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Full text: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

 
in ensivcri Bild "Drei 
ilockenblumen" (1920). dem poe- 
arten „ Kleinen Sanntagshaus" (1928), 
ßtldchig oufgeschlüsselten, noblen 
ie" von 1932 oder der späten, 
en Gouache. die auch als Vorlage 
logumschlag und Pldkdt diente, alle 
Werke einzeln herausgreifen, die 
genannten im Hinblick auf Qual ät 
zutungsdtchte vergleichbar sind. 
k dieses schöpferischen Reichtums, 
re. dessen Eigenart nicht zuletzt in 
'er Widersprüchlichkeit gesehen 
.oiin. die letztlich aufeine universelle 
des Chootischen im nichtoraktt- 
iegensdtz von "gegenständlich" und 
t" hinauslauft. kannjedem. dem Kunst 
als Artistik, äußerer Schein und 
terpretation. zum Erlebnis werden. 
bild dieses sensiblen, genialen Künst- 
om Museum des 20. Jahrhunderts in 
en Aspekten vorgestellt e konfron- 
it nur mit einer kaum glaublichen 
fxquater formaler Einfälle und sub- 
inischer Möglichkeiten. Neben den 
Formfragen". die ausschlaggebend 
formale Weisheit sind". wie Klee 
imal sagte. und die von ihm auch 
rl betrachtet wurden, steht bei Paul 
n obersten Kreis" hinter der Viel- 
lt ein nletztes Geheimnis". welches 
it des lntellekts zu kläglichem Er- 
iringt (Abb. 3, 4). 
M FÜR ANGEWANDTE KUNST 
e französische Photographie 
nmenarbeit mit dem Französischen 
itlfUt in Wien zeigte das Österreichi- 
ieum für angewandte Kunst bis ein- 
h 11. Februar die Ausstellung 
ie Photographie aus Frankreich". 
n Direktor der Bibliothek, Doz. 
erhart Egger. wirkungsvoll einge- 
Exposition umfaßte16ß Schwarzweiß- 
rbvergrbßerungen. Die Bilder, die 
n Vorjahr in der Galerie Mansart in 
sehen waren. stammen durchwegs 
tgen Photographen. sie gehören 
iliischen Sammlung der französischen 
bibliothek. die insgesamt über mehr 
Millionen Photographien verfügt. 
zur internationalen Entwicklung sind 
e französischen Photographen von 
e zählen mit zu den besten der Welt} 
neues, freilich sehr vielfältiges und 
Jenartiges Verhältnis zur Wirklich- 
n"ht. Photographie Ctls konkreter. 
:honigender Spiegel unseres Seins 
it als gestalterisches Experiment in 
enz zur abstrakten Malerei und 
ist gegenwärtig wiederum mehr als 
gefragt und berechtigt. 
lEh nur wenige der in wien gezeigten 
ien erstes internationales Niveau 
so lag doch die Gesamtaualität der 
e weit über dem, was man bei uns 
mangetung entsprechender Informa- 
als zufriedenstellenden Durchschnitt 
et. Mit besonderer Genugtuung kann 
rmerkt werden, dafJ die Vergröße- 
der Aufnahmen in entsprechenden 
n vorgenommen wurden. wodurch 
:r ausnahmslos gewinnen. Hinsichtlich 
id bildkünstlerischer Gestaltung bleibt 
inches Klischee. wirkt mitunter sogar 
'ochen gestellt und damit unwdhr, 
rwiegende Mehrheit der Bilder be- 
.te jedoch trotz dieser durch strengere 
i vermeidbaren Monkos. Vorzüge und 
Ien französischer Photographie ka- 
ier auch wiederholt zum Durchbruch: 
mckender Realismus auf der einen 
harme und beinahe zärtliches Be- 
l auf der anderen. Den Kontrast- 
(eiten lichtbildnerischen Gestaltens 
it so die Skala der Kontraste mensch- 
ebens. das in Einzelbeispielen ver- 
nernd herausgegriffen wird. 
