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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 1)

Künstler, und es ist das ja bereits vielfach geschehen, der neue Stil 
überall der heimatlichen Weise nach etwas verschieden ausgestalten, 
und bei aller Gleichheit der Tendenz wird ihm wie in den vergangenen 
Jahrhunderten eine schöne Mannigfaltigkeit erst den rechten Wert 
verleihen. 
Dabei kommt nun zu Tage, dass wie in England, so auch aller 
Orten die Elemente für sinngemässe Construction und für zartes Natur- 
empfinden vorhanden waren; sie sind nur zurückgedrängt worden, und 
man wird bei geschicktem Sammeln die heimischen Beispiele für die 
Entwicklung auffinden, sie den bestehenden Sammlungen angliedem, 
damit sie im heimischen Sinne weiter anregend wirken können. 
Dann ist doch jede Nation, jedes Land, ja jede Provinz schon 
durch ihre verschiedenen Bodenerzeugnisse auf gewisse Techniken 
gewiesen. So hat zum Beispiel in den waldreichen Alpenländern 
immer die Holzschnitzkunst geblüht und Österreich ist voll von 
kirchlichen und weltlichen Schnitzwerken, die, oft von Künstlern 
höchsten Ranges ausgeführt, in Gold und bunten Farben schimmern. 
Auch Wien stand immer unter dem Banne dieser I-Iolzbildnerei. 
Ein österreichisches Museum kann durch geschickte Auswahl auf 
diesen Mittelpunkt des Kunsttreibens in den österreichischen Provinzen 
hinweisen, in Originalen und Nachbildungen die jahrhundertlange 
Bedeutung dieses Kunstzweiges erläutern, der von dern Altar Pachers 
in St. Wolfgang, dem bedeutendsten Werke der deutschen Plastik, bis 
zu den Consolen und Panneaux der Rococo-Schlösser führt. 
Diese österreichische und die sich anschliessende bayerische Holz- 
schnitzerei, die leider noch zu wenig gewürdigt und bekannt gemacht 
sind, übertreffen an Technik und künstlerischer Durchbildung alles, was 
anderswo in dieser Art gemacht wurde, und stehen thurmhoch über 
der einförmigen Decoration am prachtliebenden französischen Hofe. 
Eine solche Sammlung von heimischen Holzschnitzereien würde 
die Vertreter der modernen Richtung auf diesen im Volke ruhenden 
Schatz hinweisen, den Wetteifer erregen, durch seine erprobte Technik 
belehren, so dass in Österreich wieder ein Kunstzweig erblühen könnte, 
der einzig und weil anderswo der natürliche Nährboden, der in der 
jahrhundertlangen Übung liegt, fehlen würde, unnachahmlich wäre. Das 
nur als Beispiel. So wird sich bei der F ortentwicklung der Aufgaben 
die heimische Tradition und das heimische Bedürfnis von selbst in den 
Mittelpunkt stellen. Man wird dann nicht mehr nach rhodischen Tellern 
oder spanischen Schüsseln haschen, als wären sie der Betrachtung 
allein wert, sondern auf das, was unsere Väter geschaffen, stolz 
zurückblicken, und ihnen nicht durch Nachahmung, sondern durch
	        

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