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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

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Etliche rein ostasiatische, europäische und sonstige Stoffe undTapisserien, 
die sich in der Ausstellung linden, können durch Vergleichspunkte mit den 
islamitischen Arbeiten das Auge schärfen und ihm neue Anregung bei 
weiterer Besichtigung bieten. 
Neben den Teppichen sind es wohl die Stoffe, die das äußere Bild der 
Ausstellung beherrschen; aber man darf sagen mit Recht, es entspricht der 
Stellung, die diese Arbeiten in der orientalischen Kunst überhaupt einnehmen. 
Und nichts erweckt in uns so sehr den Begriff eigentümlichen orientalischen 
Wesens. Aber es ist in diesen Stoffen nicht nur ein reichhaltiges Bild orien- 
talischen Lebens geboten, sondern es ist auch wirklich eine solche Fülle von 
„Meisterwerken" vereinigt, wie man sie wohl selten auf einem Punkte ge- 
sehen hat und sehen wird. 
 
DIE TEPPICHE AUF DER MQHAMMEDANI- 
SCHEN AUSSTELLUNG IN MÜNCHEN 1910 50' 
VON FRIEDRICH SARRE-BERLIN St. 
IE Teppiche nehmen in der Münchner Ausstellung 
eine bevorzugte Stellung ein, wenn es auch nicht 
berechtigt ist, das Unternehmen, wie es vielfach 
geschieht, als „Teppichausstellung" zu bezeichnen. 
Auch hier, wie auf den anderen Gebieten des 
islamischen Kunstschaffens, hat man sich lediglich 
bemüht, hervorragende Beispiele der einzelnen 
Gruppen zusammenzubringen, und fern lag den 
Veranstaltern die Absicht, etwa eine lückenlose 
Entwicklung innerhalb der verschiedenen Gat- 
tungen vor Augen führen zu wollen. Hierzu hätte 
der zur Verfügung stehende Raum gar nicht ausgereicht; eine derartige 
instruktive Teppichausstellung mag einer späteren Zeit vorbehalten bleiben. 
Aber gerade die Verwirklichung dieses beschränkten Programms, das im 
Prinzip nur „Meisterwerke" zuließ, wird nicht nur dem Laien, sondern auch 
dem Kenner mehr, als es eine Serienausstellung vermocht hätte, die künst- 
lerische Bedeutung des alten orientalischen Teppichs vor Augen geführt 
haben. 
Daß man die Teppiche nach ihrer Provenienz sonderte und aufstellte, 
war selbstverständlich. Der von Ernst Fiechter in so glücklicher Weise mit 
orientalischen Motiven als Ehrensaal komponierte Eingangsraum nahm als 
einzigen Schmuck in seinen Flachnischen die Teppiche der Residenz auf, die, 
von Seiner königlichen Hoheit dem Prinzen Rupprecht von Bayern ans Licht 
gezogen, den Anlaß zu der ganzen Ausstellung gegeben haben. In den beiden 
großen Sälen rechter Hand (Nr. 2, 5) kamen die bemerkenswertesten Teppiche 
persischer Herkunft zur Aufstellung, während die Wände der entsprechenden
	        
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