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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 232)

Durch Hervorhebung des Besseren wollen wir einen allgemeinen 
Ueberblick über die Ausstellung ermöglichen, indem wir es durch Bei- 
setzung einer Chilfre kenntlich machen, welche Aussteller in der Weih- 
nachts-Ausstellung dem Wiener Kunstgewerbe-Verein angehören. 
Um mit den Arbeiten in edlen Metallen zu beginnen, hat Carl 
Lustig (Mitgl. des W. Kg-V.) feine Niello-Decoration nach orientalischen 
Mustern, die er früher nur auf Schmuckgegenständen angebracht hatte, 
nun auch für zierliche Dosen u. dergl. verwendet, und auch sonst noch 
vieles Gute in seinem bekannten Genre gebracht. Häusler und Braun, 
der erstere mit gutem Goldschmuck in italienischer Art, der zweite mit 
geschmackvoller Anwendung bunter Steine, sind von früheren Ausstel- 
lungen bekannt. Schön getriebene Schüsseln und andere Gefäße in Silber 
und Bronze brachte Josef Sobota, der als geschickter und fleißiger 
Künstler schon durch seine Thätigkeit in der Kunstgewerbeschule, dann 
als Fachschullehrer sich bekannt gemacht hatte. 
Ein großes Gitterthor von J. M. Baierleiu, welchem für diese 
Leistung auch das Diplom des Museums zuerkannt wurde, zeigt große 
prächtige Barockformen, weniger wollen die mitten angebrachten Figuren, 
l-lerr und Dame, obschon an und für sich als technische Leistungen vor- 
trefflich, zu dem vornehmen Eindrucke des übrigen Werkes stimmen. 
Dergleichen wirkt immer etwas kindlich, fällt aber natürlich dem erfin- 
denden Architekten und nicht dem geschickten Meister zur Last. Keines- 
wegs ein Fortschritt, vielmehr ein Missverständniss der Erforderniss des 
Materials, ist die bunte Bemalung von Leuchtern, Bilderrahmen etc. aus 
Eisen, die nun ihren natürlichen Charakter verloren haben und aussehen 
wie lackirter Pappendeckel. Von Toman und Schwarz (Mitgl. des 
W. Kg.-V.), die sonst ganz vorzügliche Arbeiten brachten, ist zu hoEen, 
dass sie von dieser Verirrung bald zurückkommen werden. 
Seit der regelmäßigen Abhaltung der Möbel-Ausstellung in der 
Gartenbaugesellschaft, die eine vollständige Uebersicht über die Fabri- 
cation gewährt, wäre es eigentlich überflüssig geworden, auch im Museum 
jedes Jahr eine so reichhaltige Exposition dieser Branche zu veranstalten. 
Umsomehr, als es sich nach den bestehenden Vorschriften für die Aus- 
stellung und die Jury nicht vermeiden lässt, dass ein Großtheil der Ueber- 
bleibsel der Möbelausstellung hier wieder erscheint und das Museum 
dadurch gezwungen ist, durch mehr als zwei Monate eine seiner lehr- 
reichsten Sammlungen, nämlich die Vorbildersammlung in Gyps, der Be- 
nützung zu verschließen. Hier wird es am ersten nothwendig sein, falls 
die Weihnachts-Ausstellungen überhaupt fortbestehen sollen, bei einer 
Reform anzusetzen, den Gypssal der Benützung für Schüler und Ge- 
werbetreibende gerade in den wichtigen Wintermonaten frei zu halten 
und die Ausstellung von Möbeln nur auf einzelne hervorragende Stücke 
zu beschränken. Den Weg zum Besseren einzuschlagen, konnte schon
	        

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