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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 178)

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So stehen also bei uns die Dinge. Wir vermissen den wahren, rich- 
tigen, geschmackvollen Einband und vermissen auch bei dem Publicum 
Sinn und Interesse für denselben; was Ansprüche erhebt, was scheinen 
und glänzen will, das wird auswärts gemacht, und in dieser scheinenden 
und glänzenden Arbeit herrscht ein falscher Geschmack. Ausnahmen lassen 
wir mit Vergnügen zu; wir werden sie zum Theile noch kennen lernen. 
Die Ueberzeugung von dieser Sachlage, der Wunsch, anregend, för- 
dernd, bessernd einzugreifen, vor Allem auch dem Lande selbst an Arbeif 
zurückzugeben, was es leisten kann und soll -'-solche Ueberzeugung und 
solcher Wunsch haben die Ausstellung von Bucheinbänden veranlasst, 
welche seit mehreren Wochen einige Säle des Oesterr. Museums ausfüllt. 
Der praktische Gesichtspunkt hat sie hervorgerufen, und der praktische 
Gesichtspunkt beherrscht auch völlig den Eindruck. Es wäre wohl möglich 
gewesen, von allen Enden der Welt Prachtwerke der Buchbinderei oder, 
richtiger gesagt, der auf den Bucheinband angewendeten Goldschmiede- 
kunst herbeizuschalfen, aber der Sache selbst wäre damit Wenig gedient 
gewesen. Es sind auch solche Werke vorhanden, und es werden noch 
mehrere erwartet, aber der Nachdruck musste auf dasjenige gelegt werden, 
was der heutigen Verwendung sich empfiehlt, was praktisch, lehrreich und 
geschmackvoll zugleich ist. 
Aus diesem Grunde bilden die Arbeiten seit jener Zeit, da die Erfin- 
dung der Buchdruckerkunst einen gewissen Massenbedarf hervorrief, also 
die Leder- und Pergamenteinbände aus dem 16., 17. und 18. Jahrhunderte. 
den Hauptbestandtheil der älteren Abtheilung. Sie kamen zum Theile aus 
der Ambraser Sammlung, aus den Sammlungen des Museums, aus dem 
Besitze von Privaten, ganz vor Allem aus der Liechtensteinkchen Fidei- 
commiss-Bibliothek, welche eine fast unerschöpfliche Fülle schöner Ein- 
bände der letzten drei Jahrhunderte enthält, zum Theile noch mit Mono- 
grammen und Wappen der Familienglieder verziert, ein Zeugniss, dass 
in diesem Hause die Kunstliebe selbst in diesen bescheidenen Dingen von 
Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochen sich fortgepiianzt hat. 
Aber der praktische Gesichtspunkt war nicht der einzige für diese 
Ausstellung, und so bilden auch die Ledereinbände der letzten drei Jahr- 
hunderte nicht den einzigen Inhalt der älteren Abtheilung. Um vollständig 
einen Gegenstand mit Kenntniss und Urtheil zu beherrschen, ist es nöthig, 
seine Geschichte zu kennen, und daher wurde denn ßhch zugleich der 
geschichtliche Gesichtspunkt in das Auge gefasst und die Anordnung des 
ersten Saales nach ihm durchgeführt. Für das Mittelalter freilich sind 
Originaleinbände nicht gerade in großer Zahl zu erhalten, aber hier konnten 
die Sammlungen des Museums theils mit einer Collection von Beschlägen, 
theils mit galvanoplastischen Copien oder Zeichnungen und Photographien 
eintreten. So ist selbst Byzanz mit den frühesten und kostbarsten Arbeiten 
vorhanden. 
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