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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 188)

1 Antwerpen. 1515 -1520, Umkreis des r-Pseudo-Blesir 
"Die Weissagung der Tiburtinischen Sibylle an Kaiser 
Augustusir 
Wien, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste 
2 Anlwerpener Manierist, i-Pseudo-Blesrr 
i-Enthauptung Johannes des Taufersii 
Berlin, Staail Museen Preußischer Kulturbesitz, Gemälde- 
galerie 
3 Antwerpener Manierist, liPseudo-Blesir 
iiAnbetung der Konigeir 
London, Kunsthandel 
Anmerkungen 1 - 10 
1 lnv Nr 568, Ternpera auf Leinwand. 175 X119 crri, nicht bezeichnet, 
Prbv 1 Sammlung Larriberg. im Ubergabeirivertlar der Stillung Larriberg 
an die Akademie 1822 afs iiTeutscbe Schulen gßlührt 
I Bariscri vii, Nr 31. vgl zu diesem Komplex Juiius Held, Durers Nach- 
wiikung auf die Niederlandische Kunst seiner Zert. Den Haag 1931, 
p es. Wellßrä den Katalog der Ausstellung Albert Durei BUK Pays-Bas. 
Brüssel 1977, Nr, 377, p 176 
' Paris, Louvre. lriv, Nr. 1271 
' Vgl Zu diesem Themenkreis E D Bossriard, Tucrlleinrnalerei 7 eine 
Dilltge Ersatztechniiöinleitschriit lurKunStgeSChfclite45, 19823 31 I1 
5 Dazu äußert 51th besondersCarei van Mandel, vgl Hans Floerke, Carel 
van Mander, Das Leben der Niederländischen und Deutschen Maler. 
MurichenILe1pzig1906,p 52 
' Ein Flestaurielungsbeispiel wird besprochen Del E D. Büssnard und 
v adesriard-vari der Bruggen, Konservierung etner Tüchleinmalerei, 
m. Maliecrinlk-Reslauru i, 1974, p 1611 
r Zu den Antwerperier Manieristen vgl MaxJ Frledlander, Early Nether- 
laridish Painting, Bd Xl Trie Aritwefp Mannerists. Adriaen Ysenbrandt, 
Leyden 1974, p S7 7 79, p 102, sowie seinefruhere grundlegende Stu- 
die im Jahrbuch der koniglich Preußischen Kunstsammlung 3G. 1915. 
p 651i 
l c Ju5l1 im Jahrbuch der königlich Preußtschen Kunstsammlungen 1a, 
1895, p. 212mm, F. Dulberg, Die Leidener MalSCrlule, Berlin 1899. 
9.139.191 v. FrirTirneLGescriicrifu dci Wiener Gernaldesamrnlungen IV 
Die Galerie lrl der Akademie d p K, Leipzrgrßeriiri 1901, p 144. 
G Gluck. läeiiragezurGescnichtedeiAniwerpener Malerei irni6 Jahr 
hundert, In Jahrbuch der kunsfhislorischen Sammlungen des Allerh. 
Kaiserhauses 22.1901,D 9, N Beeis, Dirick Jacobsz Veliert, Schilder 
van Antwerpen iii. Froege Teekeningen, in Onze KunstB. 190a, p. 16a 
und f74.vgl. weitersdieAnrnerkungen 27 e 29, unterden genannten L1- 
teraturmaten w1rd lnv. Nr 568 ieweils genannt. 
' L Münl, Katalog des wiedereröffneten Teils der Gemafdegalerie der 
Akademie der brldenderi Kuriste in Wien, wierr 194a, p. ts, Nr. 22, wei- 
lers M Pdcrr-kaidus im Katalog dci Gemäldegalerie . wieri 1961. 
p 31, Nr 27, und diesn H Futter lrri Katalog der Gemäldegalerie. 
wieri 1972, p a3, Nr.3?! 
