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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Zudem  ist  in  der  Bronzefabrication  der  Geist  der  Association  noch
nicht  erwacht,  der  in  Frankreich  gerade  auf  diesem  Felde  so  viel  dazu
beigetragen  hat,  den  ganzen  Fabricationszweig  zu  heben,  die  Arbeiter  zu
schulen,  den  Techniker  zu  fördern.  Was  haben  bei  uns  die  Genossenschaften ­
  auf  diesem  Felde  gethan,  und  was  hätten  dieselben  thun  können!
Die  Industriellen  müssen  nicht  Alles  von  der  Regierung  verlangen,  sie
müssen  sich  selbst  helfen  können,  besonders  in  Zeiten,  wo  es  an  Aufträgen
nicht  fehlt  und  Mittel  genug  vorhanden  sind,  um  ,  wie  es  die  Posamentirer
  gethan  haben,  eine  Fachschule  zu  errichten,  —  sei  es  als  Sonntags- ­
  oder  Abendunterricht,  —  geeignet,  die  Leistungsfähigkeit  der  Arbeiter ­
  zu  erhöhen.
Auch  darüber  müssen  sie  unter  sich  in  höherem  Grade  klar  werden, ­
  wie  sie  Modelle  von  Künstlern  oder  nach  berühmten  Kunstwerken
erwerben  ,  und  wie  sie  und  nach  welchen  Methoden  sie  dieselben  reproduciren
  müssen  ,  um  einerseits  den  Künstler  entsprechend  honoriren,  an  -
dererseits  aber  so  vielerlei  Abgüsse  machen  zu  können,  damit  ein  grösserer
Absatz,  und  auch  ein  Absatz  zu  geringeren  Preisen  möglich  ist.  Auch
darüber  werden  die  Verhältnisse  in  Frankreich  manchen  Wink  geben
können.  Dort  werden  Reproductionsmaschinen  und  Galvanoplastik  vielfach
angewendet.  Auch  in  Berlin  wird  mehr  als  Ein  Gebiet  der  Metallplastik
rationeller  betrieben,  als  in  Oesterreich.
Die  Erörterung  dieser  Fragen  war  früher,  wo  die  Bronzefabrication
in  den  ersten  Stadien  der  Entwicklung  stand,  vielleicht  überflüssig.  Heutigen ­
  Tages  aber  ist  es  anders;  heute  müssen  dieselben  umfassend  erörtert, ­
  zu  praktischer  Lösung  gelangen,  wenn  man  der  Bronzefabrication
eine  glänzendere  Zukunft  sichern  soll.
Ein  Schritt  ist  wenigstens  nach  Einer  Seite  hin  geschehen.  Die  beiden ­
  Ciseleurs,  Schwarz  und  Mayer,  die,  nachdem  sie  bereits  tüchtig  in
den  Elementen  des  Ciselirens  erfahren,  sich  im  Zeichnen  und  Modelliren
in  der  Kunstgewerbeschule  fortgebildet  haben,  gelangten  dazu,  ein  Atelier
für  Ciseleurarbeit  zu  etabliren,  der  erste  Versuch  ähnlicher  Art,  der  bisher ­
  in  Wien  gemacht  wurde.
Wir  haben  diesmal  die  technisch-industriellen  Fragen  in  den  Vordergrund ­
  gestellt,  weil  diese  es  sind,  die  zur  Lösung  drängen;  die  vorwiegend ­
  künstlerischen  lassen  sich  mit  wenigen  Worten  andeuten.
In  dem  Masse,  als  die  Kunst  der  Plastik  und  der  Unterricht  in  den
Kunstgewerbeschulen  vorwärts  schreitet,  in  demselben  Masse  werden  geschickte ­
  Modelleure  vorhanden  sein  und  Bildwerke  geschaffen  werden,  die
verdienen  in  Bronze  gegossen  zu  werden.  Der  Bronzeguss  verlangt  eine
gewisse  Grazie  und  Leichtigkeit,  eine  eigenthiimliche  Beweglichkeit  und
Lieblichkeit  des  Talentes,  um  zur  Geltung  zu  gelangen.  Eine  Menge  grösserer ­
  und  kleinerer  Figuren  aus  der  älteren  italienischen,  französischen  und
deutschen  Renaissance  verdanken  diesen  Vorzügen  ihre  grosse  Popularität.
Die  Bronzethüren  Ghibertis  mit  ihren  reizenden  Figuren,  der  Perseus  des
            
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