MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 3)

gemeinen, können jetzt nicht mehr erhoben werden. Nach der Ausstellung 
in dem Palais de l'industrie, sagt Charles Blanc, „ist keine Täuschung 
mehr möglich; der Schleier ist gefallen." 
Zwei Dinge sind es vorzugsweise, die getadelt werden: der grosse 
Mangel an guten Vorlagen und der einer systematischen Methode. Unter 
ersterem Vorwurfe ist die allzugrosse Bcnütznng von Crayonzeichnungen, 
meist Speculationsarbeiteu von Zeichenlehrern und Verlegern, gemeint; 
unter letzterem Vorwurf versteht man vorzugsweise den Abgang eines gut 
vorbereiteten Unterrichtes in Geometrie und Perspective. Wir können dieses 
Urtheil französischer Fachmänner nur ratificiren; was sollen wir aber sagen, 
wenn man sich in Frankreich über Mangel an Vorlagen und einer fehler- 
haften Methode beklagtl? 
Wie alle Ausstellungen ähnlicher Art, war auch diese in den Champa- 
Elysdea wenig besucht. Nichtsdestoweniger wurde sie allgemein Fir nütz- 
licher gehalten als jene Ahtheilung der Ausstellung, welche die Beschauer 
zu massenhaftem Besuch herausfordert. 
Aus dem Vorbei-gesagten wird sich ergeben, dass die Ausstellung der X 
Union centrule eine sehr lehrreiche und interessante war. Ihr kam vor 
Allem das glänzende Gebäude des Industriepalastes mit seinen schönen 
Räumen und seiner vortrefflichen Beleuchtung zu statten. Wie sehr solche 
Räumlichkeiten nützen, empfanden die Besucher in Paris sehr wohl; wie 
sehr der Mangel an Raum hemmt, empfinden wir in den beengten Sälen 
des österr. Museums am lebhaftesten. Wir würden unsere Aufgabe zu 
lösen für die nächsten Jahrzehende für unmöglich halten, wenn uns nicht 
von massgebender Seite der Bau eines neuen Museums in sichere Aussicht 
gestellt sein würde. 
Die Union neutrale hat das in Frankreich und England sehr ausgebildete 
System der Prsis-Concurse adoptirt, das in Frankreich und England 
mit so grossem Erfolge geübt wird, das aber in unsere Lebensgewohnheiten 
noch viel zu wenig übergegangen ist. Das Programm für diesen Concurs 
ist ganz vortrefflich und zeigt von grosser Einsicht in die Bedingungen, 
von denen das Gedeihen der Kunstgewerbe abhängt. Es handelt sich bei 
den meisten ausgeschriebenen Concursobjecten nicht um müssige Luxus- 
artikel, das Product einer den Geschmack und die Sitte verderbenden Welt- 
anschauung, sondern um Veredlung von jenen Gegenständen, welche Ge- 
brauchsgegenstände auch für die ärmere Classe sind. Acht Preise zu je 
fünfhundert Francs sind Hi: folgende Objecte ausgeschrieben, als da. sind: 
für eine Salonthüre, ein Hausthor, ein Gas-Bronzecandelaber iiir das Vestibule 
eines Hotels, für einen Glalschrank n. s. f. Der grösste Preis aber, und 
zwar zu dreitausend Francs, ist ausgeschrieben tiir- die vollständige Ein- 
richtung eines Schlafzimmers, entsprechend den Bedürfnissen ärmsrer 
Classßu. Die Union cenmzle gebt von der Ansicht ans, dass die Kunst- 
industris, welche für reichere Leute arbeitet, alle Ressourcen zur Befriedigung 
des Grschmankes in ihren Händen hat, während hingegen jener Kunstr
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.