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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 91)

als auch die plastisch gearbeiteten Thierköpfe richtiger gezeichnet, natura- 
listisch trefflicher aufgefasst, als wir es heute noch vom Durchschnitte 
der ländlichen Bevölkerung erwarten dürften. 
Trotzdem laufen die Feuersteine und die Bearbeitungsweise derselben 
nebenher, und finden sich zwischen diesen Objecten noch keine geschliffenen 
Steinwatfen, wie sie später in den Pfahlbauten gefunden werden. Anderer- 
seits verlieren sich, wie sie später sehen werden, wieder diese künstlerischen 
Schnitzwerke und die figuralen Darstellungen überhaupt in späterer Zeit 
und es steht diese Rennthierzeit der Madeleine, wie sie von Mortillier 
genannt worden ist, gewissermassen unvermittelt zwischen zwei Cultur- 
epochen, der der präglacialen, oder doch frühglacialen Zeit der mandel- 
förmigen Feuersteinäxte und der Zeit des polirten Serpentins oder der 
Pfahlbauten. 
Ausser den genannten Gegenständen aus Rennthierhorn sind noch 
eine grosse Anzahl von spitzen Instrumenten in dieser Epoche gefunden 
worden, welche als Nadeln, Pfriemen u. s. w. bezeichnet werden, und 
andere mit rundlichem, glatten Endtheile, die zur Abhäutung und Glättung 
der Häute gedient zu haben scheinen; durch diese Instrumente ist man 
auf die Vermuthung geführt worden, dass unsere Urbewohner sich mit 
den Fellen der Thiere bekleidet hatten, wobei die Nadeln zum Zusammen- 
fügen gebraucht wurden. 
Auch Schmuckgegenstände treten hier zum ersten Male auf. Es sind 
dies durchbohrte Muscheln, die manchmal aus weiter Ferne, vorn Meeres- 
strande stammen und Zähne der erlegten Thiere, die an der Wurzel durch- 
bohrt sind und abwechselnd mit diesen Muscheln am Halse getragen werden 
konnten. 
Ueber das Vorkommen der Töpferwaaren, die später hin als ent- 
scheidendes Moment für das Alter eines Fundes, oder für die Culturstufe 
der Bevölkerung angesehen werden, sind die Ansichten noch verschieden. 
Sehr viele Fundstätten der Marnrnuthzeit, sowie der späteren Rennthier- 
zeit entbehren dieses Geräthes. In anderen wurden indess Gefässtrümmer 
gefunden. Diese Differenz, sowie manche andere den obigen Systemen 
widersprechende Höhlenfunde haben vorzüglich unter deutschen Gelehrten 
Anlass zu einer entgegengesetzten Ansicht geboten, welche die Vereisung 
unserer Centralalpen und die Existenz der diluvialen Thiere näher an die 
historische Zeit rücken würde und welche den mit diesen Thieren gleich- 
zeitig lebenden Menschen schon als einen Einwanderer ansieht, welcher 
nicht nur den Feuerstein bearbeitete dort wo er ihn fand, sondern welcher 
auch schon von allem Anfang an die Knochen zu bearbeiten, den Lehm 
zu formen verstand und mit dem Feuerstein Handel trieb. 
Ohne auf diese Differenz hier näher eingehen zu wollen, will ich 
nur hervorheben, dass Prof. Fraas dem Menschen der Mammuthzeit ein 
neues Werkzeug zuwies, welches in seiner Art auch wirklich praktisch und
	        
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