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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 5)

noch als echter, voller Quattrocentist, obgleich seine Kunstthatigkeit dem Datum nach

(bis 1513) ins 16. Jahrhundert hinüberreichte. Sowie uns die Fresken von Benozzo Gozzoli

in der Cappella Riccardiana in Florenz unter dem Przltext der heiligen Reise der drei

Könige eine mediceische Hofcavalcade in ihrer ganzen festlichen Entfaltung aufweisen,

so zeigen uns die Fresken der Dombibliothek von Siena das ganze Um und Auf der

clericalen Prachtreprasentation jener Tage. Der Vortrag wies darauf hin, wie erst die

hohe Kunst des Cinquecento das richtige Maß und Gleichgewicht der Compusition, der

Oekqnotnie in der Anordnung fand; in der Verwendung des Details wurde das Wesentliche

 von dem Zufälligen und Entbehrlichen geschieden, und nur so viel Beiwerlt zugelassen,

 als zur Versinnlichung der Situation dienlich schien. Die Darstellungsweise der

Fruhrenaissance war noch nicht wählerisch in ihrer Composition, sie hielt sich der Erscheinung

 der Dinge gegenüber für verpflichtet, bis in die letzte Einzelheit hinein. Und

eben wegen dieser freudigen Treue der Wiedergabe haben die Quattrocentobilder -

namentlich die cyklischen Darstellungen - trotz aller naiv-liebenswürdigen Mangel in

der Losung der Hauptaufgabe eine urkundlich culturgeschichtliche Bedeutung ohne

Gleichen. Dies gilt ganz besonders von dem sienesischen Bildercyklus Pinturicchios Der

Vortrag gruppirte nur probeweise die reiche Ftllle seines Details. Einmal linden wir da

vorzß liche Muster von decorativer Kleinarchitektur und Tektonik. So auf dem sechsten

Bild (gAeneas Sylvius erhalt den Cardinalshut) das Modell eines edel stilisirten Altars im

reinsten Quattrocentostil; dann auf dem zweiten, dritten, vierten und neunten Wandgemälde

 verschiedene Typen von Thronen, theils mehr decorativ, theils feierlichmonumental,

 als gebaute Kathedren. Auch die Textrie ist reichlich bedacht; an Prachtteppichen

 ist kein Mangel; die Staattgewander in reicher Musterung und Goldbrocat -

namentlich jenes von Kaiser Friedrich lll. bei der Dichterkrönung des Aeneas Silvius

(3. Bild) und bei der Verlobung mit Eleonore von Portugal vor der Porta Camullia

Siena's - sind Preisstnclte der Kunstindustrie. Dazu kornmen als exquisite Beispiele

von Bildstickerei auf dem siebenten Wandgemälde (Aeneas Sylvius zum Papst erhoben)

die Kapuzen der Vespermantel der Bischbfe mit Heiligenbildern. Nicht zu übersehen

sind die Tapetenmuster, die sich gelegentlich auf jenen Fresken vorfinden; so das

Dessin in der Thronnische von Bild 4, jenes von dem Antipendium des Altars auf Bild 6,

und ganz besonders die Tapete der Hinterwand mit dem reichen moresken Muster aul

Bild 9 (Canonisation der Katharina von Siena). Auch die eigentliche Tapezierdecoration

meldet sich in den Baldachinen mehrfach an, ebenso die Heraldik und Wappenstilisirung,

dazu kommt das malerische Behagen in der sorgsamen Detaillirung des Costums, in der

exacten Behandlung der Waifen, der Lanzen und Hellebarden. Und wo wieder Bücher

zum Requisit der Scenerie geboren - wie auf dem achten Bilde (Concil zu Mantua) -

ist die Kalligraphie der Codcxschrift mit den schönen Initialen nicht minder gewissenhaft

 wiedergegeben. Der Vortragende wollte durch die Anführung dieser interessanten

Details nur schließlich darauf hinweisen, wie neben so vielen Gemalden der Quattrocentisten

 besonders dieser monumentale Bildercyklus eine lehrreiche, gemalte Urkunde

und Illustration für die Kleinkünate jener reichen Zeit abgibt.

Literatur - Bericht.

Prinz Eugen von Savoyen als Kunstfreund. Von Albert Ilg. Wien, Karl

Graeser, 188g. 8". 46 S. 60 kr.

Dieses Schriftchen ist die Wiedergabe eines Vortrages, welchen der Autor vor

Kurzem im Oesterr. Museum hielt, und um der Persönlichkeit willen, welchem derselbe

galt, heißen wir die rasche Veröffentlichung desselben willkommener denn je. Wir

werden darin zunächst über zwei Punkte belehrt: wie viel noch in unserer heimischen

Kunstgeschichte zu arbeiten ist, wenn einer der größten Kunstfürderer, welchen. Oesterreich

 jemals besaß, noch keine erschöpfende Würdigung dieser Seite seines Lebens gea

funden hat, und zweitens, welchen großen Schwierigkeiten eine solche Arbeit bei uns in

Folge früherer Vernachlässigung und Scnrtirung der Archivnlien unterliegt. Albert llg,

dessen rastlosem Eifer wir bereits so mannigfache Ehrenrettung bezüglich der vaterlnndischen

 Kunstgeschichte verdanken, hat nun auch die angedeutete Lücke ausgefüllt, wenngleich

 vorerst blos provisorisch, so doch in einer Weise, dass wir ihm selbst widersprechen

 müssen, wenn er sein Gemälde von Eugens Bedeutung für Oesterreichs Kunstgeschichte

 nur eine magere Skizze ohne Details und Farben nennt. lm Gegentheile ist

seine Brochure eine sehr lehrreiche und mit Begeisterung geschriebene Schilderung jenes

Theiles von der Biographie des Prinzen Eugen, welche bisher über seinen militärischen

und politischen Verdiensten zu sehr in den Hintergrund gedrängt war. Wir erhalten hier
            
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