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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 1 und 2)

Groteske Faschingsfiguren mit symbolhaften

 Tieren. Entwurf von L. O. Burnncini,

der als Theaterarchitckt Kaiser Leopold I.

am Wiener Hof tätig war.



Straße) eine „Wirtsehaft" gehalten, „dergleichen vornehm- und

pompose Festin nicht bald seynd gesehen worden".

Gegen Abend versammelten sich die Gäste „in der kostbahristenl

insonderheit das Hohe Frauen-Zimmet mit den last onschätzbahren

 rcich-bcschmuckten Kleydern 1' jedoch jedweder nach

Brauch und Arth seiner vorstellenden Nution" zu ebener Erde;

dort tanzte man eine Zeitlnng und ging dann in den Obern Saal,

welcher „mit denen kunstreiehisten (Jt-miihlden vielen Bild n]

und großen Spiegeln behnnget ,' zu diesem liestin itulf das zierlichste

 auffgehutzet; und mit einer großen Menge deren auff viel

großen silbern Häng- und Wand-Leuehtern gestellten XVaX-Licehtern

 erleucht gewesen". Die koslümierten (Jäste set7ten sich nun

zu einem „vornehm- und kosthahren Pztnqtiet, bey welchen Sie

auff das rareste ITIICIlFCT, und nur von 32 zu diesem lind in

gleiche Klcyder verkleydte Knyserl. Edel-Knaben bedient worden:

 Nach Vollendung dessen seynd alle hohe Anwesende wiederumb

 an den vorigen untern Saal zuruck kommen "und ist allda

zu Männiglichen Vergnügung der Ball die gantze übrige Nacht



Fztsehingskostüme mit makubren Gesichtsmasken: Türke und zwei Sols

dztten; alle tragen als Untergewnnd das Kleid eines llzxrlekins. Diese

Aquarellentwürle von L. O. Burnncini gehören zu den Kostbarkeiten

der Theatersammlung der Österreithisehen Niitionnlhihliothek und sind

für die europäische Thenter- und Kustümgesehiehte von höchstem Wert,

hindurch bey zierlichst- und angenehmbster Hoff-Music eontinuirt

 worden".

Die Musik besorgten eigene Brtllgeiger, die von den übrigen Hofmusikanten

 scheel angesehen waren; Karl VI. mußte einmal

seinen Johann Strauß, einen gewissen Schweinberger, gegen sie

ausdrücklich in Schutz nehmen, denn sie hatten ihm die Noten

zerrissen und seinen Jungen geprügelt.

Der „Groll Czaar von Moscau" war als „Frillländischer Baur"

erschienen, seine Begleitung ligurierte nur unter den Dienern,

während die Kostüme ihres eigenen und ihnen nahestehender

Völker österreichische Adelige (Moscowitter-Obersthofmarscltall

Graf Mansfeld, 'l".trtttr-Gr'.tl' Dttun) trugen. Von den Söhnen

Leopolds I. erschien der ältere (später Josef I.) als „Egyptier",

der jüngere (später Karl VI.) als Niederländer,

Die Möglichkeiten der Kostümierung waren fast unbegrenzt;

die Kostümtreuc beschränkte sich auf wenige charakteristische

Attribute (wie z. B. bei den 'l't'irkcn auf den Turban), ansonsten

waren Schönheit und Pracht ausschlaggebend. Die enge Verbindung

 dieser Festkostüme mit dem Theater war auch dadurch

gegeben, daß die Entwürfe zu beiden von denselben Künstlern

stammten: unter Leopold I. von L. O. Burnacini und unter

Karl VI. von A. D. Bertoli. Eine Auswahl aus dem Werk

beider hat sich im Original erhalten; die vielfach aquarellierten

Handzeichnurtgen gehören zu den kostbarsten Dokumenten der

Wiener Kultur- und 'l'heatergeschichte.

Im 17. Jahrhundert scheint für jeden einzelnen das Kostüm, in

dem er bei dem Maskenfest erscheinen sollte, bestimmt worden

zu sein; im 18.Jahrbundert, unter Karl VI., entschied darüber das

Los. Jeder Teilnehmer mußte Wochen vorher einen „Zettul heben",

 aus dem das Kostüm, das er bei der „WirtschafW zu tragen

 hatte, ersichtlich war; so wurden z. B. im Jahr 1724 am

25. Jänner die Lose für die Wirtschaft vom 29. Februar gezogen.

 In der Zwischenzeit wurde das Kostüm angefertigt; da an

jeder „Wirtschaff etwa 80-1OO Personen teilnahmen, mögen

die „Sticker", wie die Kostümschncider damals hießen, weil Stikkerei

 in echtem Gold und Silber einen wesentlichen Teil des Kostüms

 ausmachte, ihre Nadeln wohl fleißig gerührt haben. Viel-[aeh

 waren die Kostüme mit Edelsteinen besetzt und man schätzte

den Wert, der da getragen wurde, manchmal bis auf zwei Millionen

 Gulden, für jene Zeit eine unvorstellbar hohe Summe.

Neben den „Wirtschalten" wurden auch „freiwillig verkleidete

Feste" gehalten, bei denen jeder Teilnehmer sein Kostüm frei

wählen konnte.

Bei den höfischen Maskenfesten war auch das sonst so strenge

Zeremoniell ein wenig gelockert; man war an diesem Abend

eben, was man schien, auch dann, wenn es ungewöhnlich war.

So vermerkt das Zeremonialprotokoll im Jahr 1653, daß der Kai-
            
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