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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

ir Kokoschka, das „Enfant terrible" des deut- 
i Expressionismus, heute der „grand old 
' der madernen Malerei, feierte heuer am 
iörz seinen neunzigsten Geburtstag - ein 
archenalter. „Die Deutschen brauchten mich 
als", sagte er einmal ganz einfach zu mir. 
klang lakonisch, war aber wahr, wie so 
:he seiner Aussprüche. „lch male Porträts, 
ich es kann", aber: „lch bin kein Denker, 
lenke nicht nach, mir kommt es von einer 
en Kraft". Solche bescheidene aber heraus- 
zrnde Worte verbergen Untiefen der geisti- 
Ertahrung, der seelischen Reife, der Weis- 
Tizian hat noch als Neunundneunzigiühri- 
Jemalt. Sein letztes Bild hängt in der Acca- 
a in Venedig. Auch O. K. ist in seinem ho- 
Alter unentwegt schöpterisch wirksam. Tag- 
:h arbeitet er an bedeutenden Werken in 
m stillen, in ländlicher Abgeschiedenheit 
ienen Haus am Genfer See, unweit von Vil- 
ive-Mantreux. 
yrößte Kreator von Menschenbildnissen, von 
schafts- und Städtepanoramen unserer Zeit, 
in die Kunstgeschichte nicht nur als Ma- 
Ieichner und Meister aller grafischen Tech- 
I eingehen - einem Munch, einem Goya, 
n Hokusai veraleichbar -. sondern auch als 
4 Oskar Kokoschko, Selbstporträt (Brustbild mit 
Zeichenstift], 1914. Kreidezeichnung (Umbruch?j. 
5 Oskar Kokoschka, „Prag: Blick vom Ruiiäka- 
Garten", 1934. ÜlfLeinwand, 80x98 cm. Sign, 
links unten „O K" 
 
folgten, er ist auch als Erzähler tiefempfum 
und autabiographischer Kurzgeschichten s 
als Essayist künstlerischer, humanistischer 
politischer Themen vorbildlich geworden 
Jahre 'l97'I veröffentlichte er seine Selb: 
graphie „Mein Leben". 
ln seinem hohen Alter hat er die schar 
40 Jahren begonnene Tragödie des Humani 
den „Camenius", beendet. Dieses Drama i: 
i. März 1975 im Zweiten Deutschen Fern: 
als eine Mahnung an das deutsche Volk un 
Welt uraufgeführt worden. Wer könnte I1 
ergreifende Szene vergessen, in der der ' 
Lehrer der Völker, Jan Amos Comeniusl 
letzte Bischof der böhmisch-mährischen B 
- wie Oskar Kakoschkas Vater aus Bö 
stammend -, in das Atelier des alternden 
brandt eintritt, um für sein Porträt zu sitze 
Wirklichkeit ist es von einem Schüler Rembr 
gemalt worden), während draußen in den 
ßen der Mob rast und ein Judenmädchen si 
Rembrandt rettet, der gerade an seiner „N 
wache" arbeitete und im letzten Augenblic 
seit Jahrhunderten als mysteriös angese 
Mädchengestalt - eben das fliehende Judei 
Hannah - in das Bild hineinzauberte. Und 
nnh stirbt so wie auch der einsam in ienert
	        

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