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intime Leben der österreichischen Völker und deren Cultur bezieht, weniger
beachtet, obgleich gerade diese Partien für den Künstler nützlich sind.
Vor dem Bewegungsjahre 1848 war die österreichische Geschichtsliteratur
gebunden durch die damals herrschende Censur und durch die geringe
Freiheit des Gedankens und der Presse, welche eine Grundbedingung jeder
historischen Literatur ist. Es konnte sich daher in jener Zeit keine große
Geschichtsliteratur entwickeln, da man das nicht ungescheut aussprechen
durfte, was das Endziel jeder Geschichtsforschung sein muss, die Wahrheit.
Auf dem beschränkten Raume, innerhalb dessen sich die damalige Geschichtsforschung
bewegen durfte, hat selbstverständlich auch die Freiheit
und Schönheit des Ausdruckes nichts gewonnen; dieser ist schwerfällig
geworden, weil dem Flug des Gedankens das Bleigewicht der Censur
angehängt war. Dass nach dem Jahre 1848 die Geschichtsforschung allerdings
vollständig freie Bahn bekommen hat, insbesondere, wenn es sich
um die streng wissenschaftliche Forschung handelt, kann Niemand leugnen,
ebensowenig, dass es gegenwärtig viele Gelehrte in Oesterreich gibt,
welche die großen Ziele der wissenschaftlichen Geschichtsforschung beherrschen.
Aber deren Arbeiten bewegen sich vor Allem auf dem Gebiete der
strengen Wissenschaft und sind daher weniger geeignet, in Künstlerkreise
einzudringen.
Neben dieser neu erwachenden Geschichtsliteratur, von welcher die
Künstler allerdings zu wenig Notiz nehmen, macht sich in der österreichischen
populären Geschichtsliteratur eine seichte, oberflächliche Darstellungsweise
bemerkbar, welche nicht populär im vollen Sinne genannt
werden kann, und darum auch nur in geringem Maße Verbreitung gefunden
hat. Keinem aufmerksamen Beobachter sowohl der gelehrten als der populären
Geschichtsliteratur, besonders der Magyaren, Polen und Slaven,
kann der Umstand entgehen, dass jetzt mit unverkennbarer Vorliebe jene
historischen Erinnerungen behandelt werden, welche die Selbständigkeit
der einzelnen österreichischen Völker und jene Zeit zum Gegenstande
haben, wo diese Länder noch nicht in den österreichischen Staatsverhand
eingetreten waren. Es liegt dies wohl zweifellos in der Natur des modernen
Nationalitätsgedankens, welcher das bewegende und treibende Element
der Geister geworden, das an den Thoren der Staaten pocht und
an ihren Fundamenten rüttelt. Jede Nation sucht bei uns ihre staatenbildende
Kraft hervorzukehren und wiegt sich in Ideen von Nationalstaaten,
die abseits vorn österreichischen Staatsgedanken liegen. Diese Richtung der
Geschichtsliteratur, die also gewissermaßen die Staaten der Zukunft vorbereiten
sull, geht Hand in Hand mit jenen historischen Darstellungen
der Künstler, welche die Vergangenheit der einzelnen österreichischen
Völker mit einer Gloriole umgeben, und auf diese Weise die Bestrebungen
der modernen Geschichtsliteratur unterstützen. Diese Umstände
fordern uns auf, das Wechselverhältniss der Geschichte und Malerei zu
dem österreichischen Staatsleben zu prüfen.
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