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Full text: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 12)

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ÄCHERSPIEL. Wie in gläsernen Schneewittchen-Särgen ruhen in Vitrinen auf 
Seide und Samt still und unbewegt leichtbeschwingte Falter. Fächer alter und 
neuer Kulturen, schimmernd von Schmetterlingsfarben, gaben sich ein Stelldichein in den 
vornehmen Sälen und Kabinetten des Berliner I-Iohenzollemhauses zwischen Gobelins, 
Louis Seize- und Louis Quinze-Möbeln. Schöne und erlauchte Damen haben diese Amo- 
rettenwaEen aus den Rüstkammern der Koketterie hierher geliehen, einem wohltätigen 
Zweck zuliebe. Er gilt dem „Verein der Freundinnen junger Mädchen". Widerhall galanter 
Zeiten umklingt uns vor den Rokokovitrinen, darinnen über Blättern von Schwanen- 
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Ausstellung österreichischerKunstgewerbe. Seidenstaff, em o: an von otte ro e 0c er 
ausgeführt von der Wiener Wer statte 
haut -- es waren gewiß immer Leda-Schwäne _ der Reigen der fetes galantes in 
Trianonparks zwischen Taxushecken über Marmorfreitreppen und um Tritonenfontänen 
sich schlingt, wo unterm Laubendach in den zarthuschigen Tönen Lancrets zum Klang 
der Hirtentlöte Paare sich zu Pastoraleszenen finden, wo es aus den Büschen lockend 
klingt: wer kauft Liebesgötter, und wo im Reifrock und Brokatgewand vermummt der 
amouröse Olymp auf die Erde steigt. Viele Besonderheiten fesseln, merkwürdige und 
kuriöse Stücke, „choses tres rares et recherchees", wie es die Kataloge der Pariser „Ventes" 
bezeichnen. 
Vernis Martin-Fächer sieht man, jene Fächer ganz aus Elfenbein, überzogen mit der 
zarten, ölig weich glänzenden olivgrünen Lasur, die der Lackfabrikant a la mode für 
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