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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 188)

er Wind 
lbände aus der Werkstatt 
ich Schreiers in der Stifts- 
liothek der Erzabtei St. Peter 
Salzburg 
irkungsn 1 - 17 (Anm. 18 - 29 s. S. 10) 
ägebendsind lrtdlesem Zusammenhangvorallem dleArbeltert: Lau- 
Elnbandkunst, Einbandstil. Lederschnltte und Spender Ccll. 
entsprechenden vorl Schreier für das eherrl. Bertediktinerstilt 
wdsee gemachten Arbeiten hat Laurin in den Aufsätzen Einband- 
st Lind Elnbandstil erwähnt urld beschrieben. Im Ausstellungskata- 
DasMondsealandLlrtz19Bi.hatauch Kurt Holter noch einmal dar- 
verwiesen und die darin enthaltenen Illuminatidnen Schreiers be- 
achen. Zugleich hat Holter auch den liefreictierlden Einfluß der 
lreierschen Werkstatt auf die Morldseer Klosterwerkstatt hervorge- 
ran. - VI. dazu a. O . 210- 213 und 215. 
Laurin, Schreier in Wien. 
lrin. Preßburg. 
dazu bes. die Llsiender Bändebel Laurin. Einbandkunst. 2361 .Urid 
Ilandstil. 371 1.: Wetters" Lederschnittbande, fortlaufend. 
Aufsätze Laurin, Elnbandkunst, Einbandstil und Lederschniiibärtde 
sprechen dieser dreifachen Gruppierung und enthalten die entspre- 
rriden Charakterisierungen der einzetnen Gruppen 
wurden eingehend behandelt und beschrieben bei Laurln. Leder- 
riittbande 753 - 775 Zu ihnen gehören vor allern die fünf Specula- 
ldedesVinzanzvon Beauvaisßalzburg. UB.WIII 38, I - V).Vgl.dazu 
h die hauen Abbildungen bei Schmldt-Künsemüller Nr. 270- 274. 
den genauen Hintergründen dieses Wechsels s. Laurin. Schrerer iri 
in. 1331 - 1336. 
. Mazal. Kopfsternpeldekoration. 474 r. 
zal. Kopfstempeldekoratlorl. 4751 7 Es handelt sich dabei um die 
rkstaft, die irn Siempelverzeichrlis der Handschrifterretnbarrde der 
abtel st Peter als Salzburg ll eingeordnet ist (vgl. dazu Wind 1191.). 
saWerkstatt lsl hinsichtlich derVelwendurlgvon Kopfslerrlpeldekor 
1h deshalb lnteressanhwell slediesesvermutlich schon vorSchreier 
Endeder sechzigarJahre ausgestaltetewgl. dazu die Einbände der 
1.. St. Fetana ll20.a ll 33. a H40 oder auch b XII 8. die schon um 
r7l68 entstanden urldgebunden worden seindürfte) Hervorzuheben 
an diesem Dekor aber auch die neue Form der Kopfsternpel (vgl 
I. r. Nr. in). die mit ihren zarten Halsen und gleichmäßig gekrurrim- 
Kortiuren eine ideale Voraussetzung zur Blidung naturallstischer 
llmusier schufen. Die Iruhereri Typen. die hau1ig durch dicke Hälse 
fielen. spitze, hochgezogene Schultern besaßen. urld gerade, seitli- 
-Eegrenzungerl aufwiesen. waren dazu noch viel weniger geeignet 
.dazuden Koplstemoel aufAbb 7, Nrßund dasdazugehcrige Blatt- 
sterAbb. 8. Nr. wausderwerkstattdesr-V-Drr-Meisters. Zum Motiv- 
tand dieser Werkstatt und zur Problematik lhrer Lokalisierung 
Vind 125) 
O. Mazai. Die europäische Elnbandkunst aus Mittelalter und Neu- 
.Graz1970,34 und Äbbßl .42 Malal bildethier Schreier-Bändeaus 
österreichischen Nationalbibliothek ab und beschreibt sie 
. dazu: Ausstellungskatalog: sptttgetrlr ln Salzburg - die Malerei 
lzburger Museum Carolino Augusteum Jahresschrlft tr). Salzburg 
'2. 233 - 346 und Ausstellungskatalog: Das Mcndseeland. Linl 
I1. 215. 
