MAK

Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 3)

„theogonische Zeichnung" veröffentlicht hat, war mit einem braunen Peruaner verheiratet. 
In Peru wuchs auch Paul auf. Der Sohn eines 48er Umsturz-journalisten diente dann als 
Matrose auf Kauffahrem und Kriegsschiffen, heiratete die Tochter eines dänischen Hafen- 
kapitäns, Schwägerin des norwegischen Malers Fritz Thaulow. Also Revolution, Utopie, 
Äquator und Ozean in diesem Blute. Er wurde zunächst Börsenagent und verdiente 
50.000 Francs jährlich, sammelte aber impressionistische Bilder und malte dann welche. 
In Pont Aven (Bretagne) warf er sich ganz auf die Malerei, anfangs in der Weise Monets, 
dann stilisierend. Er stellte wiederholt in Paris aus, fand aber, je stilistischer er wurde, 
desto weniger Anklang. Auch nicht bei Durand-Ruel, wo er das zweite Mal 45 von den 
Marquesas-Inseln und Tahiti mitgebrachte Bilder ausstellte. Der Peruaner in ihm brach 
mächtig durch und er herauschte sich an der üppigsten Exotik. Goldenes Zeitalter in einer 
Märchennatur, wie er sie auch in seinem (jetzt untindbaren) Buche „Noa-Noa", mit 
Charles Morice gemeinsam, in Vers und Prosa geschildert hatte. Er kehrte dann der Zivili- 
sation den Rücken und ging für immer nach Tahiti. Bei Miethke wirft man nun einen Blick 
in den Farbentraum seines Lebens. Er ist ein mächtiger und zugleich empfindlicher Farben- 
seher, der die Eindrucksmalerei gleichsam um eine tropische Kolonie bereichert hat. Eine 
Kolonialkunst wird ja in diesem Jahrhundert der Imperalismen gewiß entstehen. Die 
schüchternen, technisch unrealisierbaren Träume I-Ians von Marees von I-Iesperidengärten 
und Ludwig von Hoffmanns von verlorenem Paradiese sind hier zum Teil schon erfüllt. 
Eines der Wundermärchen unserer Zeit. Wenn Gauguin selbst die heilige Familie nach 
polynesischem Typus malt (eines seiner prächtigsten Stücke), sollten doch diejenigen 
Europäer keinen Anstoß nehmen, die so viele schwarze Madonnen (Maria aegyptiaca), meist 
dem heiligen Lukas zugeschrieben (auch die in der Santa Casa zu Loreto), unbedenklich 
hinnehmen, weil sie von alters überliefert sind. So weit der Künstler impressionistisch 
malt, ist er heute allgemein als Meister anerkannt. Neben diesen Perlen sind aber auch 
seine merkwürdigen Stilversuche, mit kühnsten Vereinfachungen aller Elemente eines 
Bildes. Auf einem japanischen Farbenstich oder Kakemono nimmt man sie ohne Frage 
hin, hier weist die Mehrzahl sie mit Hohn ab. Und mit Unrecht. Sie geben eine intensive 
Vision von Umatur und bauen, innerhalb ihrer Selbstbeschränkung, ein vollständiges 
malerisches Weltbild auf, wie es der Naturalismus nie erzielen kann. Das ist ja eben der Sinn 
des Stils und Stilisierens. Sich bescheiden, um Einfachheit und Vollständigkeit zu gewinnen. 
In engen Grenzen ein volles Weltbild. Gauguin ist dies innerhalb seiner natürlichen 
Grenzen erstaunlich gelungen und es wird ja auch, dank seiner Verstorbenheit, mit der 
Zeit anerkannt werden. Andere Naturen werden andere Wege zu gleichem Ziele finden. - 
In dem anderen Miethkeschen Lokal (Graben 17) sieht man gleichzeitig andere letzt- 
moderne Pariser Meister zusammengestellt. Vorzügliche Bilder von Maurice Denis, gegen 
den es keine Bedenken mehr gibt, von Cezanne, dessen Tod auch schon die Opposition 
besänftigt hat, dann einiges von Bernard, Puy und noch anderen. Das Publikum kann nur 
gewinnen, wenn es solche malerische Erfahrungen macht. 
KLEINE NACHRICHTEN S0 
EUE REMBRANDT-LITERATUR. Das Jubiläumsjahr 190a hat eine Fülle 
neuer Schriften über Rembrandts Werke gebracht, meist populärer und populari- 
sierender Natur. Die Deutsche Verlagsanstalt publizierte in ihrer Sammlung „Klassiker der 
Kunst in Gesamtausgaben", mit einer Einleitung von dem jetzt verstorbenen Adolf Rosen- 
berg, 565 der Gemälde des Meisters. Die Reproduktionen sind scharf und entsprechend gut, 
wer sie genau und verständig durchgesehen, wird gerne dann zur weiteren Erkenntnis nach 
Bodes monumentalem Meisterwerk greifen. Auch die Radierungen Rembrandts gab dieselbe 
Verlagsanstalt in dieser Sammlung heraus. Hans Wolfgang Singer in Dresden hat die Aus- 
gabe besorgt. Er hat eine Neuordnung der Oeuvres von Rembrandt vorgenommen und nach 
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