IE ST. STEPHAN 
ikl 
jste Ausstellung von Josef Mikl in der 
nächst St. Stephan (sie umfaßte 
aus den Jahren 1947 bis 1954 sowie 
' und Zeichnungen seit 1964) war 
ur in künstlerischer Hinsicht ent- 
id. Sie war es auch als versuchte 
tigung einer - taktisch falschen - 
z-Entsendung. 
dem Plastiker Roland Goeschl wurde 
Josef Mikl von Universitätsprofessor 
zenz Oberhammer, dem österreichi- 
ommissar für die diesjährige Biennale 
ledig. als zweiter Teilnehmer unseres 
tominiert. Der Künstler, der zweifellos 
ren besten modernen Malern zählt 
Jahren auch zu unseren interessan- 
Jrtd aktuellsten gerechnet werden 
ist jedoch heute bei einer derartigen 
messe avantgardistischer Kunst ebenso 
n Platz, wie es viele seiner Vorgänger 
Mikl wird ll't Venedig. wo es heute 
enn je um Aktualität und Sensation 
es schließt freilich nicht immer künst- 
i wert dus). glatlweg durchfallen oder 
lls als Reminiszeriz wohlwollend zur 
s genommen werden. Mikls Bilder im 
nes mitunter sehr verfeinerten ab- 
Expressionismus. der verschiedent- 
ke Tendenzen zum lyrischen lnformel 
-doch durchwegs den Gegenstand als 
ys- und Anhaltspunkt wahrl. hätten vor 
ahren in Venedig sicherlich gute Figur 
t. nicht jedoch heute als deplacierter 
ilbedarf und wieöerguizumdchendes 
nnis. ob durch eine Entsendung Mikls 
genützt wird. bleibt ebenfalls fraglich. 
Mit ähnlichen gemischten Gefühlen, die man 
dem Blennale-Start des Künstlers entgegen- 
bringt, begegnete man auch den Exponaten 
seiner Personalsc , die auf weiten Strecken 
und vor allem in gster Zeit mit Leerläufen 
konfronlierte. 
Mikl, ein Meister des kleinen, intimen und 
mittleren Formats, scheitert bei der Bewälti- 
gung großer Flächen fast durchwegs. Die 
Katalognummern 1 und 12 ("Figur mit er- 
hobenem Arm", ,.2 Figuren mit erhobenen 
Armen") machen Diskrepanz von Wollen und 
künstlerischer Umsetzung deutlich. Diese wird 
auch nicht kleiner, wenn der Maler dafur 
utopische Preise von 80.000 bzw. 110.000 S 
fordert. die in Anbetracht der bescheidenen 
Rolle. e Mikl international gesehen spielt. 
einfach lächerlich anmuten. 
Aber auch manche kleinere Ölskizze. so z. B. 
die als Nummer 21 ausgewiesene "Ebene". 
zeigte. daß Mikl gegenüber früher nachge- 
lassen hat. Zieht man zum Vergleich derart 
subtile, feinst nuancierte und lebendige 
Arbeiten wie die Nummern 36. 37. 38 und 40 
heran, so ist diese Feststellung genügend er- 
härtet, und es bleibt nur noch die Frage offen. 
wieso der Maler dieses offensichtliche Quali- 
tätsgefälle nicht durch eine geschicktere Aus- 
wahl vermieden hat. 
Sicherlich ist in der Kunst nichts schwieriger. 
als ein einmal erreichtes hohes Niveau zu 
halten und sich 7 ohne deswegen Erneue- 
rungen aus dem Wege zu gehen - selbst treu 
zu bleiben. Ohne unermüdlichen Einsatz und 
hartes Arbeiten an sich selbst ist jedoch beides 
unmöglich. Mikl weil! das. aber er beherzigt 
diese simple Erkenntnis neuerdings zu wenig. 
Er macht es sich zu leicht. wagt zu wenig und 
huldigt dort der leeren Phrase. WQSbStalte- 
ristche Konzentration und flexibles Uberden- 
ken der selbsterarbeiteten bildnerischen 
Grundlagen von Vorteil waren. 
 
 
GALERIE BASILISK 
Zeichnungen von Hans Böhler 
Als willkommene Gedächtnisauffrischung 
konnte eine sehenswerte und verdienstvolle 
Ausstellung charakterisiert werden. die von 
der Galerie Basilisk in der Schönlciterngasse 
gezeigt wurde. Die Kollektive umfaßte rund 
80 Zeichnungen und Skizzenbldtter sowie 
einige Aquarelle des 1884 in Wien geborenen 
und 1961 verstorbenen Malers Hans Bbhler. 
