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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 223)

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Mit diesen Anstalten waren kunstgewerbliche Centren geschaffen,

die ihre Thätigkeit im Kreise ausstrahlten. Aber naturgemäß, je weiter

die Entfernung, je geringer musste die Wirkung sein. Man fand' verschiedentlich

 das Bedürfniss localer Thätigkeit angepasst den localen Verhältnissen.

 Denn wie in der Hauptstadt sich alle Zweige der Industrie

beisammen fanden, so standen sie draußen vereinzelt, hier die Weberei,

dort die Porzellan-Fabrication, an einem dritten Orte die Glasfabrication

und so ferner. So kam man dazu, für diese localen Verhältnisse und

inmitten derselben die speciellen kunstgewerblichen Fachschulen zu gründen.

Man hätte die Dinge nicht logischer erdenken können, als sie in

Wirklichkeit gingen. Dass man dabei mit Fachschulen oder Lehrwerkstätten

 ein wenig experimentirte, war bei der Neuheit begreiflich, ja wohl

gar nothwendig.

Aber all' das, was bis dahin auf diesem Wege geschehen, war doch

nur Lehre, nur Schule und Schulung. Wie stand es aber mit der eigentlichen

 Praxis? Wie verhielt sich das Gewerbe selber dazu? Wenn dieser

große Schritt, dieser Uebergang in die Praxis nicht geschehen, so wäre

ja alle Liebesmühe umsonst gewesen.

Anfangs misstrauisch gegen das Neue, widerwillig sogar, wurde die

Industrie doch nach und nach der Reform gewonnen. Einzelne leitende

Industrielle gingen selbst mit großer Passion darauf ein, und da mittlerweile

 durch die Schulen junge Kräfte im neuen Geiste ausgebildet waren,

so fehlte es ihnen auch nicht an den erlindenden Köpfen und den ausführenden

 Händen. Es entstand daher im Laufe der Jahre der guten

Arbeit so Vieles und so Bedeutendes, dass die Kunstindustrie, wie wir

ja alle erlebt haben, auf allen Ausstellungen ohne Frage das vorragendste

Interesse für sich in Anspruch genommen hat, ja zahlreich wurden Ausstellungen,

 große wie kleine, nur um ihretwillen veranstaltet.

So war auch die Lehre in die Arbeit übergegangen und der praktische

 Erfolg, wenn auch nicht der materielle, gesichert. Diese Zweifelhaftigkeit

 des materiellen Erfolges hat in der jüngsten Zeit einen weiteren

Schritt in der Entwicklung herbeigeführt, nämlich eine Vereinigung der

Kunstindustriellen selber zur größeren Verbreitung und finanziellen Ausnützung

 desjenigen, was auf Grundlage der modernen Geschmacksreform

gelernt und gearbeitet worden. Es sind, zumal in Deutschland, an verschiedenen

 Orten Vereine entstanden, nicht, wie wohl schon bisher, zur

Unterhaltung einer Schule, sondern zur Unterstützung des Absatzes mittelst

 einer permanenten Ausstellung, so in Berlin, Hamburg, Dresden,

München, Düsseldorf, Frankfurt und an anderen Orten, zum Theile in

Verbindung mit den vorhandenen Museen oder Schulen, zum Theile ganz

frei und selbständig.

Dabei ist eine Wahrnehmung sehr bemerkenswerth. Vor wenigen

Jahrzehnten noch, wer wusste etwas von Kunstgewerbe oderKunstindustrie?

Nicht einmal die Namen existirten. Man hatte das Gewerbe und seine
            
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