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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 54)

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wodurch leicht die griissten Flächen gewonnen wurden, war der Buin der venetinuischen 
Industrie unaufhaltsam. 
Der Umfang des StoEes lässt den Verf. nur übersichtlich von den Conteris, den 
kleinen Glasperlen (im B. Abscbn.) handeln. Er weist auf den Gebrauch derselben bei 
den Alten, besonders bei den Aegyptern, hin, deren Mumien kleine verglaste Reiilein von 
Terracotta und farbige Perlen haben, gänzlich verschieden indess von jenen splter in 
Murano erzeugten. Zu Ende des 13. Jabrh. oder etwas darnach finden sich zuerst Perlen 
der Briani und Miotti im Handel. Es ist nichts weiter über die Verhältnisse dieser In- 
dustrie bekannt, doch ergibt sich, dass sie in hoher Bliithe gestanden haben muss und 
vorzüglich die Geschicklichkeit in der Composition der Emails dazu forderte. Die ersten 
Erzeugnisse waren die Peternosterkiigelchen aus reinem Krystsil, jedes Schiff nahm 1327 
auch hundert Dutzend Paternoster an Bord. 1501 berichtet das 115. Cap. della rnstrieola 
des Gewerbes, dass die Deutschen seit 20 Jahren beiläufig in Murauo Glasperlen in Röh- 
renform aus gewöhnlichem doch buntgefirbtem Glsse machen lassen, welche in die Le- 
vante verhandelt werden und damals eben ein blühender Erwerbszweig waren. Bedeutend 
war des Benounne der Brüder Andres und Pietro Bertolini, deren IOjähriges Yrivileg-inm 
(1738 ertheilt) 1746 auf ein neues Decennium verlängert wurde. Sie arbeiteten nach 
eigener Erfindung mit Gold opaque und translucide; man gestattete ihnen sogar in den 
Monaten August nnd September zu arbeiten, gab ihnen endlich ein drittes Privilegium 
für die Einführung des Porcellans 1748, welches sie als die ersten in Murano fsbricirten. 
Ein Decret von 1758 erwähnt die Verdienste eines Vittorio Mestre, dessen Ofen Krystallu 
und Email lieferte. 1746 errichtet man einen neuen Ofen fiir solche Glasstibe zu Perlen, 
dessen Erzeugnisse zu kaufen die Zunft der Margariteri. angewiesen ist. Dieser Zweig 
der Glasfabricaticn ist der einzige, welcher an Treiflichkeit des Erzeugnisses immer zu- 
nahm und wirklich sowohl das einzig belebte Gebiet in dieser Kunst als auch das ge- 
wesen, welches den fremden Nationen arn meisten von Wichtigkeit. So in dem Decrete 
vom 15.September 1761, welches sieben Edelleuten die Aufsicht über dasselbe verleiht. 
Ein odleres Product ist, was der 4. Abschnitt als eigentliche Perle, im Gegensatz 
zu jenen einfacheren, roheren Fabricaten, den Zahlperlen, Margarite, behandelt. Die 
Bliithezeit dieses Betriebes füllt in das goldene Zeitalter Italiens und alles Herrlichen, das 
es besessen, des Cinquecento. Damals erhob sich das reiche, begünstigte Murano mit 
seiner thltigen Einwohnerschaft zu höchstem Glanze, damals entstanden seine Paläste. 
Andrea Vidaore gab, zu Anfang des Jahrhunderts, den Stabperlen zuerst die Lichtwirkung 
und die Formschönheit, wodurch eine so reiche Hendelsquelle im Verkehr mit den Wilden 
erößnet war. Bald erfuhr die Oberfläche der Perle die reichste Gestaltung; man presste 
Füdchen und Bänder ein, gestaltete sie tropfenfdrmig wie kleine Edelsteine, brachte Gold 
und Filigran an, machte sie leuchtend oder matt. Solch prächtigen Schmuck nahmen die 
Orientalen freudig auf und zierten sowohl ihre Gemächer als sich selber damit. Im 1B. 
Jahrh. ging aus dieser Technik auch die Kunst des Glasepinuens hervor. 
Aus der grossen Menge wählt der Verf. hier wieder nur wenige Urkunden. 1678 
hatten die Giuf Ssvii der Meroanzia, eine fortwährend mit unserem Gewerbe in Verbindung 
stehende Cornmission, im Verein mit den Regulatoren der Steuern die Tarife der Psrleri 
einer Regelung unterzogen, welche vom Senat gebilligt wurde. 1759 hatte ein anderes 
Oollegiuni von Dreien die Gesetze und Methoden der Kunst zu eruiren, Fälschungen und 
Missbräuche zu entfernen etc., um dem Gewerbe seine ursprüngliche Bliithe wiederzugeben. 
Ausgegengen war die Kunst von der Nachahmung echter Perlen und Gemmen; der Aus- 
druck, welcher diese ArtPerlen in den Documenten bezeichnet, ist lavm-ate a lume. (d lß 
lampe d" emaillcur.) Im Anhangs findet sich ein umfangreicher Tarif vom 7. Jänner 
1735, in welchem Masse und Gewichte zahlreicher derartiger Edelsteinilnitationen u. dgl. 
angegeben sind; er wurde 1739 bestätigt. Ein 1740 eingesetztes Colleg-ium schlug nützliche 
Reformen zum Schutze der Kunst vor, namentlich gegen den Zulass von fremden Arbei- 
tern, gleichwohl wurde derselbe noch in diesem Jahre gestattet. Beim Untergang des Staates 
zählte das Gewerbe 640 Flammen mit eben so vielen Arbeitern. 
Wir gelangen zum 5. Abschnitte, welcher die Handelsverhältnisse der venetiani- 
sehen Glaserseugung bespricht. Als die Republik den Verkehr Asiens und Europe's allein 
in ihren Händen hatte, als ihren Producten in allen Häfen die grössten Freiheiten ge- 
währt waren, machte die Glasindustrie keinen unbedeutenden Tbeil aus. An Spiegeln und 
Perlen betrug die Ausfuhr nach Asien jährlich an 550.000 Pfund; sie verbreitete in Per- 
sien und Asien den Gebrauch, Kronen bunten Glases zu tragen, und ihre Spiegel waren 
ein unerlßsslicher Bestandtheil der Mitgiß orientalischer Frauen. (Aus Berchet, il Com- 
nieroio dei Veneti nell' Aeie.) Seit Pisa's und (Jenna's Abnahme riss Venedig den Handel 
in der Türkei, Aegypten, Frankreich, England und Spanien an sich und seine Sehlitne 
stiegen, dass die Familie der Morelli von Murano für die Erlangun des Adels IOOIXD 
Ducaten anbieten konnte. Auch späterhin, als Venedigs Macht von fe zu Stufe sank, 
behielt seine Perlenfsbrication noch immer den Weltmarkt, nebstdem, dass diese Producte
	        

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