MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 140)

das neue Palais am Josefstädter Glacis, heute 
Friedrich-Schmidt-Platz, übertragen und in den 
eigens für diesen Zweck vorgesehenen, für die 
damalige Zeit außerordentlich modernen Ober- 
lichtsälen aufgestellt. ln diese Räume ist nun 
nach Ablauf des Salzburger Leihvertrages der 
Hauptbestand der Galerie Graf Johann Rudolfs 
wieder heimgekehrt. Es war eine der heute so 
selten gewordenen mäzenatischen Taten, als 
Graf Czernin zum Zeichen seiner Verbundenheit 
und zur bleibenden Erinnerung an die „Salz- 
burger Zeit" seiner Bilder das Porträt des Bild- 
hauers Francais Duquesnoy von Jacques Blan- 
chard (1600-1638) der Salzburger Residenzgale- 
rie zum Geschenk machte. 
Daß das Ausscheiden der Sammlung Czernin für 
die Präsentation der Gemäldesammlung „Salz- 
burger Residenzgalerie" heute leicht verschmerz- 
bar ist, ist vor allem der planvollen Ankaufs- 
und Sammeltötigkeit Hofrat Narobes sowie des- 
sen Nachfolgers in der Leitung der Galerie, Dr. 
Edmund Blechinger, zu danken. Denn während 
der knapp 20 Jahre, in der die Sammlung Czer- 
nin eines der Fundamente der Residenzgalerie 
bildete, konnte die Galerie ihre eigenen Bestän- 
de systematisch vermehren. Bedeutende Werke 
von Makart, Waldmüller, Gauermann und Amer- 
ling konnten ebenso erworben werden wie Bil- 
der von Rottmayr, Troger, Maulpertsch, Kremser- 
Schmidt, Altamonte, Gran, Solimena und Tie- 
pala; eine besondere Bereicherung stellt das 
Porträt Karls V. von Rubens dar. Selbst aus der 
Sammlung Czernin konnten mehrere wichtige 
Gemälde erworben werden, darunter einige 
flämische und holländische Meister (vgl. Abbil- 
dungen); vor allem ist der Ankauf der gesam- 
ten Bilder der französischen Meister von großer 
Wichtigkeit und überregionaler Bedeutung, da in 
österreichischen Sammlungen, selbst im Wiener 
Kunsthistorischen Museum, die französischen 
Meister des 17. Jahrhunderts nicht sehr zahlreich 
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Hans Makart 
Farbskizze, O1 a 
Ferdinand Geor 
der am Fenster, 
(184W18B4), Gesellschaftsszene, 
uf Lw., 47 x 74 cm 
Waldmüller (1793-1865), Kin- 
l auf Lw., 89 x 65 cm 
 
vertreten sind. Als längerfristige Leihgaben hat 
die Residenzgalerie mehrere Gemälde aus der 
Sammlung Schönborn-Buchheim zur Verfügung 
gestellt erhalten. 
Sichtbarer Ausdruck für den Erfolg solcher An- 
kaufspolitik ist der nunmehrige Bestand der 
Salzburger Residenzgalerie mit knapp mehr als 
200 Gemälden, die in ihrer Gesamtheit einen 
interessanten repräsentativen Querschnitt durch 
die europäische Malerei vorn 16. bis zum 20. 
Jahrhundert bieten. Die Hauptakzente liegen in 
zwei Räumen mit holländischen Meistern, zwei 
mit französischen und drei mit italienischen Mei- 
stern, dem großen Ecksaal mit dem österreichi- 
schen Barock sowie in zwei Sälen mit Meister- 
werken des 20. Jahrhunderts, der eine dem Schaf- 
fen Boeckls, Klimts, Koligs und Gerstls, der an- 
dere ganz dem Anton Faistauers gewidmet. 
Schließlich ist die Wiedereröffnung Endpunkt 
umfangreicher Renovierungsarbeiten. Ziel dieser 
Arbeiten war vor allem, die Galerie, deren aus- 
gewählte Bestände bisher nur in den Sommer- 
monaten zu sehen waren, in Zukunft ganzjährig 
geöffnet zu halten und damit einen langgeheg- 
ten Wunsch gerade der Salzburger Kunstfreunde 
zu erfüllen. Außer dem notwendig gewordenen 
Einbau einer indirekten Beleuchtungsanlage war 
unabdingbare Voraussetzung für ein solches 
Vorhaben, neben den größtmöglichen Sicher- 
heitsvorkehrungen alle aus konservatorischen 
Überlegungen nur denkbar wichtigen Maßnah- 
men für ein klimatisches Gleichgewicht während 
der Heizungsperiode zu treffen. Damit ist ein 
neues „Kunst-Zentrum" geschaffen worden, des- 
sen Besuch sich alle Bewohner Salzburgs und 
deren Gäste und Freunde besonders angelegen 
sein lassen sollten. 
l l Unser Autor: 
Franz Wagner 
A-5163 Mattsee, Postfach 11 
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