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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

quergelagerten Abschluß des für den Fürsten bestimmten „männliehen"

 Flügels, „zu Ende gegen Morgen des Palais", angelegt.

Sie nimmt daher die ganze Palastbreite ein. Sie erhält ihr Lieht

durch neun Fensterölfnungen, wovon fünf der östlichen Längswand

 und je zwei der südlichen und nördlichen Breitwand zingehören.

 Dadurch ist der Saal einer der hellsten Innenräume,

der zu jeder Tageszeit gutes Licht hat. Die Fensteraufteilung bestimmt

 die vertikale Gliederung dcr Wände. Die Nord- und Südwand

 sind daher dreiteilig, für die Ost- und Westwand ergibt dies

eine Neueinteilung. Allein die Wcslwand ist eine geschlossene

Wandfläehe, die sich für die Anbringung von Tafelhildern

eignet.

Offensichtlich und bewußt sind die Zahlenverhältnisse, die dieser

 architektonischen Raumkonzeption zugrunde liegen, die Dreizahl

 und die „dreygedritte Zahl", die Neun. Di "nd vorgegebene

 Ordnungskonstanten, nach denen die Disposition der

Ausschmückung erfolgen mußte. Denn nur so konnte das oberste

Gesetz barocken Gestaltens verwirklicht werden, „daß Malerei

und Baukunst eine mit der anderen einerlei Körper erscheine".

Sicherlich beruht die Ausschmüekung - wie in ähnlichen Fällen

- auf einem schriftlich fixierten Programm, das aber bisher

nicht aufgefunden werden konnte. Während Daniel Grzm noch

an der Kuppelmalerei arbeitete, waren schon die Stukkateure

und Marmorierer Johann und Balthasar Haggenmüller und der

 

Die Apollogalerie gegen Süden. Über Cl'.'l' dteigeteilten

 Breitwand des Saales das Fresko Danicl

 Gruns. Pallas Athene als Tugendführerin,

die einen Knaben den Grazien zuführt.





Fresko über der nördlichen Breitwand des Sztales". In der Mitte

Bacchanal mit der Wollust und Trunkenheit. Links und rechts Tugenden

 im Kampfe mit Lastern.

Vergolder und 'l'heatermaler Johann Franz Hörl in der Galerie

aeschiiltigt. Der llreskensehmuck muß daher auch seinem Inztlte

 nach schon bestimmt gewesen sein. Er hatte ja nicht nur

die „Krone" zu sein, sondern war der bevorzugte lnhalts- und

3edeutungsträger. Die Decke war ideelles Zentrum aller inhaltiehen

 Details, sie hatte die Raumhestimmung auszusagen und

damit auch auf die Neigungen und den Wirkungskreis des

Bauherrn anzuspielen,

Der Standpunkt des Betrachters", von wo aus der ganze Raum

Jildgcrecht zu überblicken ist, liegt unmittelbar vor der mittle-en

Fensteröllnung der Ostwand. Diese Hauptansicht umfaßt die

Westwand mit den Zugängen und den in alternierender Reihenolge

 angebrachten Stuckrelicls und Bildkompartimenten und

die über dem Kranzgesims aufsteigende Decke, die sich in eine

Architekturzone und in drei figurale Freskenlelder gliedert,

deren größtes die Mitte der Flachdecke einnimmt.

Dieses Fresko zeigt an der höchsten Stelle die Gestalt des leierspielenden

 Apolls, dessen Haupt mit einer strahlenden Aureule

umgeben ist. Dicht neben dem Lichtgott sitzt mit entblößte-m

Oberkörper und mit einem läuch in der Hand die Wahrheit. Zur

{echten Apolls fliegen einige „Kindl", Putten, die Lnrheerkr" ze

in den Händen httlten, Zeichen der Ehre und des Ruhmes, die

Wissenschaften und Künste schenken. Unter dieser Hauptgruppe

sind zwei weitere Dreiergruppen angeordnet. Die linke stellt in

der Frau mit dem Spiegel und der Schlange die Klugheit dar, an

die sieh die Schönheit schmiegt. Die zweite Gruppe zeigt Pallas

Athene mit Helm, Lanze und Schild, gleich Apollo eine Gottheit

der gelehrten Bemühungen und Führerin zum tugcndhttltcn Leben.

 Sie weist auf eine Slernenkrone hin, dem Zeichen des ewi-



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