i" Fl Elgenbsrger, Die Gervialdegalerie der Akademie der b. K, in Wien, 
WlertlLelplig 1927_Texl-Bd p s 
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hält d1e Gruppe des kaiserlichen Gefolges die Kompo- 
sition im Gleichgewicht, ein Gerüsteter und zwei NODI- 
les, die als Zeugen am Wunder Anteil nehmen und dies 
mit ebenso sprechenden Gesten wie die Sibylle zum 
Ausdruck bringen. Alles Aufwärtsstrebende mündet in- 
haltlich in der Himmelserscheinung. Aber auch der 
Landschaftsausblickwurde vertikalisierenderFormge- 
bung unterworfen. Die schmale Ftaumgasse zwischen 
den beiden Gruppen, in der ein elegantes Windspiel 
liegt, verengt sich weiter im Mittelgrund, wo der Blick 
aufdieschmaleAussichtüberden Flußlaufhinweg zen- 
triert wird. Es ergibt sich aus dieser Blickführung und 
einer eher aufsichtigen Proiektionsweise besonders 
der tiefenräumlich gedachten Bildzcnen ein befremdli- 
cher Tapetencharakter. der kaum Freiraumgefühl ver- 
mittelt. Kennzeichnend für den Bildcharakter sind [e- 
doch die Figuren selbst. Auch sie unterliegen mit ihren 
schlanken Gestalten dem Vertikalisierungsprinzip der 
Komposition. In gewissem Gegensatz zur Langung vor 
allem der Frauentypen steht eine gespannte Beweg- 
lichkeit der Figuren, die Jedoch nicht in einen harmoni- 
schert Bewegungsfluß mündet, sondern in eckigen For- 
men erstarrt zu sein scheint. Die Unruhe des optischen 
Eindrucks geht auch nicht so sehr von Bewegung und 
Gestik aus, vielmehr von einem ebenfalls eckigen, 
schwerbrüchigen Faltenstil sowie von den bizarren Ko- 
stümen, deren Schmuck und den aufwendigen Ge- 
wanddrapierungen. Was die Position der Figuren im 
Biidraum betrifft, so fällt auf, daß sie innerhalb ihrer 
Gruppen voreinander beziehungsweise aufeinander 
projiziert erscheinen, ohne die Illusion von Zwischen- 
raum und Dreidimensionalität zu vermitteln; man be- 
trachte in dieser Hinsicht besonders die drei kaiserli- 
chen Begleiter und die Schwierigkeit, innerhalb der Fla- 
chenform, zu der die Gruppe zusammengeschlossen 
ist, einen Bewegungsgestus wie das Weisen des Gehar- 
nischten auf die Erscheinung zu integrieren. Ein weite- 
res Stilmerkmal der Künstlerpersönlichkeit, die hinter 
dem WienerTüchlein steht. ist die Betonung der Hände 
der beteiligten Figuren, ihre zierlich-manierierte Hai- 
tung undihreverteilung inderKompositionaus dersich 
geradezu ein Streumuster von Händen ergibt. Sie sind 
betont schlank mit spindeliörmigen Fingern, die ent- 
sprechend sorgfältig ausgearbeitet worden sind, 
Schließlich sind zur Charakterisierung des Stils des 
Wiener Tüchleins die Gesichtstypen bemerkenswert: 
Bei den Frauen fällt die übertriebene Betonung der ho- 
hen, ausrasierten Stirn auf. Die männlichen Figuren 
sind individueller gestaltet. der bärtige Geharnischte 
entspricht im Typus dem knochigen Gesicht des Kai- 
sers, weitere handschriftliche Eigenarten unseres frag- 
lichen Meisters stellen die Physiognomien des älteren, 
breitgesichtigeren Mannes mit Doppelkinn sowie das 
verlorene Profil der reich gewandeten Figur mit Turban 
in Rückansicht dar. 
Es wurden hierStilkriterien besprochen, die zum einen 
generell in den Formenkanon derAntwerpener Manieri- 
sten passen. Mit Vorbehalt sei nochmals auf die nervös- 
expressive Gestaltung der skurillen Kostüme hingewie- 
sen, denn diese Modewar eine Zeiterscheinung und fin- 
det sich ebenso im holländischen Kunstkrei ; das Ant- 
werpensche Kennzeichen der Stilhaltung liegt hier in 
den betonten Formalisierungstendenzen und der noch 
deutlich spürbaren spätgotischen Formensprache. Zu 
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