Schmldt-Künserrlüller. Nr. 61 . 206. 21 1. 256. 270-274. 295. 344. 
i, 423. 
he bes. Ausslellungskatalog: Spätgnlik in Salzburg. a. o , 23a - 24a 
lAusstellungskatalng Das Mondseeland. a. O.. 210- 213.- Frü- 
wurdediesssrnemascncn grundlegend bearbettetvcn H. Zlrnbau- 
Ulrich Schreier (Elrrzetscrtrifien Zur Bücher- und Handschrlltenkurt- 
i). Munchen 1927. 7 Vgl. auch noch E. Frisch, Mittelalterliche Buch- 
lelei Klelnodien aus Salzburg. Wien-Zell am See-St. Gallen 1949. 
r 62 - B4. 
. Wlnd 119. 
rlennerl sind hier vor allem die Werkstätten von St. Peter (vgl dazu 
I. G011. tncunabula In the Library ofOongress, forrrlerly in the Bene- 
iine Monastery ol st Peter in Salzbur .iri: Vortrage des Vl. Irit. Kon- 
sses der Biblicphilen. Wien 1969 62. Jahresgabe der Wiener 
llophilen-Gcsellschaftl. Wien 1971, 21 7 35; Wind 125 f. und Wind. 
Peter). weiters zwei Werkstatten, die vorwiegend im Flahrrlerl des 
zburger Domstiftes und des erlbischüflicherl Hofes ungefähr zeit- 
lch mit Schreier tätig waren (vgl. dazu Mazal. Koplstempeldekora- 
l.475l .Wlnd 1191 undSchmidt-Kunsemuller. Nr.205.der Einfach- 
I halber nennen wir sie hier erste und zweite wDomstiftwerkstait-r); 
iließlich eine Werkstatt, die vor allem im Bereich des Chiemsee- 
'len Hofes arbeitete. Von dieser Werkstatt wurden etwa die Drucke: 
zburg, UB.W II 11, Wll 25. W ll 3OD.W lll 2. W lll 39. 1.W lll 52oder 
7h W lll 103 gebunden und verziert (vgl. dazu auch die Abb. Schmidt- 
tsemuller, Nr. 259. 275V 277 und 422). Zum Motlvbestand dieser 
rkstati gehoren u. a. die Stempel von Abb. 7. Nr. 11. 1a und 19. Als 
llerer Leltsternpal dreserwerirslan kann auch ein schmales Winkel- 
tenband erwähnt werden (vgl. etwa die Einbände: Salzburg, Ue. w 
f, w lll 54 oderauch w lll 101i). 7 Bei dleserGelegenhelt mochte Ich 
:tr sehr herzlich Herrn Univ.-Prof. Hofrat Dr. K. Forstner und Frau 
Orntg Iur die freundliche Eibliotheksbenutzung danken. 
Schon am Ende derfünfzigerund in derersten Hälfte der 
sechziger Jahre wurde von Gertraud Laurin' in vorbild- 
licher und erschöpfender Weise die Einbandkunst des 
bedeutenden Salzburger Kunsthandwerkers Ulrich 
Schreier. der zu den bekannten Österreichischen Mi- 
niatcren und Buchbindern der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts zählt, untersucht und gewürdigt. Da- 
bei wurden neben der Salzburger und der damit zusam- 
menhängenden DMOUÖSEBNZ Tätigkeit auch noch das 
Wiener" und Preßburgef Wirken Schreiers erforscht 
und dessen Einflüsse auf die in Salzburg gewonnenen 
künstlerischen Lösungen und Auffassungen hervorge- 
hoben. Im Zuge dieser Arbeiten konnten erstmals auch 
in systematischer Form die rrSchreierbändetr der Salz- 
burger Bibliotheken. vor allem die der Univer- 
sitätsbibliotheki. vorgestellt und besprochen werden. 
