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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 53)

ger, zu seinen Füllen kniet die Stifterin mit den beiden 
'l't'iehtern. Die Mittelfigur, vermutlich eine Marienskulp- 
tur, ist bedauerlicherweise verlorengcgangen. Der obere 
Abschluß des Altarcs wird von einem gesprengt-artigen 
Figurenaufbau gebildet, in dessen Mitte sich der thro- 
nt-nde Erlöser befindet, der von einem Wolkenkranz um- 
geben wi d. Von den beiden flankierenden seitlichen Pla- 
stiken ist nur mehr die linke, eine betende Madonna, er- 
halten. Zum Altar gehört ferner ein polyehromierttzs 
lirttgment einer Altarschranke mit der lnschrift WOLF- 
GANG LENTL. Die Skulpturen des Altares, besonders 
die Schreinfiguren, sind durch den üppigen, tiherschäu- 
mcnden Stil der Zeit um 1520 gekennzeichnet. in dem 
das Volumen der Gestalten das größte Ausmaß erreicht 
und die Bewegthcit der Form auf das höchste ent- 
wickelt ist. 
Nicht uninteressant ist der Flügelaltar aus der Schloß- 
kapelle (Jrafenegg. lm Schrein wird die Krönung Ma- 
riens dargestellt; die beiden Flügel zeigen auf den Innen- 
seiten Szenen aus dem Marienleben in Reliefdarstelluitg, 
auf den Außenseiten in Tempera gemalt die Legende 
des hl. Sebastian. Hier findet sich auch die Datierung 
H91. Die architektonischen Teile des Schreines und des 
Gesprenges wurden im 19. Jahrhundert angefertigt. Die 
Bekrönungsfiguren des Gesprenges werden aus dem 
hl. Antonius liremita, einem Apostel und einem Heiligen 
gebildet. Aus der Schlollkapelle Grafenegg stammen 
außerdem zwei zusammengehörige Altarflügel, auf denen 
in acht Tafeln der Mitrienzyklus wiedergegeben wird. 
Die Tafel der Anbetung (lhristi trägt die Jahreszahl 1505. 
Es dürfte hier eine oberdeutsche Arbeit vorliegen. 
liinen einheimischen Maler können wir in Andre Stangl 
erblicken, der die Witwe des gleichfalls aus Krems ge- 
bürtigen und hier tätigen Malers Laurenz Wilgiter hei- 
ratete. Stangl scheint für das Stift Göttweig, aber auch 
für die Pfarrkirchen Niecler-Ranna und Alt-Pölla geaiw 
beitct zu haben. Das Museum der Stadt Krems besitzt 
 
von seiner Hand ein signiertes und datiertes 'l'afelbild 
mit der Darstellung der h.l. Anna Sclbdritt sowie der 
Verkündigung an Joachim. Das Künstlcrmonogramm A5 
wurde ineinander ticrschrankt in der linken unteren Bild! 
hiilfte angebracht, der alte Rahmen besitzt die Signatur 
und Datierung "Andre Sehtttngl 1315", 
Zu den größten Kostbarkeiten des Museums zahlen die 
beiden Tafelbilder des Kremser Arztes und Apothekers 
Dr. Wolfgang Kappler und seiner Frau Magdalena. Der 
Arzt wird im Brustbild wiedergegeben, gehüllt in einen 
weiten schwarzen Mantel. der um den llals rot ausge- 
schlagen ist. Der damaligen Mode entsprechend trägt er 
rote Pulfärmel mit schwarzen Streifen; seine lliinde sind 
übereinander gelegt und stützen sich auf einen Codex. 
Sein (iesicht ist schmal geformt. die Augen sind dunkel. 
die Nase lang und schmal, seine Mundwinkel leicht 
heruntergezogen, so daii der Eindruck einer ernsten, 
strengen Persönlichkeit hervorgerufen wird. ln der lin- 
ken oberen Bildhälfte hat der unbekannte Künstler das 
von Kaiser Karl V. verliehene Wappen Knpplers fest- 
gehalten. Die Taf ist ferner mit der Aufschrift: „1530 
llfigies Wolfgangi Kztppler Argentinen. medicine doctor 
etatis sue 37" versehen. Kappler. der aus Straßburg 
stammte und in Venedig Medizin studierte, starb in 
Krems im Jahre 1567, mit ihm gleichzeitig seine Frau 
Magdalena. Sie wurde von demselben Künstler gemalt 
und vor eine typische Landschaft der Donauselmule ge- 
stellt, auch nur in llalbfigur. bekleidet mit einem roten 
Kleid mit schwarzem Saum. einer weißen goldbcstickten 
Bluse und einer charakteristischen Haube. Die Rückseite 
der "Tafel bringt die Abbildung der Kinder der Familie 
Kappler in Form der Wurzel jesse. Das (iermanische 
Nationalmuseum in Nürnberg erwarb übrigens im Jahre 
1933 von einem Niederösterreichei" das Porträt des 
Michel Agler von 1529, das stilistisch völlig mit den 
beiden im Kremsei- Museum befindlichen 'l'emperabil4 
dern übereinstimmt. 
   
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