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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

erhauses spiegelt natürlich die nach Gegenreformaon

 und Türkensiegen gefestigte Machtposition der

absburger wieder. Dafür spricht auch die Tatsache.

aß der Reichsaspekt in den Kaisersälen - zumindest

I den östlichen Ländern des Habsburgerreiches -

Jnehmend von einer Darstellung der Triumphe über

eh türkischen Erzfeind verdrängt wurdef"

ntgegen der Meinung von Herbst sind in diesem

usammenhang m. E. daher auch jene Räume zu

erücksichtigen, die keinen oder zumindest keinen fix

istalliertenm Kaiserzyklus aufweisen, aber diese prorammatische

 Funktion mit anderen ikonographischen

litteln oder durch die Verherrlichung eines einzelnen

errschers erfüllen.

rotz manchmal identischer Ikonographie sind von den

ynastischen Zyklen in den Familiensitzen funktionell

ene Herrscherzyklen zu unterscheiden, welche von

löstern und bürgerlichen Gemeinwesen in ihren FestwdAmtssälen

 errichtetwurden, umdamitseinebesonere

 Beziehung zum Reich. zum Land und ihren Herrzherfamilien

 zum Ausdruck zu bringenßs Diese proammatische

 Huldigung mittels eines Fürstensaales

iden wir aber nicht nur bei den Reichsstiften und

tädten in Süddeutschland, sondern auch in Landhauzrn,

 Ianctesfürstlichen Ptarrhöfen und Rathäusern

wwie in den Schlössern von Adeligen, die den Habsburern

 besonders verbunden waren.

den meisten Fällen bildet die imperiale lkonographie

irden Hauptaspektdes Programmes, das auch lokale

azüge aufweist und - in den Klöstern - einer kirchzhen

 gegenübergestellt oder auf die Funktion als

efektorium abgestimmt wird.

'ährend im Rathaus von Lüneburg durch 150 Medailnbildnisse

 römischer Kaiservon Caesar bis Rudolf ll.

JS dem Jahre 1607 vdie Landesherrschatt in Niederichsen

 spürbar der Autorität der alten römischen

onarchie untergeordnetrr wurde", kam es einige

ihre später im Goldenen Saal des reichsstädtischen

athauses zu Augsburg zu einer Konfrontation von

zidnischen und christlichen Kaisern und damit - anag

 zum zeitgleichen Programm in Aschaffenburg - zu

ner Verherrlichung des christlichen Reiches."

'st 1726 entstand der Kaisersaal des reichsstädtizhen

 Rathauses in Esslingen mit seiner vVerherrzhung

 des Stadtstaates und der seiner Selbständigeit

 garantierenden Kaiserideeu durch allegorische

eckengemälde und Porträts der habsburgischen

aiserfw

e gleichzeitige Ausstattung des Saales der Wiener

aichskanzlei hatte das iiinnerliche systema des heili-H1

 reichs mit scharlsinniger ancleutung der älter und

ngern reichshistoritr zum Thema, wobei jedoch alle

nweise auf das antike, das oströmische und das lomirdische

 Reich allein auf die Person Karls Vl. bezogen

JrdenÄ"

ie bei den Heichsstädfen dienten auch in den Reichsästern

 die Kaisersäle der Demonstration ihrer besonzren

 rechtlichen Stellung. Daß dabei nicht nur die

wabhängigkeit von anderen Landesherren betont

JFCIE, sondern durch Hinweise auf die päpstliche

Macht und die frühmittelalterlichen Wurzeln der Klöster

auch die Emanzipation vom Kaiser, erscheint besonders

 bemerkenswert, Sowerden inSalem(ab1708)den

Statuen der 14 Kaiseraus dem Haus Habsburg zwei von

hochmittelalterlichen Herrschern und 16 Papstbüsten

zur Seite gestelltm, und im schon einmal genannten

ReichsstiftOttobeurenlt 723125), dessen Äbte seit 1 71 2

den Titel eines wirklichen kaiserlichen Rates und Erbkaplans

 führten, wird u. a. durch das Deckenbild mit der

Krönung Karl des Großen durch den Benediktinerpapst

Leolll. überden tövergoldeten Habsburgerstatuen auf

die zwei Gewalten hingewiesen." Im Kaisersaal der

gefürsteten Reichsabtei Corvey (1712139) findet sich

überhaupt nur Rudolf I. als einziger Habsburger unter

den deutschen Kaisern, während in FuIda(1722l40) die

Folge von Rudolf I. bis Karl Vl. den Saal wieder zu einer

wEhrenhalle des österreichischen Herrscherhausesrt

machtÄ" Ähnliches gilt auch für St. Blasien, das den

Vorsitz im vorderösterreichischen Prälatenstand innehatte,

 einen itHabsburgersaalrr aber anscheinend erst

anläßlich der Erhebung in den Reichsfürstenstand 1746

erhielt.

