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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

 
pen, ehemals im Kunsthandel", vermischt in sei- 
ocker gereihten Elfenbeinliguren augsburgische 
ulmische Stilelemente mit Erinnerungen an die 
:statt Leonhard Kerns. Das gleiche giltfürden Ende 
7. Jahrhunderts von dem Stuttgarter Johann Chri- 
Siek gefaßten Humpen mit Diana in ihrem Gefolge 
Iürttembergischen Landesmuseum. Stuttgartfm 
iärkeren Einlluß von Kernschen Figuren- und Ge- 
stypen zeigt der wohl von Petter (Pietro) Hentz 
rz) in Ulm gemerkte 14.6 crn hohe Ellenbeinhum- 
n Waddesdon Man0r(Abb, 32).'"' Der Figuren- und 
fstil erinnert an den ulmischen Fischerhumpen 
21), die Szenerie an Sandrarts nTriumfe, Neptu- 
Tritones, See-Nymfen und Liebesgötterv. Aullal- 
die Mischung von Strert- und Kampfszenen (u.a. 
eedrachen)mitireundlichergesinnten Paaren und 
alten. Jean Le Pautres Erfindungen bilden hier die 
gen. 
1937 aus der Sammlung Victor Rothschild in Lon- 
versteigerte Elfenbeinhumpen mit Bacchanten- 
Fteiterszenen und bekrörienden Ringergruppen, 
1 Fassungen von Johann Adam Kienlen d. Ä. bzw. 
3 Hentz (gest. nach 1689) in Ulm sein sollten m, 
ehen sich wegen gänzlich unzureichender Abbil- 
en der näheren Beurteilung, Die Fieiterfiguren las- 
rntfernt an Johann Michael Hornungs Spezialität 
enm, die bekrönende Gruppe - wohl Herkules 
Äntäus - wäre in ihrer freieren Komposition von 
zemlnteresseimHinblickaufDavid HeschlersdÄ. 
bein von 1635 (I, Abb. 12). 
als in dem von Christoph Leipziger (gest. 1678) in 
burg montierten Humpen mit elfenbeinernem Göt- 
es im Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt! 
,deranJ.B.StraussundJ. H.Hurdter(KölnerHum- 
Abb. 24) erinnertm, scheint mir in dem heute ver- 
llenen, 1898 in London versteigerten Prachthum- 
nit der Geschichte des Hylas, dem von Quellnym- 
entführten Liebling des Herakles, aus der Collec- 
Vertheimerm der Stil der Darmstädter Sündenfall- 
s(Abb. 25) erkennbar, ohne daß eine Lokalisierung 
Ulm zwingend zu begründen we're. - Doch auch 
st wieder die Frage, wie groß war Johann Ulrich 
ters Werkstatt, arbeitete in ihr beispielsweise sein 
Flomanus mit. der u. a. das Epitaph des 1699 ver- 
enen Pfarrers Conrad Daniel Frick in Pluhl 
Wiß 
anz gesicherten Boden führt uns allerdingsJohann 
h Hurdters späteste Arbeit, Es ist das am unteren 
32 
enbeinhumpen mit Entführung 
s Hylas. Ehem. Sammlung Wert- 
tmer. Augsburg oder Ulm. Letz- 
s Drittel 17, Jahrhundert 
idnis Marquard Seutter. Elfen- 
in. Bezeichnet WIVHN (ligiert) lur 
harrriUlrlch Hurdter 1715 wun- 
nbergisches Landesmuseum. 
uttgart 
 
31 Wagen mit Bacchus auf dem Faß. Fassung Philipp Jakob ll 
und Abraham DrentwetLAugsburg. Um 1660, lparmüvesze- 
ti Müzeurn, Budapest 
Rand MIVH (in Ligatur) AE (ligiert) 831i bezeichnete Bild- 
nismedaillon des Marquard Seutter von Letzen in Ulm 
(1652-1721). das erst 1967 vom Württ. Landesmu- 
seum, Stuttgart, erworben wurde (Abb. 34).'"' Es ent- 
stand in Hurdters 83., in des Dargestellten 63. Lebens- 
jahr, also1715,wieauchdie Umschrift bezeugt. Neben- 
bei interessant ist, daß dieser Ulmer Patrizier Seutter 
1682 eine Tochterdes Bürgermeisters von lsny geheira- 
tet hatte. wohin von Ulm aus u.a. Sigmund Heschler 
1646 die Taufdeckelgruppe (l, Anm. 52) geliefert hatte, 
und daß Hurdters SchülerJohann Christian Braun einen 
Grabstein in Ulm. heute aufdem Alten Friedhof, für eine 
im Alter von 47 Jahren verstorbene Neubronner- 
Seutterm schuf. - Am nächsten von allen Werken 
Hurdters ist in der zarten, weichen Modellierweise von 
Gesicht und Haar der Kopf des Herkules vom 1674 da- 
 
31 
32 Elfenbein-Humpen mit wTritcnes, See-Nymfenit u.a. Fas- 
sung Pietro Hentz, Ulm. Nach 1674. Waddesdon Manor, 
England 
tierten Relief (Abb. 17) vergleichbar; in der Neigung zu 
teilweise flüchtig-summarischer Kennzeichnung des 
Stofflichen und in dem fast körperlos wirkenden Brust- 
abschnitt die späten Brüsseler Gruppen (Abb. 13, 14). 
Dennoch ist das Bildnis in der Erfassung der Physiogno- 
mie und im allgemein Technischen eine erhebliche Lei- 
stung für einen Dreiundachtzigjährigen und nach Aus- 
kunlt der Signatur gegenüber vielen Holzbildwerken 
und den mythologischen Elfenbeinarbeiten sicherlich 
eigenhändig. - Von dem 1674 datierten Braunschwei- 
ger Relief, der Kreuzabnahme in Baltimore und beson- 
ders den späten BrüsselerChristusdarstellungen sowie 
diesem Medaillon von 1715116 her wird nach Tempera- 
ment und Stil der ganze Unterschied von J. U. Hurdters 
Werk zu der hochbarocken Auffassung David Hesch- 
lers d. Ä. deutlich. 

	        

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