mehrere „Handsteinc" 
aus Silberglanzerz, eine große Folge von 
Hausaltärchen, die Schützcnketten von 
Innsbruck und Kufstein, Universitäts- 
und Fakultiitsszepter, eine riesige An- 
zahl liturgischen Gerätes aller Perioden 
und schließt mit bürgerlichem Tafelsil- 
ber des frühen 19. jahrhundcrts. Beson- 
ders zu loben ist die große Systematik 
der Präsentation, man kann in der ein- 
faehstcn Weise die Entwicklung einzel- 
ner Themengruppen (Kelche, Ziborien, 
Monstranzen, Pokale etc.) innerhalb der 
einzelnen Perioden bestens studieren und 
sich vor allem Klarheit über die einzel- 
nen Einflußkomponenten verschaffen. 
Der von Dr. Magdalena Weingartner 
verfaßte Katalog ist im Textteil von 
lückenloser Gründlichkeit und Akribie, 
während der Tafelteil rcin technisch zu 
wünschen übrigliißt. Auch im Mittel- 
punkt der G r a 2 e r Ausstellung stehen 
selbstverständlich die großen Haupt- 
werke, so etwa der „Landschadenbund- 
becher" (um 1570), der mit seinen 
105 cm Höhe wohl das größte existente 
Objekt seiner Art ist, oder die herrliche 
'l'aufgarnitur Herberstcin (Augsburg, 2. 
H. 16. ]h.), der Danziger Prunktcller 
(Durchm. 107,9 cm) aus der Mitte des 
17. Jahrhunderts und der Globus-Dop- 
pelbecher von Abraham Gcssner (nach 
1594). Mcngenmiißig liegt auch hier der 
I-lauptakzent auf dem liturgischen Gerät 
der Barockzeit. Es ist erfreulich, daß 
man die großzügige Aufnahme von Ob- 
jekten nicht verschmiihte, die (soweit 
dies bei der Materie überhaupt möglich 
ist) zur Volkskunst überleiten. Mit 
Recht sind die Grazer und Wiener Mei- 
ster ihrer Zeit besonders herausgestri- 
chen. Zu rühmen ist die Kühnheit. mit 
der man sich über die noch in Innsbruck 
gewahrtcn konventionellen Zeitgrenzen 
hinwegsctzte, indem man Stücke aus der 
2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und eine 
große Zahl ganz moderner liturgischer 
Geräte aufnahm, um so die Kontinui- 
tät und Lebendigkeit des Schaffens zu 
beweisen. Der Katalog ist textlich we- 
niger komplett als der lnnsbruckcr, da- 
für aber ungleich besser bebildert. 
Als Leihgcber beider Ausstellungen sind 
neben den großen Museen zahlreiche 
Kirchen, Stifte, Walllahrtsstätten (Ma- 
riazelll), Adelsfamilien und Private ver- 
zeichnet; zu einem Großteil der Objekte 
besteht also entweder ein persönliches 
Verhältnis ihrer Besitzer, oder aber ste- 
hen sie im liturgischen Gebrauch - sie 
„leben" also in einem sehr spezifischen, 
durchaus begrüßenswerten Sinn. 
ßestnnde klassizisuseher Gemälde aus 
dem Besitz der Österreichischen Gale- 
rie, die durch die Cezanne-Ausstellung 
und neuerdings durch die „Blaue-Rei- 
ter"-Schau temporär heimatlos gewor- 
den sind. Es bestünde nun an und für 
sich wenig Anlaß, diese „Ausweich"- 
Manifestation zu würdigen, stünde sie 
nicht unter einem besonderen Vorzei- 
chen; es handelt sich keinesfalls um 
eine bloße Schaustellung inteie. anter 
Gemälde, Handzeichnungen und Reliefs, 
sondern um den geglückten Versuch, an 
Hand originaler Bild-Dokumente eine 
Gesamtdarstellung des österreichischen 
Klassizismus zu geben, um seine Grund- 
lagen, sein Wesen und seine Ent- 
wicklung aufzuzeigen. Dieses Bemühen 
hat sich in dem von Dr. Koschalzky und 
Dr. Aldrian äusserst sorgfältig und er- 
schöpfend gestalteten Katalog manife- 
stiert, der als Hand- und Nachschlage- 
buch über die betreffende Periode ange- 
sehen werden kann. 
Linz: Ausstellung von Schülerarheiten 
der Kunstschule. Seit 1947 gibt es in 
Linz eine Kunstschule, die seither liitigst 
das Offentlichkeitsrecht erworben hat 
und sich zu einem blühenden lnstitut 
von weit überregionaler Bedeutung ent- 
wickelte. Eine groß angelegte Ausstel- 
lung zeigte nun, worum es den Lehrern 
des Institutes, nämlich den Professoren 
Herbert Dimmel (Malerei), Dr. Alfons 
Ortner (künstlerische Graphik), Walter 
Ritter (Bildhauerei), Erich Buchegger 
(Gcbrauchsgraphik), Friedrich Neuge- 
bauer (künstlerische Schrift) und Wolf- 
gang Wersin (Innenarchitektur) geht: 
Ist die handwerklich-technische Ausbil- 
dung eine unabdingbare, nicht zur Dis- 
kussion stehende Selbstverständlichkeit, 
so sieht die Kunstschule ihre Hauptauf- 
gabe im Erwecken künstlerischer Aus- 
sagemögliehkeiten; das Künstlerische in 
der Persönlichkeit des Schülers zu evo- 
zieren, ist das hohe und edle Ziel des 
Institutes, über dessen Aufbau und Ar- 
beit wir demnächst ausführlich berichten 
werden. Dr. Köller 
 
Ergebnisse der Auktion Suhloß 
Mandxee, Kunsthandlung Alfred 
]aeger, 6. August 
KaL-Nr. 10 Angelica Kauffmann, Zwei 
Mädchen mit Tauben, Mischtechnik, 
S 8.5()().-, Kap-Nr. 13716 4 Panneaux, 
obcriltnlicnisch, 17. Jahrhundert, Jahrm- 
zeilcn, 28,00().-, Kuh-Nr. 36 Barock- 
Knrpus eines Kruzilixus, Höhe 61cm, 
5.000,-, KzlL-Nr. 41 2 Sandsteinxkulp- 
turen. Engel, Gcgcnslückc, frühes 18. 
Jahrhundert, 3().O00.-, KaL-Nr. 84[85 
Z Sulzbnrger Earorhxclaränke, Z0.000.-, 
KaL-Nr. 92 ]oxephini:cber Salonscbrcib- 
tiscb, 22.00U.-, Ran-Nr. 117 Flümixclae 
Tapixserie, Prcmeniercnde Figuren, spä- 
tes 16. jnhrhundert, 2S.O0O.-, KaL-Nr. 
199 Chinesische llulxplrxstik der Ming- 
DynnSliC, Manjusri, 4.500._. 
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