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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 6)

 
stolz ist, ruinirt oft die künstlerische Wirkung und Farbenharmonie eines 
Glasgemäldes; umgekehrt kann eine historische Composition an und für 
sich sehr schön und doch ganz ungenügend für ein Glasgemälde sein. 
Dazu kommt noch, dass jede verschiedene Stylrichtung nicht blos 
eine verschiedene Zeichnung, sondern auch eine verschiedene Farbenhal- 
tung verlangt. Das romanische Glasfenster, das frühgothische und spät- 
gothische, das Renaissance-Glasfenster unterscheiden sich unter einander 
durch Zeichnung- und Farbe. Aus diesem Grrunde ist es heutzutage in so 
hohem Grade nöthig, Museen für die praktischen Zwecke der Kunst und 
Kunstindustrie zu errichten, damit Künstler und Fabrikant, der Glasmaler 
und der Glastechniker die Entwicklung der Kunst und der Technik in den 
verschiedensten Richtungen studiren können. Denn es wird in unserem 
eklektischen Jahrhundert auch auf dem Felde der Glasmalerei in den ver- 
schiedensten Stylarten gearbeitet und der Künstler muss sich nicht blos aus 
Büchern, sondem auch an Kunstwerken selbst über die Aufgaben orien- 
tiren, welche er in jedem einzelnen Falle zu erfüllen hat. 
Die Glasmalerei wird für kirchliche und nichtkirchlicbe Zwecke ver- 
wendet. Für letztere in der Regel ganz unkünstlerisch, obwohl sich auch für 
die weltlichen Zwecke der Glasmalerei ein schönes künstlerisches Resultat 
erreichen liesse; dieses wird aber fast gar nicht angestrebt. Im Gegen- 
theile, je bunter und roher die F arbenwirkung, je mehr almanachartig und 
frivol die Zeichnung ist, desto mehr gefallt ein Glasgemälde, welches zum 
Schmucke öffentlicher Locale, Stiegenhäuser und anderer Localitäten ver- 
wendet wird. Nur wenige benützen es in so künstlerischem Sinne, wie 
es Herr Architekt Ferstel in dem neuen Bankgebäude gethan hat. 
Anders ist es bei den Glasgemälden für kirchliche Zwecke. Die 
Künstler, welche für Kirchen arbeiten, gehen fast in ganz Europa von 
hohen stylistischen Anforderungen aus. Sie wollen, dass die Form sich 
darf Gedanken, der Körper dem Geiste, die Farbe und Linie dem Styl- 
gesetze unterordnen. Sie verzichten eher auf die Verkörperung als auf 
die Vergeistigung der Kunstform. Sie wollen lieber asketisch, in keinem 
Falle aber frivol erscheinen. 
Wir haben in Oesterreich alle Ursache, die Entwicklung der kirch- 
lichen Glasmalerei in das Auge zu fassen. Wir haben Glasmaler, wie 
Geyling in Wien, Mader, Stadl und Neuhauser in Innsbruck, und 
intelligente Techniker, wie Salviati in Venedig, welche jede Aufgabe 
zu erfüllen im Stande sind. Die böhmische Glastechnik freilich lässt an 
Intelligenz und Eingehen auf die künstlerischen Anforderungen der Gegen- 
wart viel zu wünschen übrig und macht mehr Ruckschritte als Fortschritte. 
Wir haben ferner Architekten wie Fr. Schmidt, Ferstel, Essenwein, 
L i p p e r t , P e t s c h n i g , welche die Anforderungen des Styles genau 
formuliren können und in Prof. Klein einen Zeichner für tiguralische und or- 
namentale Glasmalereien zu kirchlichem Zwecke, wie es in Deutschland kaum 
einen zweiten geben durfte, abgesehen von jenen Historienmalern, die oh
	        

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