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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 146)

Für den Kunstsammler 
 
Erika Hellich 
Alte Uhren in Wien und Österreich 
Tardy, der bekannte Verfasser eines dreibändigen 
Standardwerkes „la pendule francaise des origines 
a nos iours", schrieb 1964 in seinem 3. Band 
(Horloges et pendule etrangeresl, daß der Wiener 
Uhr noch immer nicht der ihr gebührende Platz 
hinsichtlich Publizität in den europäischen Samm- 
lungen eingeräumt sei. Und um dies quasi nach- 
zuholen, hat er in diesem Band gleich 35 Abbil- 
dungen von der damaligen Privatsammlung Sabek 
in sein Werk aufgenommen. 
Er muß wohl diese Erkenntnis aufgrund der 
persönlichen Besichtigung gerade dieser Kollektion 
gewonnen haben, denn von keiner anderen ist 
auch nur eine annähernde Anzahl reproduziert. 
Und wenn er dann weiter darüber referiert, doß 
sie eine Präzisionsuhr sei, aber voll Charme und 
romantischem Zauber und damit die Inkarnation 
österreichischer Wesensart, kann für diese 
öffentliche Anerkennung auch heute noch gedankt 
werden. Sicher dachte der Verfasser damals daran, 
daß im Gegensatz zu Österreich in England, 
in Frankreich und in der Schweiz schon zu Beginn 
des Jahrhunderts eine Reihe lokal ausgerichteter 
Uhrensammlungen bekannt war, die eine Klar- 
stellung der in den betreffenden Ländern statt- 
gefundenen Entwicklung im Zusammenhang mit 
der internationalen Situation ergaben. 
Der ehemalige Generaldirektor der österreichischen 
Staatsdruckerei Dr, Franz Sobek ist am "I0. Dezem- 
ber v. J. gestorben, hat aber im Jahre 1965 
seine, diese österreichischste aller Sammlungen 
dem Staat als frühes Vermächtnis überantwartet, 
die seitdem als „Geymüller-Schlößl-Sammlung 
Sobek" der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, 
und somit ist auch alles unternommen worden, 
über Österreichs Uhren und deren Produktion 
vor und nach lBOO zu berichten. lm altösterreichi- 
schen Brünn in Mähren aufgewachsen, hatte 
der Sammler aus Leidenschaft D. Sobek reichlich 
Gelegenheit, österreichisches Kunsthandwerk 
dieser Epoche mit „ausländischen" Obiekten 
derselben Epoche zu vergleichen. Und er kam, 
wie er sich sehr oft persönlich äußerte, zu dem 
Schluß, sich deshalb auf das Sammeln österreichi- 
scher Uhren - denen seine besondere Vorliebe 
galt - zu konzentrieren, weil ihrn diese sowohl 
in technischer wie ästhetischer Hinsicht gegenüber 
den so berühmten englischen und französischen 
Uhren gleichwertig schienen. 
Die 200 Uhren dieser umfassenden Sammlung 
von Bodenstand-, Wand-, Karnin- und Barockuhren 
sind zum großen Teil signiert, und diese Signaturen 
stammen fast alle von Wiener Meistern. Schon 
im ersten Vergleich, beispielsweise der Gehäuse 
einzelner feuervergoldeter Kaminuhren mit 
französischen Objekten, läßt sich erkennen, daß 
erstere aus einem neuen, lebendigen und 
differenzierten Geschmackszentrum kommen und 
daß Frankreich für dieses „sein Metier" damals 
absolut nicht mehr die alleinseligmachende 
Vorherrschaft in Wien ausübt, wie unsere 
Beispiele hier beweisen. Edel, ausgewogen und 
zurückhaltend sind ihre Ornamentik und Verzierung 
der Gehäuse, resultierend aus der künstlerischen 
Arbeit van Spezialisten; die Beschläge und 
Verzierungen, feuervergoldet, sind von besonderer
	        

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