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Full text: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

(1899), Friedrich Dörnhöffer, zuerst Direktor der Modernen Galerie, seit jahren General- 
direktorin München; igoi hatWieser noch Gustav Glück und Arpad Weixlgärtner in das Amt 
der Sekretäre eingeführt, denen sich dann Al. Trost anschloß, der mit Weixlgärtner die 
GeschäRe allein führt, seitdem Glück zurückgetreten ist (1920). Die Sekretäre sind der Stolz 
unserer Gesellschaft, die ihrer geistigen Arbeit sehr viel verdankt; sie haben im engsten An- 
schlusse an den Verwaltungsrat, dessen Mitglieder mit größter Hingebung und Sachkenntnis 
ihres Amtes walteten, und unterstützt von Mitarbeitern aus allen Kulturländem, ganz wesent- 
lich zur Festigung und Erhaltung des internationalen Rufes der Gesellschaft beigetragen. 
Als eine Wiener Vereinigung für die Fliege von Kunst und Wissenschaft ist die 
„Gesellschaft für vervielfaltigende Kunst" ein deutsches Unternehmen. In deutscher Sprache 
erscheinen alle ihre Veröffentlichungen, deutsch ist Geist und Methode ihrer wissen- 
schaftlichen Arbeit, deutsch ihre Gründlichkeit und ihr weiter Blick für die Weltkultur. 
Aber indem sie naturgemäß vom Anfang an ihre Blicke auf die Kunst aller Zeiten und 
Völker zu richten hatte, lag es ihr stets nahe, Mitarbeiter aus allen Ländern zu gewinnen, 
und sie hatte Erfolg darin. So besaß sie von jeher eine internationale Stellung und hat sie 
mit Ernst und Würde behauptet. Wie sich unter den Mitgliedern und Kuratoren nicht 
nur österreichische und reichsdeutsche Gelehrte, Künstler und Kunstfreunde befinden, 
so haben außer österreichischen und reichsdeutschen Künstlern und Kunstschriftstellern 
belgische, englische, französische. holländische, skandinavische, slawische und finnische 
mitgearbeitet. Die Nachfrage nach den Publikationen der Gesellschaft seitens des Auslandes 
hat sich fortwährend und vornehmlich in den letzten ]ahren gesteigert. Eine Gesellschaft 
wie diese, mit solcher Organisation, erscheint berufen, die abgerissenen Fäden inter- 
nationalen geistigen und kulturellen Verkehrs wieder anknüpfen zu helfen, es liegt im 
Interesse aller, diesen gemeinsamen Boden fruchtbarer Arbeit zu erhalten. 
Der Weg, den die Gesellschaft weiter zu gehen hat, ist klar vorgezeichnet: die Pflege 
der künstlerischen Originalgraphik in den ordentlichen Veröffentlichungen wie in Lieb- 
haberausgaben, die Beibehaltung des internationalen Charakters ihres Arbeitsgebietes, die 
l-Iochhaltung der kunstwissenschaftlich-historischen Richtung ihrer Publikationen gehört 
zu den unverrückbaren Grundlagen ihrer Arbeit. Die Erfüllung der beiden erstgenannten 
Pflichten begegnet heute allerdings großen Schwierigkeiten. Es ist erfreulich, daß zahlreiche 
Künstler, denen die Gesellschaft früher Halt und Stütze bot, heute nicht mehr auf sie an- 
gewiesen sind, aber es wachsen immer neue heimische Kräfte nach; diesen aufstrebenden 
Talenten freie Bahn zu schaffen und hierin kein Opfer zu scheuen, solange es gebracht 
werden kann, ist Pflicht der Gesellschaft, und sie hat sie nie außer acht gelassen. Weit 
größere Hindernisse bereitet der unter den Währungsverhältnissen schwer leidende Verkehr 
mit außerösterreichischen Künstlern; das Ziel des Strebens muß die Schaffung eines Welt- 
markthonorars sein, woran auch die heimischen Künstler teilhaben sollen. Der Zeitpunkt 
völlig befriedigender Lösung dieses Problems kann heute nicht vorausgesehen werden, aber 
es ist schon ein Fortschritt, daß man es sich stellt. Auch die ungeheure Verteuerung der - 
Herstellung von Kunst- und Buchdruck lastet hart auf einer Gesellschaft, welche ihren 
Mitgliedern nicht unerträgliche Opfer zumuten kann und das größte Gewicht darauf legen 
muß, für ihre geistige Arbeit sich ein Publikum zu erhalten, das selbst Wert besitzt und 
innerlich mitgeht. Immer bleibt der Gesellschaft der Rückhalt an ihren kunstwissenschaft- 
liehen Publikationen und Liebhaberausgaben, die, mit Umsicht gestaltet, auch geschäftlich 
tragfähig sind. Aber sich ganz hierauf zurückzuziehen, würde bedeuten, daß die Gesellschaft 
mit den ersten Voraussetzungen ihrer Begründung in Widerspruch geriete. Denn sie soll ja 
ins Breite wirken und nicht nur für Bibliotheken, Gelehrte und reichbemittelte Kunstfreunde. 
Es müßte hierin sogar noch viel weiter gegangen werden als bisher. Wenn es trotz der 
Ungunst der Zeiten bei voller Aufrechterhaltung aller sonstigen Aufgaben gelänge, was mit 
dem „Bilderbogen für Schule und Haus" versucht, aber nicht erreicht worden ist, gute 
graphische Kunst und gute {Kunstbücher erschwinglich für die breitesten Schichten des 
Volkes zu schaffen, dann wäre der „Gesellschaft für vervielfältigende Kunst" ein neues Ziel
	        

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