Der Künstler, der sich im wesentlichen als 
Autodidakt herangebildet hat und nur kurze 
Zeit an der Wiener Akademie der bildenden 
Künste bei Professor Bacher studierte. unter- 
nahm in frühen Jahren ausgedehnte Studien- 
reisen nach China, Korea und Japan (1911). 
Er erlebte die große Zeit des Aufbruchs und 
Neubeginns in der österreichischen Kunst des 
10. Jahrhunderts, den Jugendstil und Sezessio- 
nismus. aber auch die Anfän e des Expressio- 
nismus, die nicht ohne Einäuß auf Bohlers 
späteres Schaffen blieben. 
Bahler war - wie Zeitgenossen von ihm zu 
berichten wissen - ein "ganzer Kerl". Er 
liebte das Leben mit all seinen Annehmlich- 
keiten. Er WCtr finanziell unabhängig und 
widmete sich daher seiner Kunst, wann und 
wie er wollte. Seit 1936 stellte er in beinahe 
allen wichtigen Städten Europas aus. Acht 
Kollektiven in New York, Chicago und 
Boston machten Böhler, der mehrere Jahre 
in den Vereinigten Staaten verbrachte, auch 
in diesem Erdteil bekannt. 
Bohler war Jahrzehnte hindurch Mitglied der 
Wiener Secession. 1937 erhielt er den Öster- 
reichischen Staatspreis. 1954 den Preis der 
Stadt Wien. In der österreichischen Kunst- 
literatur der letzten Jahre findet sich freiltch 
sein Name nirgends erwähnt. 
Die aus Privatbesitz stammenden Zeichnungen 
und Skizzen. die im Basiliskenhaus zu sehen 
waren. umfassen den Zeitraum von 1900 bis 
1915. Sie sind meistens undatiert und un- 
signiert. Das Grds der Exponate waren 
Frauenakte. leicht, doch sehr gekonnt und 
beherrscht gezeichnet. Die besten von ihnen 
sind durchaus Klimt und Schiele vergleichbar. 
bewahren sich jedoch tralz gelegentlicher 
Parallelen ihre herbe Eigenständigkeit 
Böhler, dem das Skizzenhafte lag (auch in 
gut beobachteten Frauenporlrüts). der um 
die Bedeutung der rdsch. doch wesentlich 
hingezeichneten Kontur wußte, umkreiste mit 
seinem Stift den weiblichen Korper. Er ging 
behutsam, ja zdri vor. scheute anderseits 
jedoch keineswegs ein hartes. bestimmtes 
Zupacken. wenn es Komposition und Aus- 
druck erforderten. Rhythmus und Eleganz 
sodrsdmer Linien, Verdichtungen und andere, 
perspektivische Spannungsmomente verleihen 
seinen Kohle-, Graphit- und Tuschezeichnun- 
gen nicht nur formales Fluidum. sondern auch 
eine Lebendigkeit und Ausstrahlung, die ihnen 
einen besonderen Rang innerhalb dieses 
Sujets in der neueren österreichischen Kunst 
zuordnen. Der Zeichner Hans Böhler (einige 
kleine, weniger eigenständig: und wertvolle 
Formate erinnern an die große Zelt des 
Simplicissimus, an die Aktualitäten und künst- 
lerischen Moden zwischen 1895 und etwa 
1915) übertraf zweifellos den späteren Maler, 
den im größeren Umfang vorzustellen sich 
jedoch auch schon deshalb lohnen dürfte. 
weil er der jüngeren Generation ebensowenig 
bekannt sein dürfte. 
KLEINE GALERIE 
Holzschnitte von Linde Waber 
Linde Waber. 1940 in Zwettl geboren. 
von 1958 bis 1964 Schülerin der Professoren 
Martin und Melcher an der Wiener Akademie 
der bildenden Künste. hat sich völlig dem 
sten und zugleich sprödesten Techniken im 
graphischen Metier. 
In der Kleinen Galerie in der Neudegger- 
gasse zeigte die Niederösterreicherin ihre 
neuesten Arbeiten. die m pauschal beurteilt - 
erfreuliche Fortschritte aufweisen. 
