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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 5)

Lisieux und so weiter liefern glänzende Beispiele dafür. - Welche riesigen 
Fortschritte die Steinkonstruktion indes im Laufe von zwei Jahrhunderten 
machte, ist aus der Anlage der „Merveille" ersichtlich. So bildet denn auch 
der Chorbau des „Mont" einen starken Kontrast durch seine schlanken, 
zierlichen Verhältnisse gegenüber der Schwerfälligkeit der Gliederungen 
des romanischen Langhauses 
(Abb. 33). - Von plastischem 
Schmucke blieb nicht recht 
viel erhalten. Die paar Re- 
naissance-Reliefs in einer der 
nordöstlichen Kapellen, Aus- 
treibung von Adam und Eva 
aus dem Paradies, dieselben 
in der Hölle, sowie eine Reihe 
von Apostelliguren, Werke 
des XVI. Jahrhunderts, fallen 
bei einem Vergleich mit den 
mittelalterlichen, im Kreuz- 
gange untergebrachten Skulp- 
turen stark ab. 
Eine im Jahre 1840 von 
Bouät gemachte Zeichnung 
des Innenraumes der Kirche 
zeigt, in welch verkommenem 
Zustand das Ganze sich be- 
fand. Man begnügte sich etwas 
später damit, völlig ausge- 
witterte Stellen mit Gips aus- 
zufüllen! 
Die gotische Form des 
Chores bereichert durch die 
vielgliederige Silhouette des 
Strebensystems das äußere 
Bild ganz wesentlich. Am in- 
struktivsten wird der Einblick in diese mannigfachen Konstruktionsformen 
durch einen Umgang auf der in Dachansatzhöhe befindlichen Galerie 
Abb. 37. Crypte de l'Aquilon 
moderne Kunst. Fiir die bürgerliche Baukunst des Mittelalters scheint wenig Interesse vorhanden zu sein. 
obschon diese sicherlich nicht weniger zur künstlerischen „Gloire" der Nation beigetragen hat als die unge- 
zählten bemalten Leinwanden der Neuzeit. In Lillehamrner, einem kleinen norwegischen Städtchen von 300a 
Einwohnern sozialdemokratischen Glaubensbekenntnisses, wurden ohne Schwierigkeiten hunderttausend 
Kronen für die Schaffung eines äußerst bedeutsamen Freiluftmuseums aufgebracht, in dem alle alten Holzhaus- 
typen aufgestellt mit samt allem Hausrat eine umfassende Darstellung der alten Zeiten und ihrer Hauskultur 
geben. Bekannt ist Skansen bei Stockholm. Andere solche Museen linden sich in jönköping, in Lund, in Bygdö 
bei Kristiania, das unter anderem eine große Holzkirche enthält, in Frognersäteren. endlich in Lyngby bei 
Kopenhagen, wo der große „Ostenfelder-Hof", vielleicht das beste Beispiel niedersächsischer Bauweise, Aul- 
stellung fand. Sollte eine der reichsten Provinzen Frankreichs - die Normandie - nicht in der Lage sein, für 
gleiche Zwecke Mittel aufzubringen? 
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