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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 167)

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Liebe und Lust erweckt wird, im Handwerke zu bleiben; es muss der

Ehrgeiz geweckt werden, einst durch eine gute Arbeit den Stand zu ehren,

dem sie angehören werden. Die Baugewerkschulen haben keine Architekten

und Baumeister, die Fortbildungsschulen keine Künstler und Zeichner für

Kunstgewerbe zu erziehen. Nichts würde unzweckmässiger, ich möchte

sagen, gewissenloser sein, als in diesen Kreisen künstlerische Aspirationen

wachzurufen und diese Anstalten zu technischen und künstlerischen oder

kunstgewerblichen Fachschulen hinaufzuschrauben. Zeigen sich an solchen

Anstalten Talente, welche stark genug für das Künstlerthum sind, dann

muss man einen solchen Zögling an die Anstalten weisen, welche berufen

sind, auf dem Gebiete der Architektur oder des Kunstgewerbes Künstler

zu bilden. Es ist die Zahl derer, welche Architekten, Zeichner u. s. f.

sind, heutigen Tages ohnedies gross genug und der Zudrang zu solchen

Anstalten weit über das Bedürfniss hinausgewachsen, als dass es nöthig

wäre, durch eine unverständige Art die gewerblichen Forlbildungsschulen

und Baugewerbeschulen hinaufzuschrauben, das geistige Proletariat auf

dem Gebiete der Kunst und des Kunsthandwerkes noch zu vermehren.

Um aber den Lehrbedürfnissen dieser Schulen genügend zu entsprechen,

 fehlen allerdings (und zwar nicht blos in Oesterreich) ele mentare

Vorlagenwerke. Wir haben, Dank den Bemühungen des Herrn Unterrichtsministers,

 bereits einige Elementarwerke (von Grandauer, Riewel-Schmid,

 Andel), deren wohlthätiger Einfluss überall bemerkbar ist; auch

in Stuttgart sind einige gute Werke erschienen (vor Allem von Herdtle

u. s. w.), aber die Zahl der guten Vorlagenwerke ist bei weitem nicht

dem wirklichen Bedürfnisse entsprechend. Für Tischlerei, Schlosserei,

Blumenzeichnen, für die Elemente der Ornamentik, für weibliche Arbeitsschulen

 u. s. f. fehlen meth odisch geordnete Elementarwerke fast vollständig').

 Bei dem Mangel solcher Vorlagen sehen sich die Lehranstalten

leicht genöthigt, auf Werke zu greifen, welche über die Sphäre der Schulen

hinausgehen. Es ist nur zu wundern, dass unsere Verleger sich nicht

dieser Lücken bemächtigen und dass sie im Vereine mit den Unterrichtsbehörden

 sich nicht bemühen, diese Lücken auszufüllen. Dass der Erfolg

nicht ausbleibt, haben einige Beispiele gezeigt. Es ist nicht immer eine

grosse Staatssubvention nöthig, aber es muss die Voraussetzung eintreten,

dass sich Verfasser und Verleger bescheiden und nicht "reine künstlerische

Tendenzen im Auge behalten. Solche Vorlagen müssten einfach, gut und

wohlfeil sein und von anerkannten Autoritäten ausgehen.

Es wird gegenwärtig so viel von der Nothwendigkeit gesprochen,

das Kleingewerbe zu heben und dem Arbeiterstande eine solide Schulung

zu geben, dass man wohl in keinem Augenblicke vergessen darf, wie

nöthig es ist, dem Unterbaue des ganzen gewerblichen Unterrichtes -

') Für Vorlagenwcrke hoheren Ranges ist durch Storck, Teirich, Laufberger, Hause:

u. A. m. vorzüglich gesorgt worden.
            
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