Linde Wabers Landschaften und Dorfrnotive. 
vielfach farbige Blätter in subtilen Modula- 
tionen, besitzen ihren Ausgangspunkt im 
deutschen Expressionismus. der heute noch 
immer viele junge Künstler in seinen Bann 
zieht. Ein Schuß Melancholie und Romantik 
bewirkt bei einzelnen Blättern ein zusätzliches 
Stimmungsmoment sehr personlicher Aus- 
strahlung. 
Formal sind die meisten. wenn auch nicht 
alle Arbeiten gut gelost. Vom rein Technischen 
her bringt man als Absolvent der Meister- 
klasse fur Graphik bei einem Lehrer wie 
Melcher ohnedies das nötige Rüstzeug mit. 
Wenn Linde Waber. deren Holzschnitte 
m allen voran ein so schönes und harmo- 
nisches Blatt wie der in Braun-Gelb-Tönen 
gehaltene "Steinbruch" - den österreichi- 
schen Durchschnitt in dieser Disziplin über- 
treffen, noch etwas fehlt, so isi dies größeres 
formales Wagnis sowie ein erneutes Uber- 
denken ihrer Motivwahl. Mehr Freiheit 
könnte hier nicht schaden. weil diese nicht 
zuletzt auch die geistigen Grundlagen ihrer 
Arbeit in bestimmtere Bahnen lenken würde 
(Abb. S). 
GALERIE GRIECHENBEISL 
Uta PrantI-Peyrer 
Der Malerei von Uta Prantl-Peyrer. der inner- 
halb der österreichischen Kunst der Gegen- 
wart eine ausgesprochene Außenseiterposition 
zukommt, zu begegnen, bereitete in den 
letzten Jahren stets ungetrübte Freude. Die 
jüngste Ausstellung in der Galerie im 
Griechenbeisl 7 sie umfaßte 16 Ölbilder der 
1939 in Oberpullendorf im Burgenland ge- 
borenen Künstlerin i bestätigte nicht nur 
erneut diesen Eindruck, sondern zeigte auch. 
daß trotz Beibehaltung persönlicher Eigenart 
und bestimmter Blldprinziaien auch während 
einer längeren Periode immer wieder er- 
staunliche Stelgerungen möglich sind. 
Die Hingabe und Konzentration, mit der 
diese sensible Künstlerin am Werk ist. hebt 
ihre "Gebet" betitelten meditativen Bilder, 
die in ihren besten Beispielen eine kaum 
iäberbietbare, karge und doch wiederum 
sehr reiche Einheit von Wollen und künstle- 
rischer Umsetzung erreichen, in die Sphäre 
des Geistigen, der Auseinandersetzung mit 
dem Transzendentalen. 
Uta Prantls Malereien sind moderne An- 
dachtsbilder. die zur Besinnung rufen und 
in bestem Sinne zeitgemäß und zeitlos zugleich 
sind. Sie sind höchst seltene Beispiele dafür, 
daß es so etwas wie sakrale Malerei auch 
heute - oder erst heute wiederum - gibt. 
Die 1966 und 1967 entstandenen Bilder (Öl 
auf Leinen) beruhen alle auf dem Prinzip 
der Scheibe. die zugleich geometrlsches 
Zentrum und ausstrahlender Mittelpunkt der 
in feinsten Abstufungen gemalten Kompositio- 
nen ist. Um dieses Symbol (und in dieses 
eindringend). das auch als Sonne oder Blume. 
als inners, der Mitteilung an den Nächsten 
harrendes Geheimnis gedeutet werden könnte. 
breitet sich ein subtiler, nuancenreicher. 
beinahe monochromer kosmischer Teppich. 
der aus kleinsten. kaum noch wahrnehm- 
baren Flecken und kreisenden Punkten fuglos 
zusammengsetzt wurde. 
Die zwingende Logik und Einfachheit des 
malerischen Geschehens, der gleichsam schwe- 
relose Zustand, die innere Größe und Rein- 
heit dieser "Gebete" zeichnen die Bilder von 
Uta Prcintl-Peyrer in einem Maße aus, das 
Bewunderung verdient. 