Ähnliche Motive wie in den reichsunmittelbaren Territorien

 - nämlich die Demonstration der rechtlichen Sonderstellung

 - führten wohl auch zur Einrichtung von

Kaiserzimmern in den landesfürstlichen Pfalren und

Bürgerscnalten Niederösterreichs. So verfügte bereits

im frühen 17. Jh. der schloßartige Pfarrhof von Eggenburg

 über einen Kaisersaalm, und um 1700 ließ der

Dechant von Altpölla sein Repräsentationszimmer mit

einem Doppeladler samt Bindenschild schmückenfü

Das gleiche Motiv ziert auch den Ratssaal des landesfürstlichen

 Marktes Perchtoldsdorf aus dem Jahre

1699m, während 1722 im Rathaus von St. Pölten die

Decke mit Bildnisbüsten von 12 Habsburgern samt

Devisen stuckiert wurde. Der Rathaussaal in Breslau

erhielt 1715 ein Deckenbild mit vhistorischerti Thematik:

 vLeopold I. segnet, mit dem Einverständnis und der

Zustimmung seinerhabsburgischenVorfahren, dieAufteilung

 des Habsburger Imperiums zwischen seine

Söhne Joseph und Karlrrf"

In diesem Zusammenhang ist schließlich noch auf die

Säle der Landhäuser in Brünn, Klagenfurt" und

lnnsbruckw hinzuweisen. die alle in den dreißiger Jahren

 des 18. Jh.s mit mehroderweniger umfangreichen

Zyklen von Landesfürsten ausgestattet wurden.

Die größte Kontinuität besitzen Kaisersäle und -zimmer

jedoch in den Stiften der habsburgischen Erblande, was

wohl durch die eingangs erwähnten historischen Wurzeln

 und die seit der Gegenreformation engen Beziehungen

 zwischen Landesfürst und Prälatenstandq"

erklärt werden kann. Die Programmatik dient einer allgemeinen

 und nur manchmal durch die Person des

Abtes bedingten Huldigung der Habsburger ohne eine

besondere Hervorhebung der rechtlichen Stellung, wie

sie für die Reichsstifte charakteristisch ist. Der kirchliche

 Aspekt dieser Ausstattungen weist daher nicht so

sehr auf das Papsttum, sondern auf die Rolle des eigenen

 Ordens bzw. Stiftes hin, oder bringt überhaupt nur

konventionelle Refektoriumsthemen.

Den Auftakt bilden wieder die steirischen t

Seckau und St. Lambrecht, deren Kaisersäle

1640er Jahren entstandenf" Im Stift Zwettl

1676 die Tafelstube der Prälatur durch 13 DbTUSt!

von khaysem allermaszen die khupfferstich solct

mehrern ausweisen (I) . . . obenherain jedem sei

bulum, undthenher aber aines ieden namben

einem Kaisersaal umgestaltet, und die dreiJahre

ausgemalte 51 Meter lange Galerie im Westtra

band Porträtbüsten vderbedeutendsten Herrscht

Völker,von den ältesten Zeiten bis auf Kaiser Leoj

samt Emblemen und Devisen mitSzenen aus den

Testament sowie salomonischen Sinnsprüt

(Abb.7,8). Inden neunzigerJahrenwurdedieGalr

benachbarten Altenburg mit einem rein politische

gramm freskiert, das aber bereits die Kaiserrei

gunsten des Türkentriumphes reduziertem.

Um 1690 entstand auch die Dekoration im Kaisers

Heiligenkreuz, während die Ausstattung der urr

quellenmäßig belegten Kaisersäle in Melk und K

neuburg weder erhalten noch bekannt ist. Im s

17. Jh. wurde der Festsaal im Kaisertrakt von lt

bach mit dem Triumph eines lmperators (Josej

sowie Szenen aus dem Leben des Stifters bema

es entstanden die 20 römisch-deutschen Kaisi

nisse im Bernardisaal von Schlierbachm sow

sechs Porträts von Habsburgern fürden Audienz:

St. Florianf" Das Deckenfresko im Kaisersaal z

sten ist übermalt, nahm aberwohi auf die Türkenl

bezug, da schon im Stiegenhaus Merkur den Tr

Karls Vl. verkündetm

Der Festsaal in Kremsmünster erhielt 1721

Habsburgerbildnissewa, während die Kaiser im

felder Saal nur durch Embleme (Abb. 6) ver

sindÄag Die neuen Kaiserzimmer von Melk verl

damals nicht nur über einen großen, sondern aucI

einen kleinen Kaisersaal. In den dreißigerJahrent

der Fürstensaal im Zisterzienserkloster Lt

(Lubiaz), der in einem der reichsten Programme cli

ritizierung der Herrscherdynastie mit jener des k:

schert Glaubens verbindetw, der vmonarchische

pelrr (Reinle) von St. Florianm, der Landesfürsten:

Ossiachw und der unvollendete Kaisersaal in KI

neuburg, dessen Kuppelfresko erst 1749 von [

Gran geschaffen wurde.

Deutlicher als bei den Klöstern zeigt sich der Zi

menhang zwischen den Kaisersälen und der A

dung des habsburgischen Absolutismus im Zug

Gegenreformation bei den Festsalen mit imperialt

nographle in den Schlössern desAdels, die sich b

kenswerterweisebisautwenigeAusnahmen alle:

"halb der österreichischen Erblande befindenf"

Während der Kaisersaal in Aschaffenburg aus de

hen17.Jh.,derdie Kontinuität des Römischen Fie

von Caesar bis Matthias vorführt"', seine Entste

der Funktion des Bauherrn als Kurfürst verdankt

alle späteren Beispiele als direkte Huldigungen 2

Habsburger konzipiert.

Um die Mitte des Jahrhunderts ließ der in kaiserli

Dienst vom Beamten zum gefürchteten Gegenrefr

f. - 1114501111

1 ßgmi lüpzii:


            
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