Laurins Verdienst ist es außerdem, daß sie die einband- 
künstlerischen Arbeiten Ulrich Schreiers, je nach den 
verwendeten Motiven und deren unterschiedliche Kom- 
position. in eine dreifaches Gruppierung brachte. Da- 
von ist die erste Gruppe bestimmt durch den Gebrauch 
malerischer. lebendig gezeichneter Motive. die noch 
sehr eng mit der llluminationstätigkeit Schreiers zu- 
sammenhängen, während die zweite Gruppe gekenn- 
zeichnet ist durch die Ausbildung des Kopfstempel- 
dekors. die Schaffung mehr oder weniger naturhafter 
Blattgefüge und die Formung neuer, ornamentalerer 
Blindstempelmuster. Die dritte Gruppe schließlich. zu 
der u. a. die Devisen- und Lederschnlttbändd für Erzbi- 
schof Bernhard von Flohr (1466 - 1482) zählen. ist ge- 
prägt durch die Verbindung von Lederschnittkunst und 
Blindstempelverzierung und die Abkehr" von der unge- 
raden. schrägen Anordnung der Muster. Nicht berück- 
sichtigt wurden damals aber die irSchreierbänderr der 
Stiftsblbliothek der Erzabtei St. Peter. die sich noch voll- 
ständig innerhalb der Klausur befand. Ergänzt wurden 
die Untersuchungen Laurins noch durch Forschungen 
Otto Mazalsg. der rfSchreierbändett der Gruppe II aus 
derÖsterreichischen Nationalbibliothek der Öffentlich- 
keit vorstellte. Mazal machte aber zugleich auch noch 
auf eine weitere Salzburger") Buchbinderwerkstatt auf- 
merksam. die ebenso wie die Schreiersche das 
Kopfstempeldekor" verwendete und mit der Schreier- 
schen Werkstatt sowohl in zeitlicher als auch in künstle- 
rischer Hinsicht eng verbunden war. Die späteren Ein- 
bandabbildungen. Beschreibungen. Übersichten bei 
Mazal". Holter" und Schmidt-Kunsemüller" basieren 
zum überwiegenden Teil aufden oben genannten Unter- 
suchungen und dienen vor allem der erweiterten Reprä- 
sentation des vielschichtigen Schreierschen Werkes. 
Darüber hinaus hat Kurt Holtervor allem auch versucht, 
das buchmalerlsche Schaffenß Schreiers zu erfassen. 
das aber hier unberücksichtigt bleibt. 
Die zu behandelnden vSchreierbänderr der Stiftsbiblio- 
thek der Erzabtei St. Peter, auf die oben schon verwie- 
sen werden konnte. wurden im Rahmen der Handschrif- 
tenkatalogisierung entdeckt und im Zusammenhang 
damit schon kurz charakterisiert." im folgenden sollen 
sie aber noch einmal genau erfaßt und besprochen wer- 
den. Da gleichzeitig auch neue Erkenntnisse über die 
anderen zeitgenössischen Salzburger", aber auch 
über verschiedene bayerische Werkstätten gewonnen 
werden konnten, ergibt sich erstmals die Möglichkeit. 
dieeinbandkünstlerischeTätigkeitSchreiersvoneinem 
erweiterten Blickwinkel aus zu betrachten. 
1. Die Einbände der Gruppe I 
Hss.: 
al15 (Petrus Lombardus: Comrnentarius in Psal- 
mos. geschrieben Ende 13. Jh., 1467 gebun- 
den, aufder Innenseite des Vorderdeckels Be- 
sltzvermerk des Erhard Manseer. des damali- 
gen Viceplebanus an der Stadtpfarre) 
a X 16 (Sermones, Ende 14. Jh.) 
b IX 13 (theologische Sammelhandschrift. 3. Viertel 
15. Jh.. auf der Innenseite des Vorderdeckels 
Besitzvermerk Manseers mit Inhaltsverzeich- 
nis) 
b XI 4 (Johannes Merckiin und Gilbertus Porretanus: 
Sermones, um 1470; ursprünglicher Auftrag- 
geber Bernhard von Kraiburg, der Bischof von 
Chiemsee, spätere Marginalnotizen Man- 
seers) 
(TheoL-Aszetische Sammelhandschrift. um 
1470. auf der Innenseite des Vorderdeckels 
Besitzvermerk Manseers und Inhaltsverzeich- 
nis) 
(Wilhelm von Lyon: defide et legibus, um 1470, 
Marginalnotizen Manseers) 
(Theologische Sammelhandschrift. 2. und 3. 
