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Full text: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 1 und 2)

Abb. 6: Scngni Gibon (1750-1837),P0-chang 
und Ma-tsu. Mönch und Meister. 
Abb.  Hakuir 
Bettler. 
Ekaku 
(mss_ 
4768), Dnilo Kokushi als 
er in bcwußter Übertreibung seinen jüngern riet, alles totzu- 
schlagen, was ihnen den Weg verstelle, sei es selbst der Patriareh 
oder der Buddha. Frei sein von allem ist alles. Als Osatsu, eine 
Nonne, erkannte, daß sie durch das Lesen der Sutren, der hei- 
ligen Schriften, nicht zur Erlösung kommen werde, setzte sie 
sich darauf, statt weiterzulesen, und land die volle Billigung 
ihres Meisters Hakuin. Der Anlaß zur Erleuchtung aber kommt 
von ungefähr und kann von grotesker "Frivialität sein. Kyogen 
fand Erleuchtung heim Kehren seines Bambushaines durch den 
Ton eines Steines, der an seinen Besen flog; l-lakuin hatte Satori, 
als eine ungeduldige Frau, die er anheltelte, ihn auf seine 
Mönehskappe schlug; für Hyakujo brachte sie der Schmerz, als 
ihm sein unwilliger Meister Baso die Nase verdrehte. Auch im 
Zen liegt das Lächerliche oft nahe beim Erhabenen. 
Alles nun, was den Inhalt und das Streben des Zeh-Buddhis- 
mus ausmacht, auch das Schrofie, bewußt Widerspruchsvolle; 
Übertreibende, Groteske und Triviale, das zu seinem äußeren 
Wesen gehört, findet sich wiedergespiegelt im Zenga, der Ma- 
lerei des Zen. Das Zcnga, wie es die Ausstellung verführt, Setzt 
erst am Beginn des 15. Jahrhunderts ein und seine große Zeit 
ist erst die 'l"okugawa-Periode (1615 bis 1868 n.Chr.). Malerei 
hingegen spielt vom Anbeginn cinc große Rolle im Zen-Bud- 
dhismus. So bedeutend ist diese Rolle, daß man umgekehrt sagen 
kann, der Zen-Buddhismus hat auf die gesamte ostasiatische 
Tusehmalerei einen so entscheidenden Einiluß ausgeübt, daß 
sie ohne ihn gar nicht denkbar wäre; wahrscheinlich verdankt 
die Tuschmalerei ja sogar ihre Entstehung dem Zen. Seinem 
zum Abstrakten neigenden Denken jedenfalls, das den bunten
	        

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