GALERIE WÜ RTH LE 
"Der Kopf" 
Eine interessante Gruppenausstellung zum 
Thema "Der Kopf" veranstaltete die Galerie 
Würthle in der Weihburggasse. Es handelte 
sich um eine abwechslungsreiche, doch nicht 
zu bunt gemischte Kollektion. deren Quali- 
tat über dem lag. womit Wiener Galerien 
in der Regel aufzuwarten haben. Die Aus- 
stellung (sie umfaßte rund B0 Exponate) kon- 
frontierte mit mehreren Klassikern der 
Moderne. darunter auch den Altmeistern 
österreichischer Malerei des 20. Jahrhunderts. 
vergaß aber auch nicht auf jüngere Künstler, 
die in der Regel mit nicht weniger interessan- 
ten Arbeiten vertreten waren. Einige Namen. 
aus dem weitgesteckten Panorama legitimer 
künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten ge- 
griffen. veranschaulichen wesentliche Aspekte 
der Auseinandersetzung mit dem ergiebigen 
Thema: So sah man z. B. von Picasso ein 
zeichnerisch grandioses, dynamisches Porträt 
von Balzac. von Emil Nolde ein aquarelliertes 
Frauenbildnis und von Egon Schiele gleich 
drei, allerdings unverkäufliche Arbeiten. um 
die sich jedes Museum reißen müßte. Chagall 
war mit dem Kapfelnes alten Juden vertreten. 
der österreichische Expressionist Richard 
Gerstl mit zwei ausdrucksstarken Olstudlen. 
Mit ähnlich interessanten Blättern wie die 
Deutschen Dix, Beckmann und Klrchner 
waren auch die Franzosen Matisse und Vtllon 
mit von der Partie. Wotruba. Avramidis und 
Pillhofer repräsentierten mit kleineren Ar- 
beiten die österreichische Gegenwartsplastik. 
INTERNATIONALER KÜ NSTLERCLUB 
Hippie-Posters 
Sehenswert, wenn auch problematisch. war 
eine Ausstellung von Hippie-Posters. Plakaten 
Internationalen rKüvnstlerclub im Pdlois 
Palffv. 
Ohne den Jugendstil und verschiedene 
Manierismen des 19. Jahrhunderts wären die 
zumeist in grellen Farben gedruckten. mit 
viel Schrift versehenen Plakate kaum var- 
stellbar. Von Originalität und zeitgemäßem 
Stil ist in ihnen nicht viel zu spüren. In ihrer 
romantischen Verträumtheit haben sie mit 
dem Heute nur insofern zu tun. als sie von 
7 zlvilisationsmüdenf i Menschen gekauft 
werdemdiesich. anstattsich um die Gegenwart 
zu kümmern. in den Schmollwinkel der Ver- 
gangenheit zurückziehen. um dort ungestört 
ihre Zeit zu verbringen. 
Die heute weilverbreiteten Hippie-Posters 
(man kenntsie unter diesem Namen seit 1965) 
dienten und dienen in der Regel zur Ankündi- 
gung von Tanzveranstaltungen. sie sind 
durchwegs geschickt und effektvoll gestaltet, 
bleiben dabei allerdings eklektizistisch- 
charmanter, gelegentlich pap-verbrömter 
Gartenlaubestil für Teenager und Twens in 
Auflagen bis zu 100.000 Exemplaren. 
GALERIE STU BENBASTEI 
Clarence E. Giese und 
Hubert Fischlhammer 
Mit 17 Ölbildern und 4 Aquarellen stellte sich 
der 1925 in Indiana in den USA geborene 
Maler Clarence E. Giese erstmals in der 
Galerie auf der Stubenbastei der österreichi- 
schert Öffentlichkeit vor. Der Künstler, der 
seil 1958 als Lehrbeauftragter für Zeichnen 
und Malen am Institut für europäische Studien 
in Wien talig ist, verwandelt in seinen be- 
dachtsam aufgebauten Bildern Steinstrukturen 
und Landschaftseindrücke zu einer Synthese 
von Werden und Vergehen. Er bezieht seine 
malerische Arbeit auf den Menschen und 
seine Umwelt. "Steine und Gebeinformen 
treten in meinen Bildern wiederholt auf. 
Gestein symbolisiert die materielle Welt, 
Gebeia definiert den Menschen". Schreibt 
Giese über die Zielsetzung seiner bestimmten 
und doch subtilen. zumeist stufenfärmig auf- 
gebauten Bilder. "Tod". "Verklärung". 
