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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

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Fingern des Seeoner Meisters zu verspüren. Damit dürfte das Grabmal des 
Heiligen endgültig aus demOpus Hans Heiders ausscheiden; mehr aber noch: 
der stilistische Unterschied verschiebt auch die Zeitstellung des Werkes, 
das wir erheblich von jener Gruppe abrücken müssen. Wenn Leonhardt 
mit Bezug auf seinen „Schüler Hans Heiders" meint: „Ganz frei von allem 
Übermaß zeigt unseren 
Meister als gereiften 
Künstler das Vitalis- 
denkma", so ahnt er 
wohl die Kluft, die 
dies von dem Grabstein 
Simon Farchers trennt, 
aber er zieht daraus 
meines Erachtens nicht 
die richtige Folgerung. 
Vor allem befremdet im 
Vitalisstein gegenüber 
dern des Simon Farcher 
der Zug ins Breite und 
Volle. Die geschmei- 
dige Lässigkeit des 
Seeoner Abtes ist hier 
lastender Wucht ge- 
wichen, und an Stelle 
weniger grätiger, stoff- 
lich weicher Falten, die 
sich nur auf die Albe 
beschränken, häufen 
sich hier schon bei der 
Glockenkasel die run- 
den, in spitzen Winkeln 
gebrochenen Qu erfalten, 
während die Fußfalten 
der Albe in breiten, 
Vollen Massen auS- Abb. 28. Turnba des heiligen Vitalis in St. Peter zu Salzburg. Nach 
einanderfluten. Noch A"""d"s Päm" 
weiter zeitlich aber trennt beide Werke voneinander das Auftreten aus- 
geprägter Röhrenialten, von denen bei Simon Farchers Stein, ebenso wenig 
wie bei dem Bildnis Aribos, auch noch nicht die geringste Spur vorhanden 
ist, während der Vitalismeister geradezu darinnen schwelgLWie hat sich die 
lustig wehende Wimpel des Sudariums Abt Simons zum wasserschweren 
Stoffgehänge im Vitalisstein gewandelt. Nichts ist von jener spielenden 
preziösen Leichtigkeit I-Ieiders geblieben; wie ein Tropfsteingebilde 
erscheint alles erstarrt, erstarrt zu gleicher Leblosigkeit, die uns aus des
	        

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