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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

1708-1710 [Figuren von Simeon Fries), wo 
wahrscheinlich Nachfolger entsprechender 
itzereien Michael Pachers an dessen zer- 
am Hochaltar sind. 
e vertreten uns diesen Typus vor allem die 
en Schnitzaltäre in St. Wolfgang von Mi- 
l Facher und in Kefermarkt. Dürer vor 
m stand vielleicht schon das bis auf die Flü- 
ioch erhaltene steinerne Pappenheim-Reta- 
m Dom zu Eichstött von 1489414954, sicher 
- auf der ersten italienischen Reise 1494- 
- der heute zerlegte Sterzinger Altar von 
Multscher, in der Pfarrkirche zu Sterzing 
-1459 errichtet? Hier waren die großen 
itzfiguren der Hll. Georg und Florian zu 
1 des geschlossenen Schreins angebracht. 
1 der Grieser Altar Michael Pachers, den 
r wohl sicher gesehen hat, hatte - nach 
rokt - milites als Schreinwächter, Florian 
Sebastian. Weil dieser aber gewiß im Mar- 
n, entkleidet, mit den Pfeilen, erschien, bot 
Srieser Altar nicht wie der Sterzinger den 
ick der zwei Gewaffneten.) 
t nun nicht zu beweisen, aber wohl ein- 
tend, zu denken, daß Dürer in den Flügeln 
'aumgartner-Altars plastische Schreinwäch- 
largestellt hat. Natürlich sind es nicht ma- 
h fingierte Skulpturen, wie man sie auf 
inseiten altniederländischer Altäre findet. 
es wären „Statuenbilder"; Bilder wie Sta- 
Sie wären das in dem gleichen Sinne, wie 
nnenflügel des Bildnisses von Oswald Krel 
von 1499 (München) Reliefbilder sind. Dort ist 
oben geschnitztes Astwerk dargestellt, wie es 
an gleicher Stelle Schnitzaltäre haben; darunter 
die Wilden Männer mit den Wappen legen sich 
vor violetten und braunroten Gründen ins Re- 
lief, flächiger als Dürers Stil zur gleichen Zeit 
ist. Aber zugleich sind sie als lebendig darge- 
stellt, auf Rasen, und auch die obere Partie stellt 
mit dem Astwerk als Kunstprodukt zugleich echte 
Äste dar, wie das die Schnitzer selber tun. Kan- 
kurrenz zur Plastik eher als deren Darstellung 
hätten wir hier und auf den Paumgartner-Flügeln. 
Daß die Statuen direkt neben dem Mittelstück 
stehen, was die Flügelaltäre nie zeigen (auch der 
Eichstätter holte Flügel], ist neu. ln Eichstätt sind 
„Bild" und Statuen deutlich unterschieden. Aber 
dort sind diese klein im Verhältnis zum Bild; 
Dürer muß doch vor allem der Sterzinger Altar 
angeregt haben mit seinen großen Heiligen, und 
die direkte Gegenüberstellung von Bild und Sta- 
tue, für die die Ritterstatuen auf die Innen- 
flügel kamen, trotz Standflügeln, ist dann vor 
allem Dürers eigene Idee, die „Gemöl" und 
Figur polar aufeinander bezieht. Indem Flügel 
zu Statuen werden, ist das Mittelbild etwas Eige- 
nes, gewissermaßen Flügelloses, wie das Dürers 
spätere Altäre nach italienischem Vorbild, aber 
eben wohl nicht ohne Vorbereitung in Dürers 
eigenem CEuvre, meist anstreben. Selbständiger 
- im polaren Bezug und später isoliert - wer- 
den auch die Seitenfiguren. 
Daß Plastik in Malerei erscheint, paßt zu ande- 
ren Erscheinungen der Zeit, vor allem zu dem 
immer stärkeren Überwiegen des ganz gemalten 
über den geschnitzten Altart, etwa in Pachers spä- 
tem Kirchenväteroltar. Aber es ist, besonders für 
Dürer, auch wichtig, daß seine Malerei gerade 
neben der Plastik einhergeht. „Statuenbilder" an- 
derer Art hat Dürer ia auch sonst geschaffenß 
im Wittenberger Altar der Schmerzen Mariö 
von 1496, wo diesmal das Mittelstück, die 
Schmerzensmutter, als Nischenfigur unter der 
Muschelkalatte und doch lebendig erscheint. Die 
Lukretia von 1518 hat zwar mit dem attributhaf- 
ten Bett „Umwelt" als Hintergrund; doch hat sie 
Wolfgang Stechow als „Lucretioe statua" von 
einem Gesichtspunkt her erläutern können, der 
das schwer zugängliche Bild viel verständlicher 
machta. Auf der Vorzeichnung steht Lukretia in 
einer Nische. Diese Art von Statuenbildern hängt 
mehr mit der italienischen, letztlich von Florenz 
ausgehenden Gattung zusammen, wo, von Ca- 
stagno bis zu Michelangelo: Sixtinadecke und 
weiter, die Figuren in gemalter Architektur Platz 
finden. 
Die lnnenflügel vom Paumgartner-Altar scheinen 
eine eigene Tradition Dürerscher Statuenbilder 
begründet zu haben. Diese sind Hauptwerke 
Dürers, Adam und Eva von 1508 im Prado und 
die Vier Apostel als Paare. Beidemal ist der 
Grund schwarz, faßt das hohe Bildformat knapp, 
sind die Bilder selber wie Statuen. Daß die Ta- 
feln van Adam und Eva direkt zusammengehö- 
ren, d. h. höchstens mit Intervall, aber ahne eine 
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