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Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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der  Fall  ist.  Denn  von  der  Pflege  dieser  Kunstzweige  an  den  beiden  Anstalten ­
  hängen  eine  Reihe  von  Kunstgewerben  ab.  Die  Siegel-  und  Stampiglienstecher ­
  für  alle  Arten  von  Nachdruck,  für  Buchbinderei,  Lederpressungen ­
  u.  s.  f.  brauchen  geschickte  Graveure  oder  Stampiglien,  Matrizen
und  Bunzen  u.  s.  f.,  welche  mit  geschickter  Hand  geschnitten,  ihre  Verwendung ­
  in  verschiedenen  Branchen  von  Gewerben  finden.  Nicht  alle
Graveure  sind  für  das  eigentliche  Kunstfach  berufen  und  geeignet,  nur
wenige  finden  davon  eine  dauernde  Beschäftigung.  Bei  weitem  die  grösste
Anzahl  würde  in  den  Kunstgewerben  Verwendung  finden  ,  wenn  sie  in
hinreichender  Anzahl  vorhanden  sein  würden.  Es  gehört  nicht  zu  den
Lichtseiten  unseres  kunstgewerblichen  Lebens,  dass  der  Bedarf  aus  Paris
gedeckt  werden  muss,  oder  dass  Ledergalanteriearbeiter,  Buchbinder,  ihre
Matrizen  wie  ihr  Leder  oft  vom  Auslande  her  beziehen  müssen.  Aus  diesen
Gründen  wird  man  es  begreifen,  dass  wir  das  Auftreten  der  Graveur-Akademie
  des  k.  k.  Hauptmünzamtes,  die,  auch  wegen  Verfertigung  vortrefflicher ­
  Matrizen  für  die  coursirende  Geldmünze  in  den  letzten  Jahrzehenden
  des  verflossenen  Jahrhundertes  im  deutschen  Reiche  einen  ersten
Rang  einnahm,  mit  aufrichtiger  Befriedigung  und  warmer  Freude  begrüssen.

Mit  Bedauern  haben  wir  es  gesehen,  dass  man  in  den  jüngst  verflossenen ­
  Jahrzehenden  dieser  Anstalt  nicht  die  gehörige  Aufmerksamkeit
schenkte.  Der  bureaukratische  Utilitarismus,  der  die  k.  k.  Porcellanmanufactur
  untergehen  liess,  nachdem  er  sie  auf  falsche  Bahnen  gelenkt  hat,
welcher  der  Staatsdruckerei,  auch  auf  rein  typographischem  Boden  viel  zu
enge  Grenzen  stellt,  dieser  Utilitarismus  hat  auch  die  einst  so  blühende
Graveur-Akademie  von  der  Höhe  herabgedrückt,  auf  der  sich  dieselbe  befand. ­
  Man  vergass  ganz,  dass  solche  Anstalten  erst  dann  wirklich  nützen,
wenn  sie,  über  das  Mass  des  Gewöhnlichen  hinaufsteigend,  sich  so  entfalten ­
  können,  um  verschiedene  nahe  liegende  Gebiete  befruchten  zu  können.
Engherzigkeit  ist  solchen  Anstalten  gegenüber  eine  schlechte  Politik,
Sparsamkeit  die  grösste  Verschwendung.
Die  Graveur-Akademie  beginnt  wieder  ihr  Haupt  zu  erheben.  Die
Darstellung  der  Münzmanipulation  ist  in  hohem  Grade  lehrreich,  und  die
Graveure  J.  Tautenbayn,  Ant.  Scharff,  A.  Neudeck,  Fritz  Leisek
zeigen  sich  als  vollständig  gewachsen  der  Aufgabe,  die  sie  in  ihrer  Stellung ­
  zu  erfüllen  haben.  Einige  Wachsbossirungen  auf  dem  schwierigen
Felde  figuraler  Composition  für  Medaillen  sind  geistreich  in  der  Erfindung
und  stylvoll  in  der  Durchführung.  Dass  die  Medaillen,  welche  Herr  Carl
Radnitzky,  Professor  an  der  Akademie  der  bildenden  Künste,  ausstellte,
uns  das  Bild  eines  Künstlers  geben,  der,  erfahren  in  der  Kunst  zu  graviren,
unermüdlich  in  seiner  künstlerischen  Thätigkeit  ist,  bedarf  nicht  besonders
erwähnt  zu  werden.  Bedauern  können  wir  nur,  dass  die  mancherlei  glücklichen ­
  Versuche,  ausser  den  geprägten  Medaillen  auch  Gussmedaillen  ein-
            
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