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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

Das Siebdruckverfahren. in seinen vielfältigen 
Möglichkeiten tratz der prinzipiellen Einfachheit 
des Werkprozesses kaum auszuschöpfen. scheint 
vor Jahrhunderten bereits in China angewandt 
worden zu sein. Aber erst auf seinem Weg über 
Japan an die amerikanische Paziükküste und 
danach weiter bis Europa konnte sich diese Technik 
so ausbreiten, daB sie heute allgemeiner und 
gepflegter Besitz von Künstlern aller Ausdrucks- 
arlen werden konnte. Ihr prinzipiell flüchiger 
Charakter (die Farbe sitzt stets leicht erhaben 
über dem Papier), der durch die Verwendung von 
Schablonen nach betont wird, lüßt sie zunächst als 
für eine betonte Flüchenkunst geeigneter erscheinen 
als für das Erzielen malerisch-freier Komponenten. 
Inzwischen hat man aber mit diesem Verfahren so 
reiche Erfahrungen machen können. daß es für 
viele Künstler kaum nach ein Problem darstellt. 
auch diese Technik all ihren Absichten dienstbar 
zu machen, ihre Sanderart gleichzeitig aber auch 
zu bewahren. sie nicht zu vergewaltigen. 
In Österreich hat das Siebdruckverfahren nach 
nicht allzuviele Anhänger unter den Künstlern 
gewinnen können, obwohl man erleben konnte. 
wie die übrigen druckgraphischen Techniken (zu 
denen der von ihnen prinzipiell unterschiedene 
Siebdruck freilich nur bedingt zu zählen ist) in 
diesem Land von zum Teil hervorragenden Künst- 
lern einer neuen Blüte entgegengeführt werden 
konnten. Wenn sich Maler als Graphiker oder 
wenn sich Künstler als Nur-Graphiker betätigen, 
beschäftigen sie sich meist mit den Abarten der 
Radierung, der Lithographie und dem Holzschnitt, 
Unter den Ausnahmen würe Johann Fruhmann 
hervorzuheben, auch Hans Krenn hat sehr schöne 
Siebdrucke geschaffen. Ein Künstler. der sich 
jedoch nahezu ausschließlich auf das Siebdruck- 
verfahren zur Realisierung seiner Absichten stützt. 
ist der 1936 in Stockerau geborene Adi Holzer. 
der seit längerer Zeit mit Unterbrechungen in 
Kopenhagen lebt und in Wien erstmals in einer 
Ausstellung der Galerie Verkauf im Jahr 1965 
aufgetreten war. im vergangenen Jahr hatte ihn 
die Alberlina auch für die Internationale Graphik- 
biennale in Laibach nominiert. 
lm vorwiegend farbigen Siebdruck hat Holzer vor 
allem eine Reihe von lllustrationszyklen geschaffen. 
die ein Thema weniger illustrieren als vielmehr 
begleiten, paraphrasieren, mit eigenen Var- 
stellungen bereichern wollen - Serien von 
Blättern. die es ihm überdies ermöglichten. auch 
Abwandlungen im technischen Bereich zu demon- 
strieren. Holzer ist an der Materie selbst, an den 
gegebenen Möglichkeiten und somit nicht primär 
am Auflagendruck. sondern an einer Erprobung 
der Mittel interessiert. Was seine Siebdrucke 
charakterisiert, ist zum Beispiel. daß er mehrere 
Farben von einem Sieb druckt. die Struktur des 
Siebs sehr augenfüllig nützt und aus übereinander 
liegenden Lagen in deren Verbindungen oder 
Übergängen reizvolle Effekte zieht. Das Traum- 
hafte seiner Kompositionen wird dadurch be- 
sonders unterstrichen, ebenso aber auch die Präzi- 
sion des Ausdrucks von derTechnik, die sorgfaltigste 
Überlegung fordert. 
Holzers Siebdrucke werden durch ein Neben- und 
Übereinander zeichnerisch-lockerer, skizzenhafter 
Elemente sowie durch Flächen oder Tönungen 
charakterisiert. die zum Teil an das Spritzver- 
fahren bei der Lithographie denken lassen, die 
jedoch dem Mitwirken der Struktur des Siebs 
zu verdanken sind. Exakte Planung und technische 
Sauberkeit lassen beide Mittel zur Geltung kommen. 
Bei seinen zweifarbigen Blättern wird der Grund- 
ton, über den die Zeichnung gedruckt ist, durch 
negative Aussparungen oder "Störungen" eben- 
falls verlebendigl. Damit demonstrieren Holzers 
Drucke zahlreiche Möglichkeiten, sie regen an 
und lassen erkennen, wie reich die Skala dieses 
graphischen Herstellungsprozesses aufgeföchert 
werden kann, wenn man gelernt hat. sich der in 
diesem Medium verborgenen Feinheiten zu be- 
dienen. seinen Geheimnissen auf die Spur zu 
kommen. 
Da die Reproduktion vom farbigen Reichtum der 
Holzefschen Siebdrucke nichts mehr erkennen 
ließe, müssen wir uns zur Illustration dieses Bei- 
trags mit der Wiedergabe von zweifarbigen Bei- 
spielen. in denen die Zeichnung dominiert, be- 
schränken. Da auch diese Reproduktionen stark 
verkleinert werden mußten (es handelt sich um 
großformatige Blätter), kann die reizvolle Wir- 
kung, die vor allem aus Holzers Farbblüttern 
spricht, nicht oder nur andeutungsweise belegt 
werden. 
2 Adi Heizer, "Fiulkus sellsame Träume - gewidmet 
dem Paniomimen Ludislaus Fiulka". Siebdruck in 
zwei Farben. 1967 
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