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Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

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Anmerkungen 1-6 (Anm. 4-6 s. Text S. 102

'Albert Knoepfli, Ordinarius für Denkmalple e an der

ETH Zürich, erläutert diesen Satz weiter: „ es heißt,

wir sollten das Bauwerk auf Bestand und Möglidikeiten

ausharclien und danach die Restaurierung planen und

durchführen. Wir dürfen ihm keine Funktion aufzwängen,

die es überfordert und einen maßlose Anpassungen zu

seinem architektonischen Ruin führt." (Zsdtr. f. Stadtgesctn,

Stadtsoziolagie und DenkmalpfL, 2174i.

"Ämtsblatt der Landeshouptstadt Salzburg, Jg. ZÄINr. 1D

und Jg. ISINr. 10, „alte und moderne kunst", H. 1301131.

SDie Aufnahrneaktion, von der Evidenzstelle des Stadtsenates

 bereits 1963 initiiert, hat bereits den Baublack

zwischen Getreidegasse und Resideriz- bzw. Siegmundsplatz

 zur Gänze, die Baublöcke am Älten Markt zu einem

großen Teil und die Häuser an der Gold- und Brodgasse

teilweise erfaßt. Sie wird von dem Institut für Baukunst

und Bauaufnahmen der TH Wien unter der Leitung des

Ayerfossers durrchgefiihrt.



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WESTSElTE SÜDSElTE

geringerer Höhe, aber ähnlich turmartiger Wirkung

 muß ursprünglich auch die Erscheinungsform

 dieses Hauses an der Salzachfront gewesen

 sein. Zur Zeit seiner Erbauung stand es unmittelbar

 hinter der ersten Stadtmauer des 13.

Jahrhunderts an der Salzachlände.

Die zweite Stadtmauer und die Häuserzeile am

Rudolfskai wurden erst wesentlich später errichtet.

 Die Hauptfrant des Hauses war also die

schmale Nordseite an der Salzach. In der Folge

wurde dieses wohnturmähnliche Haus durch Zusammenlegung

 mit den drei anschließenden Baukörpern

 (Kranzlmorikt 5, Rudolfskoi 4 und 6),

später umgekehrt durch Besitzteilung („Verstukkung")

 so verändert, daß die (theoretische!)

Rekonstruktion seines ursprünglichen Zustandes

nicht einfach ist. Bei der Verstuckung wurden

vor allem mehr Geschosse in den vorhandenen

Baukörper eingebaut, weshalb die alten Fenster

zugemauert und neue Fenster ausgebrochen

werden mußten. Diese unorganische Entwicklung

 hat die Standfestigkeit des Bauwerkes so

erschüttert, daß in der Zone der Fenstereinbrüche

 Vertikalrisse entstanden, die im Westen

durch eine Strebemauer aufgefangen werden

mußten. Unschöne Ladeneinbauten und eine totale

 Verbauung des Hofes haben dieses illustre

und stadtgeschichtlich bedeutende Haus dann

noch vollends um seine Wirkung gebracht. Heute

ist es nur noch ein Schatten seiner selbst.

Um Mißverständnissen zu begegnen, io gar nicht

erst aufkommen zu lassen, muß gesagt werden,

doß die nachfolgenden Vorschläge nicht darauf

ung" und Verkrustung der Substanz trat, auf die

dann der technische Zerfall notwendigerweise

folgen mußte.

Die Zielrichtung ieder Wiederherstellung muß

also primär der „Wieder-Herstellung" der einstigen

 Funktionsfähigkeit und einer Verbesserung

 der Lebensverhältnisse in der Altstadt dienen.

 Sie darf keineswegs eine rein historische

Regung bleiben. Wenn man heute Bilder veröffentlichen

 wollte, wie trostlos es in dem Zwischen-Raum

 zwischen dem Rathaus der Stadt

Salzburg und dem „Bürgermeisterhausß in dessen

 Räumlichkeiten und vor allem im Hofraum

ausschaut, dann kann man verstehen, daß in

diesem Chaos auf die Dauer niemand gerne

wohnen möchte. Sa wird die bekannte soziale

Deklassierung der Altstadtgebiete progressiv

weitergehen, falls nicht rasch und gründlich saniert

 wird. Die Bilder, die sich dem Betrachter

im Verlaufe der Aufnahmeaktion der Salzburger

Altstadt" - auch aus Bereichen hinter den Fassaden

 der berühmten Getreidegasse - geboten

haben, sind weniger von der Art Spitzwegscher

Skurrilität, sondern schon eher van einer Pouvrete

und Tristesse, die empfindsamere Charaktere zur

Verzweiflung treiben können.

Wenn im Gefolge notwendiger Sanierungsmaßnahmen

 dann auch verborgene Baudetails aus

früheren Epochen wieder zutage treten, so ist

deren Aufdeckung nicht nur ein Gewinn für das

einzelne Haus, sondern auch fraglos ein Gewinn

für das gesamte Stadtbild. Eine Stadt darf nicht

nur - rein materiell gesehen - ein funktionieren-
            
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