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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 12)

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Kunstgewerbetreibenden selbst hergestellt wurden, fallen die Arbeiten 
von Hanusch, die Uhr im Stile Louis XVI. von Kalmar, der in Königs- 
holz eingelegte Zierschrank von F. Michel, der Aufsatzschrank von 
Görlich, Niedermoser und Zelezny, und die Emailarbeiten der Damen 
Rokko, v. Stark, Stempkowska und Wahrmund vor Allem in die Augen, 
an welch' Letzteren sich so recht deutlich erweist, was ein trefflicher, mit 
allen technischen Kenntnissen ausgezeichneter Lehrer aus eifrigen und 
begabten Schülern zu machen im Stande ist. Dies zeigt sich auch an 
der vom Privat-Atelier für Email- und Miniaturmalerei (den Damen: 
Pßugmacher, v. Stark, Wagner und Wahrmund) im Auftrage des hohen 
Protectors des Oesterr. Museums, Erzherzogs Rainer, in Limousiner- 
Technik ausgeführten Prunkschüssel, welche zu den erfreulichsten Er- 
scheinungen der Ausstellung gehört und den Ruhm des Oesterr. Museums 
besser verkündet, als Worte dies vermöchten. In derselben Vitrine fesseln 
endlich die ebenfalls aus dem Hoftiteltaxfonde von der Firma Kralik her- 
gestellten Imitationen altböhmischer Krystallgefäße aus dem 16. und 
17. Jahrhunderte, deren herrlich leuchtendes Material, Formen, Schliff 
und Gravirung das Entzücken aller Beschauer erregen müssen. 
Ein Blick hinüber zu den großen Tischen, auf welchen Lobmeyr 
seine geschliffenen und gravirten Krystallgefäße und sein in immer neuen 
reizvollen Varianten auftretendes farbiges Glas ausgestellt hat, belehrt 
auf's Neue darüber, welche Stütze das Museum in dieser Firma besitzt. 
Geschmack und Mode mag wechseln, auch Solidität der Techniken und der 
künstlerischen Ueberzeugungen da und dort in's Wanken kommen, Lob- 
meyr's Arbeiten werden dadurch nicht berührt; ihr künstlerischer Cha- 
rakter in Formen und Decor, die Vollendung in der technischen Be- 
handlung und Verwerthung des Materials bleibt sich stets gleich und 
erscheint doch in immer neuer Weise. Sich selbst und seiner künst- 
lerischen Ueberzeugung treu zu bleiben, ist heute schwieriger denn je; 
nicht Mangel an Können und Verständniss führt so manchen Kunstindu- 
striellen auf Wege, die er besser nicht betreten würde, sondern Mangel 
an materieller Widerstandskraft ist es oft, der den einen oder anderen 
veranlasst, der Laune und dem Unverstande des Publicums zu folgen, _ 
sich führen zu lassen, statt zu führen, im Punkte des Stils Zugeständ- 
nisse zu machen oder gute Absichten mit unzulänglichen Mitteln auszu- 
drücken. Die Ausstellung zeigt in überzeugender Weise, welche Be- 
deutung gerade aus diesen Gründen der Einrichtung des Hoftiteltaxfonds 
innewohnt, wie groß und heilsam die stetige Leitung seitens des Museums 
ist und auf welch' schwachem wirthschaftlichen Grunde unsere Kunst- 
gewerbe im Allgemeinen ruhen, die ihr Vermögen zu allem Großen, 
Edlen und Guten nur darum nicht immer völlig rein zur Geltung bringen 
können, weil ihnen der Absatz fehlt und die Mittel, sich durchzusetzen. 
Im Großen und Ganzen aber ist, wie gesagt, der Gesammtein- 
druck der Ausstellung der beste. Und wieder zeigt sich, wie sehr die
	        

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