Viertel 15. Jh.. gebunden um 1470, auf der In- 
nenseite des Vorderdeckels Inhaltsverzeich- 
nis Manseers) 
b XII 12 (Werke von Albertus Magnus, 1472, Randnoti- 
Zen Manseers) 
b XII 14 (Jakobus Petrus von Venedig: Quadragesima- 
le, um 1472. einzelne Randnotizen Manseers) 
b XII 20 (Bibelkonkordanz. um 1470 - 1472) 
b XII 26 (Theologische Sammelhandschrift. um 1470, 
Besitzvermerk Manseers) 
bXlI 27 (Theologisch-Mystische Schriften. um 1472. 
auf der Innenseite des Vorderdeckels Inhalts- 
verzeichnis Manseers) 
bXlI 36 (Medizinische Sammelhandschrift. um 1470. 
Besitzvermerk Manseers) 
b XII 37 (Rupert von Paris: Sermones. um 1470 bis 
1472) 
bXl14 
bXl23 
bXl 32 
Wurden bisher als Auftraggeber und Gönner Schreiers 
vor allem der biblicphile Erzbischof Bernhard von Rohr 
(1466 -1482)"' und der als Büchersammler bekannte 
Bernhard von Kraiburgw, der Bischof der Diözese 
Chiemsee. genannt. so tritt uns in den neu entdeckten 
Schreierbänden der Stiftsbibliothek von St. Peter, wie 
aus der oben erstellten Übersicht schon erkennbar 
wird. mit Erhard Manseer", dem damaligen r-Nachpfar- 
rerrr der Stadtpfarrkirche (heutige Franziskanerkirche) 
und dem späteren Mönch von St. Peter (Profess: 26. 10. 
1475)". ein weiterer, in dieser Hinsicht noch rast" un- 
bekannterAuftraggeber entgegen. Diese Tatsache läßt 
sich neben den expliziten Besitzvermerken und den ver- 
schiedensten Nachträgenzs Manseers auch dem Skrip- 
toriumdervorliegenden Handschriften entnehmemdas 
nicht der Erzabtei St. Peter, sondern dem Salzburger 
Domstift" zuzuordnen ist. Die naheliegende Annahme. 
daß Schreierdie entsprechenden Bande im Auftrag der 
Erzabtei binden und verzieren sollte, ist daher auszu- 
schließen. Selbst für die Hss. a X 16 und b XII 20. die 
überhaupt keine Ein- oder Nachträge Manseers aufwei- 
sen. ist eine St-Petrische Entstehung auf Grund der zu- 
grundeliegenden Skriptorienü abzulehnen. Höchst in- 
teressant ist der Sachverhalt bei der Hs. b XI 4. die mit 
Sicherheit nicht aus dem Besitz Manseers. sondern aus 
dem Bernhards von Kraiburg (1467 -1477), dem BI- 
schof der Diözese Chiemsee. stammt, wie die in die 
Schließenplättchen gravierte Deviseze des Bischofs 
zeigt. Da sie aber auch einzelne Marginalnotizen Man- 
seers enthält, kann man annehmen, daß sie Manseer 
schon vor seinem Übertritt ins Kloster (1475)" erwarb 
und sie vermutlich mit den anderen Handschriften, die 
z.T. auch in riNichtschreierschenrr Salzburger" Werk- 
stätten gebunden und verziert wurden. nach St. Peter 
brachte. Erwähnenswert ist schließlich auch noch, daß 
Manseer schon zu Beginn seines Aufenthaltes in Salz- 
burg im Jahre 1487" mit Schreier in Beziehung trat. da 
die Handschrift a X 15 noch im selben Jahr gebunden 
wurde(vgl. die Datierung des Besitzvermerks aufder In- 
nenseite des Vorderdeckels). 
Abgesehen von derTatsache. daß mitden neu entdeck- 
ten rrSchreierbändent der Stiftsbtbliothek der Erzabtei 
St. Peter ein weiterer. bedeutender Auftraggeber 
Schreiers bekanntwird, ermöglichen diese Bände auch 
noch einen genaueren Einblick in die räumlichen und 
zeitlichenVerbindungen derWerkstattSchreierszucien 
anderen zeitgenössischen Salzburger Buchbinder- 
werkstatten. Diese Zusammenhänge lassen sich aus
	        

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