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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

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eine Neigung zur Gotik und zur Renaissance, woraus sich allmählich zwei 
Richtungen entwickelten: die Romantik und der Eklektizismus. Die große 
Baubetriebsamkeit, welche seit der Mitte dieses Jahrhunderts auf dem Ge- 
biete des katholischen Kirchenbaues zur Äußerung gekommen war, bekam 
dann teilweise auch Einfluß auf die „profane" Baukunst. Anfangs streng 
konventionell, entstand im Kirchenbau mit Dr. Cuypers (dem Erbauer des 
Amsterdamer Reichsmuseums und vieler Kirchen) eine freiere Auffassung. 
Als Schüler und Bewunderer von Viollet-le-Duc studierte er gründlich die 
mittelalterliche Bauklmst, deren logische und konstruktive Grundsätze ihn 
zur allmählichen Befreiung vom Klassizismus führten, wodurch er bedeutend 
 
Abb. 8. Erste: Projekt für die Amsterdamer Börse, 1897 
mitgearbeitet hat zur Klärung der Begriffe bezüglich einer rationellen Bau- 
kunst. Nach 1870 kam dann eine Epoche, worin zunächst gotische Motive, 
nach und nach auch Motive der nationalen Renaissance auftraten, indem 
auch ausländische Vorbilder (die durch die Kunstzeitschriften verbreitet 
wurden) nachgeahmt und umgearbeitet wurden, woraus dann obengenannte 
Verwirrung entstand. Es ist das große Verdienst Berlages, in dieser Zeit 
die Richtungslinie gezeigt zu haben zu einer Baukunst, welche nicht mehr 
eine Zusammenstellung alter oder neuer Stilformen, sondern eine ästhetische 
Gestaltungsform von sozialen Notwendigkeiten seiner Zeit war. 
Nicht auf einmal ist Berlage zur organischen Auffassung der Architektur 
gekommen, wie diese aus seinen späteren Werken spricht. Seine Entwick- 
lung stimmt im allgemeinen überein mit der Entwicklung Otto Wagners und 
könnte charakterisiert werden mit den Worten Lux' in seiner Biographie 
Wagners, wo er spricht von einer Entwicklung „von der Architektur zur 
Baukunst". 
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