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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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gearbeitet. Aber schon drei Jahre nachher war sie in die später nach 
ihr benannte Porzellangasse verlegt worden, an denselben Ort, wo sie 
bis an ihr Ende geblieben ist. Dort erhob sie sich in einem Hause des 
Grafen Breuner zu zwanzig Arbeitern, zu mehreren Oefen und Werk 
stätten. Ungeachtet dieses scheinbaren äusseren Aufschwunges, der doch 
keineswegs den Erwartungen oder der natürlichen Sachlage entsprach, 
besserten sich in Wirklichkeit ihre Verhältnisse nicht. Die Fabrik bestand, 
aber nach fünfundzwanzigjähriger Existenz im Jahre 1744 hatte sich eine 
solche Schuldenlast auf sie gehäuft, dass Du Paquier sich ausser Stand 
sah sie länger fortzuführen. 
Da endlich griff der Staat ein. Du Paquier bot seine Fabrik der 
Regierung zu Kauf an und die Regierung kaufte sie. Es waren keine 
glücklichen Zeiten für Oesterreich. Krieg war vorausgegangen und Krieg 
drohte auf’s Neue; die jugendliche Maria Theresia war von Gefahren um 
ringt; dennoch wollte sie eine Anstalt nicht fallen lassen, die doch einmal 
zur Blüthe gelangen und dem Staate durch reichen Absatz und den 
Unterhalt vieler Familien von Nutzen sein konnte. Sie befahl also die 
Fabrik für den Staat anzukaufen. Dies geschah im Jahre 1744 durch 
Kaufcontract vom 10. Mai unter der Bedingung, dass der Staat die auf 
der Anstalt ruhenden Schulden von 45.54g Gulden zahlte, wofür sie mit- 
sammt ihren Vorräthen in sein Eigenthum überging. Die Vorräthe hatten 
einen Werth von 24.000 Gulden. Du Paquier blieb unter oberer Leitung 
der Hofbankodeputation und ihres Präsidenten Director der Fabrik als 
Staatsbeamter mit einem Gehalt von i5oo Gulden und freier Wohnung; 
aber schon in diesem Jahre erhielt er einen Nachfolger. 
Somit schliesst mit dem Jahre 1744 die erste Periode der Fabrik, 
eine Periode der Versuche, der Unsicherheit, der getäuschten Erwartungen 
und vielfachen Misslingens. Von diesem Momente an hatte die Fabrik 
wenigstens die Sicherheit der Existenz; sie erhielt die Mittel zur Erwei 
terung und die Gelegenheit, selbst die Aufforderung und die Pflicht zu 
höheren Aufgaben und Leistungen. 
Mit dem, was sie bis dahin künstlerisch geleistet hatte, war sie an 
den Geschmack und die Anforderungen des Tages gebunden gewesen. 
Wie schon erwähnt, hatten der Hof und die vornehme Welt ihr nicht 
sofort die Gunst zugewendet noch sie mit Aufträgen bedacht, und so 
war ihr die Aufgabe schon dadurch niedriger gestellt als der Fabrik zu 
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