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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 100)

 
In Österreich. das als Kunstlandschaft international 
vor allem als Hort der Bildhauer angesehen wird, 
ist es nicht verwunderlich, wenn es auch eine 
Bildhauergraphik neben der von Hrdlicka gibt. 
Fritz Wotruba hat sich in den letzten Jahren mit 
der Radierung und der Lithographie beschäftigt 
und aus solchem Umgang Gewinn ziehen können. 
Dasselbe gilt für Rudolf Hoflehner. der die in 
seinen Eisentiguren auftretenden Formen auf der 
Kupferplatte oder auf dem Stein variiert. be- 
reichert und auch umgestaltet. Für Erwin Reiter. 
der in Radierungen die seine Arbeit charakteri- 
sierenden Bandmolive verwandelt und zueinander 
in Beziehung setzt, gilt ähnliches. Eine ganz eigene. 
unverwechselbare Handschrift entwickelte der 
Bildhauer Franz Anton Coufal auf der Kupfer- 
platte. Er hat sich in Wien erst kürzlich eine eigene 
Druckwerkstatl eingerichtet und damit eine 
Initiative entfaltet. an der es in Österreich bisher 
noch sehr mangelt. Eine gewisse Zeit hindurch 
war in dieser Hinsicht auch das Forum Stadlpark 
in Graz aktiv, aber inzwischen scheint man dort 
wieder aufgegeben zu haben. 
Der größte Teil österreichischer Druckgraphiker 
rekrutiertsich freilich aus Malern. es sind ,.peintres- 
graveurs". wie die Franzosen sagen, Künstler. 
für die der Umgang mit den druckgraphischen 
Medien nicht weniger wichtig ist als die Malerei. 
Mit Ausnahme von Werner Berg und dessen 
expressionistischen. lapidaren Holzschnitten han- 
delt es sich auch hier um die jüngere Generation, 
die sich ins Spiel zu setzen wußte. so daß es so 
gut wie keine nennenswerte Druckgraphik von 
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über Vierzlgjöhrigen gibt. Ausnahmen bilden 
Theo Braun und Ludwig Merwart. die vor allem 
der Eisenützung auf experimentellen Wegen reiz- 
volle Effekte abzugewinnen wissen, dann Hans 
Stauducher, der es wohl als einziger in Österreich 
verstand, aus dem - an sich fragwürdigen 7 
Umgang mit dem spröden Material der Alu- 
miniumfolie im Offsetdruck Kapital zu schlagen. 
indem er nämlich lernte, sich auf diesem Gebiet 
souverän und phantasievoll zu bewegen. 
Während Ernst Fuchs. sowohl künstlerisch als auch 
technisch dem 19. Jahrhundert und seinem Symbo- 
lismus verwandt, ein reiches graphisches Werk 
geschaffen hat (das in Helmut Weis bereits seinen 
Bearbeiter gefunden hat), beschränken sich seine 
artverwandten Kollegen Erich Brauer. Wolfgang 
Hutter und Anton Lehmden hauptsächlich auf die 
reine Linienützung. Sie nützen die gegebenen 
Möglichkeiten der Radierung also koum aus. 
Dies gilt nicht für einen sich so sehr für technische 
Fragen interessierenden Maler wie Marie Decleva, 
dem sowohl die Radierung als auch die Lithographie 
mehr als nur eine Nebensache bedeuten. Auch 
Peter Bischof versucht sich neuerdings erfolgreich 
mit der Radierung anzufreunden, während sie für 
Rudolf Hradil bestimmend ist. Nur periphere 
Bedeutung hat die Druckgraphik für Josef Mikl 
und Wolfgang Hollegha. Wer sich hingegen mit 
den Problemen des Siebdrucks auseinandergesetzt 
hat. sind Johann Fruhmann, Hans Krenn und Adi 
Holzer (siehe Nr. 98). Vor allem Fruhmanns 
Siebdrucke bereichern das. was er als Maler 
leistete. ganz entschieden. 
Von Hundertwasser gibt es zwar ein umfang- 
reiches druckgraphisches OEuvre, das uns in 
diesem Zusammenhang jedoch nicht zu interes- 
sieren vermag. weil es sich vor allem in jüngster 
Zeit um Umsetzungen seiner Bilder in gedruckte 
Blätter handelt, um Reproduktionen also, welche 
die tätige Hand des Künstlers in keiner Weise 
mehr spürbar werden lassen. In Frankreich werden 
solche signierten Reproduktionen von hervor- 
ragenden Handwerkern seit jeher hergestellt. 
Unter den Jüngeren fielen neben den die hollän- 
dische Cobra-Gruppe in etwas Österreichisches zu 
verwandeln suchenden Peter Pongratz und Franz 
Ringel vor allem aber auch Heinz Stangl, Helmut 
Krumpel und Heinz W. Lindinger als Druck- 
graphiker auf. Von ihnen wird man in Zukunft 
vermutlich noch hören. Einige begabte Graphiker. 
die hier nicht alle aufgezählt werden können. 
kamen aus der Klasse Max Melchers an der Aka- 
demie der bildenden Künste. während der Druck- 
graphik an der Akademie für angewandte Kunst 
vor allem in den Klassen Carl Ungers und Franz 
Herberths gesteigertes Interesse entgegengebracht 
wird. Die wesentlichen Impulse gehen aber wohl 
von den Künstlern aus, von jenen vor allem, die 
bewiesen haben, was aus dem Umgang mit der 
Druckgraphik zu gewinnen ist. 
Die Experimentierfreudigkeit anderer Länder 
allerdings muß man in Österreich weitgehend 
vermissen. Die hierzulande gepflogenen Techniken 
sind die orthodoxen. Es ist keine Bereitschaft 
festzustellen, sich mit den sogenannten mixed 
media auseinanderzusetzen oder klassische Metha- 
den um neue Einülle zu bereichern.
	        

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