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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

wMuseen, Schlösser und Touristen-r hieß ein Artikel. 
dert960 in dieserZeitschrift erschienen ist. Sein Au- 
tor: Dr. Franz Windisch-Graetz. sein Inhalt: Gedan- 
ken und sehr konkrete Vorschläge. den damals in 
ungeahntem Maß sich entwickelnden motorisierten 
Ausflugsverkehr zu nutzen für die Revitalisierung 
von Meisterwerken der Schlösserarchitektur, zu- 
gleich kostbare Objekte aus Museumsdepots der 
Öffentlichkeit zu präsentieren, indem man museale 
und denkmalschützerische Anliegen in administra- 
tiv-organisatorisch neuer Form mit dem Ziel der 
Weckung und Förderung von Kultur- und Ge- 
schichtsbewußtsein verband. 
Drei Jahre später. 1963. wurde in Verwirklichung 
dieser ldee- die eigentlich eine Verbindung mehre- 
rer Ideen in einem einzigen Konzept ist-das Kunst- 
gewerbemuseum im Schloß Petroneli eröffnet. in 
den Medien sprach und schrieb man von einer 
"Sternstunde des österreichischen Kulturlebens-u 
Der Mann, dem Idee wie Verwirklichung zu danken 
sind, blieb damals im Hintergrund und wird. spricht 
man ihn auf seinen Königsgedanken an. auch heute 
noch auf Zusammenarbeit, verständnisvolle Förde- 
rung und Mitwirkung von Persönlichkeiten und In- 
stitutionen verweisen. Franz Windisch-Graetz ist 
kein Mann der persönlichen Publicity. Ginge es 
nach ihm, so dürfte selbst sein 65. Geburtstag nicht 
Anlaß einer Würdigung seiner Person und seiner 
Verdienste und Leistungen sein, sondern nur Gele- 
genheit, darauf hinzuweisen. daß das Prinzip der 
kulturellen Dezentralisation auf dem musealen Sek- 
tor schon in der Kulturabteilung der Niederösterrei- 
chischen Landesregierung von Hofrat Herrmann 
und Professor Feuchtmüller initiiert und gepflegt 
worden ist, daß das Unterrichtsministerium unter 
Drimmel und dann Piffl-Percevic den Gedanken der 
bundesstaatlichen Schloßmuseen aufgriff, daß das 
Bundesdenkmalamt sich einsetzte; daß den Eigen- 
tümern der Schlösser gebührendes Verdienst zu- 
kommt; daß der damalige Direktor des Museums für 
angewandte Kunst, Griessmaier, wesentlichen An- 
teil hatte an der Verwirklichung. 
All das ist füglich nicht zu bezweifeln. Und es ist zu 
rühmen. daß andere Museen die vom Stubenring 
ausgehende Initiative für ihren Bereich übernom- 
men haben: Neben den Außenstellen des Museums 
fürangewandte Kunst in Petronell und Riegersburg, 
zu denen auf Wiener Boden auch das Geymüller- 
Schlössel zu zählen ist . gibt es heute immerhin auch 
die Exposituren des Museums für Volkskunde im 
Wiener Ursulinenkloster und in Schloß Gobelsburg 
sowie die Nebenstellen des Völkerkundemuseums 
in Schloß Matzen und in der Kartause Gaming, gibt 
es die museale Zusammenarbeit in Schloß Grafen- 
egg. läßt sich in mancher Hinsicht auch die Einrich- 
tung der Porträtgalerie in Schloß Ambras, bei aller 
Verschiedenheit der Struktur. mit dem Konzept in 
Verbindung bringen. 
Solches aber unterstreicht nur Bedeutung und Di- 
mension der Idee und der Initiative des Doktor Franz 
Windisch-Graetz. Er kannte aus seinem ureigensten 
Fachbereich die Problematik eines großen, an Kost- 
barkeiten überreichen Museums, das den Großteil 
seiner Bestände-auch der mit hohem Aufwand und 
großen Mühen restaurierten - in Depots aufbewah- 
ren muß. weil die Räume der Schausammlungen sie 
nicht fassen können. Er kannte ebenso die Gege- 
benheiten in vielen österreichischen. vor allem 
ostösterreichischen Schlössern, die - mit knapper 
Not der völligen Zerstörung im und nach dem Zwei- 
ten Weltkrieg entgangen, in traurigem Zustand, 
teilweise verwüstet, ihrer Einrichtung und Ausstat- 
tung fast völlig beraubt - ihre Eigentümer hinsicht- 
lich Pflege und Erhaltung vor nicht zu bewältigende 
Aufgaben stellten und zum Teil auch heute noch 
stellen. Und er kannte auch. nicht zuletzt unter dem 
persönlichen Eindruck von Studienreisen nach 
England und Belgien, die Möglichkeiten, solche 
Burgen und Schlösser für das breite Publikum, vor
	        

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