"Verwandlung" und der "Schmerzensmann" 
sind die Themen. die ihn interßsieren. die 
ihn zu immer neuen lntegratiansversuchen 
bildnerischer und geistiger Aspekte anspornen. 
Eine Ausstellung, die an der Ernsthaftigkeit 
des Bemühens dieses Künstlers keine Zweifel 
hinterließ. 
Als Hubert Fischlhammer. der 1925 in Ried 
im lnnkreis geborene Graphiker. 1965 mit 
einer Kollektive seiner Arbeiten in der 
Wiener Galerie Autodidakt erstmals in 
größerem Rahmen dn die Öffentlichkeit trat, 
war dies Anlaß genug, in den gleichermaßen 
begabten wie disziplinierten Autodidakten 
Hoffnungen zu setzen. Der künstlerische 
Werdegang. den Hubert Fischlhammer in 
der Zwischenzeit gegangen ist (eine Aus- 
Stellung in der Galerie auf der Stubenbastei 
gab darüber Aufschluü), erfüllte die Er- 
wartungen aus Anlaß seines Wiener Debüts. 
Mit dem Willen, ernsthaft an sich und der 
Vervollkommnung seiner handwerklichen 
Mittel zu arbeiten. gelang dem Künstler eine 
respektable Folge farbiger graphischer 
Blätter. die gegenüber früheren nicht nur 
Fortschritte im Technisch-Handwerklichen 
aufweisen, sondern in der Regel auch schon 
ein klareres Stilbewußtsein. ein immer stärker 
und wesentlicher werdendes Zusichselbst- 
finden veranschaulichen. Dabei gilt es zu 
berücksichtigen. daß die opportunistische Zu- 
flucht bei der Masche. dle vielen Alibi für 
echte Anstrengungen ist, mit Erfolg vermieden 
wurde und statt dessen - bei aller Disziplin, 
die seinen Materialdrucken und Monatypien 
eigen ist - die ganz und gdr dem schöpfe- 
rischen lmpetus gehorchende Schaffens- und 
Formulierfreude vorherrscht. Sicherlich birgt 
jedes Zuviel. ein zu großer Farmen- und 
Ideenreichtum Gefahren in sich, was auch 
bei Fischlhammer zur Folge hat, daßurttcht 
alle Arbeiten gleich strengen kritischen Uber- 
legungen standhalten. lm gesamten und auf 
längere Sicht ist jedoch nur dieser weitest- 
gehend offene Weg eine gewisse Garantie 
für Profilierung im Sinne echter künstle- 
rischer Persönlichkeitsfindung. Bei aller Ver- 
schiedenartigkelt der formalen Aufgaben- 
stellung in den einzelnen Arbeiten zeigt eine 
größere Anzahl vergleichend betrachtet doch 
sehr genau das Spezifische der Graphik von 
Hubert Fischlhammer. Batimmte Prinzipien 
des Bildaufbaues und der formalen Akzentu- 
ierung. aber auch Eigenheiten und Wieder- 
holungen in der Farb- und Thernenwahl sind 
in diesem Zusammenhang anzuführen. 
Kriterien für den Wert und die Eigenart der 
graphischen Blätter lassen sich demnach in 
entsprechender Zahl verhältnismäßig objektiv 
registrieren. Sie reichen von dem bereits 
erwähnten handwerklichen Können und der 
Exaktheit in der drucktechnischen Ausführung 
über formale Harmonie. Genauigkeit und 
Spannungsgegensatze bis zu dem sehr sub- 
tilen Setzen der Farbe sowie feinster. nuancen- 
reicher graphischer Verlaufe und Strukturen 
in einzelnen Details. Im Zusammenwirken all 
dieser Faktoren entstehen Bilder. die bei aller 
Bestimmtheit auch der Phantasie des Be- 
trachters genügend Spielraum gewähren und 
jenen geistigen Anforderungen entsprechen. 
ohne deren Vorhandensein von Kunst nicht 
die Rede sein kann. Die Graphiken von 
Hubert Fischlhammer sind ein schätzenswertes 
Beispiel dafür. daß hier in aller Stille und 
Zurückgezogenheit. doch fernab jeder An- 
rnoliung und provinzietlen Desorientierlheit 
ein Werk weiter im Entstehen begriffen ist, 
dem auch in Zukunft unsere Aufmerksamkeit 
gelten wird (Abb. 6. 7). 
Peter Baum 
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