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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

zenz an die alten, der Natur entlehnten Vorbilder immer wieder durchschlägt.

Es ist nämlich festzuhalten, daß die Urzalmstocher in der Fauna und Flora

zu suchen sind, und erst in später Zeit Artefakte werden. Wie man das aus

der Kunstform heraussieht, bezeugen es auch zuweilen die Namen; der Zahnstocher

 heißt zum Beispiel im Griechischen xcipcpog, im Russischen cozxomolnca,

in beiden Fällen sind es Worte, die eigentlich „Strohhalm" bedeuten.



Figur 94. Nat. Gr. Zahn- Figur 95. Nat. Gr. Zahnstocher aus Goldemnil, Figur 96. Verkleinert. Zahnstocher

slocher aus Goldemail, XVI. jahrhundert (Sammlung Figdor) aus Silber, XVlLjahrh. (Sammlung

um 1600 (SammLFigdor) Figdor). lm Text nicht erwähnt

Die alte traditionelle Verbindung von Zahnstocher und Ohrlöffel zeigt

uns ein anderes emailliertes und mit Edelsteinen besetztes Stück, das ungemein

 reizvoll komponiert ist, und bei welchem ohne Zwang eine zoomorphische

 Bildung liebenswürdigen, humorvollen Charakters Platz gegriffen

 hat. Der Schwanz der schillernden Eidechse ist zum Ohrlöffel,

die Zunge zum Zahnstocher geworden. Wir bilden es auf unserer Farbentafel

 I von der Vorderseite und hier in Figur 95 von der Rückseite ab.

Wir haben Neigung, es wegen seiner Grazie nach Frankreich zu verlegen,

 aber es scheint sich zu ergeben, daß Frankreich wenig Teil hat an

der Ausbildung dieser Kleingeräte. Es sei deshalb betont, daß es aus siebenbürgischem

 Besitz stammt, und wir dürfen selbst einen so allgemeinen Hinweis

 nicht unbeachtet lassen, da er vielleicht einmal später dazu beitragen

kann, eine heimatlose Goldemaille zu lokalisieren.

Schon die ältesten Zeiten haben nicht nur, wie wir eingangs gesagt

haben, den Zahnstocher mit dem Ohrlöffel verbunden, sondern sie haben

ihn auch mit einer Reihe verwandter Kleingeräte auf einem Ringe vereinigt.

Die Renaissance geht darin weiter, sie schließt diese Einzelteile zu einem

mehrteiligen Gerät zusammen, etwa in der Art der modernen Universalmesser,

 und fügt noch eine Jagdpfeife hinzu. Gerade diese Bereicherung des

schlichten Geräts haben sich die Entwerfer der Renaissance angelegen sein

lassen, und es ist ihnen schließlich gelungen, ihre Entwürfe durch Wiederholung

 und Veränderung zu kleinen Wunderwerken auszufeilen.

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