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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 31)

Industrieartikel in verschiedenen Bildhauerarbeiten in Holz, Cbristusbildern, Madonnen, 
Beiligenstatuen, Gliedermlinnern, Modellen tiir akademische Zwecke, feine Holzschnitz- 
waaren und Kinderspielzeug. Die Anzahl der mit dieser Industrie beschäftigten Personen 
beträgt 2000-2500. wovon jedoch der grössere Theil nur im Winter ausschliesslich diesem 
Erwerbszweige sich zuwendet. Die Menge der erzeugten Waaren wird neuestens auf 
7000-8000 Centner per Jahr im Werthe von beiläufig 250.000 ü. angegeben, wovon etwa 
ein Fünftel ins Ausland geht. Der Export findet vorzugsweise statt nach England. Frank- 
reich, Nordamerika und in kleineren Quantitiiten nach Egypten, Algier, Ostindien und 
Australien. 
In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Industrie technisch insofern gehoben, 
als gegenwärtig auch verschiedene feine I-Iartbolzgattungen (Nuss, Apfeb, Ahorn-, Bar, 
Birken- und Rotheibenholz) verarbeitet und durchaus viel werthvolle Arbeiten gewonnen 
werden. Auch den Alabaster, der im Griidner Thale selbst gewonnen wird, hat diese In- 
dustrie, wie der Bozner Handelskammerbericht meldet, in den Kreis ihrer Thätigkeit 
ezo an. 
g g In künstlerischer Beziehung ist dieselbe jedoch immer noch ausserordentlich ver- 
nachlässigt. Es besteht zwar in Griiden zur Ausbildung der jungen Schnitzer eine Zeich- 
nenschule, an derselben wird jedoch blos Elernentarunterricht im Zeichnen ertbeilt. Dieser 
Unterricht müsste, um dem Bedürfnisse zu genügen, auf alle technischen und künstleri- 
schen Fertigkeiten der Holzsculptur erweitert und das Schnitzen von Ornamenten und 
Figuren, endlich auch von architektonischen Verzierungen, Rahmen und Mobilar gelehrt 
und die besten Vorlagen für diese Zeichnungen benützt werden. 
Nebst Gröden müssten ferner noch andere Orte, wo dieselbe Industrie, wenn auch 
in geringerer Ausdehnung, ihren Sitz hat, allmiilig mit Schulen bedacht werden, um diesem 
Kunstindixstriezxreige mit jener Rzischheit zu Hilfe zu kommen, wie dies bei den heutigen 
Coucurrenzverhiiltnissen geboten erscheint. Die k. k. Oberrealschule in Innsbruck, deren 
thätige Direetion sich eingehend mit der in Rede stehenden Angelegenheit beschäftigt und 
wo bereits gegenwärtig an der Gewerbescbule ein Unterricht in der Holzpiastik ertheilt 
wird, dürfte für eine solche Fachscbnle besonders zu empfehlen sein. 
Wie wir vernehmen, ist der Tiroler Landesausschuss mit der Frage der Errichtung 
solcher Zeichnen- oder Modellirschulen für die Holzschnitzer ernstlich beschäftigt. 
Die Angelegenheit wird ohne Zweifel vor den nächsten Landtag kommen. um die 
- Fiir den Anfang jedenfalls nur in bescheidenem Maassstabe 7 erforderlichen Geldmittel 
verfügbar zu machen. Ein Blick auf die blühende und volkswirthschaftlich hoehwichtige 
Holzwaaren-Industrie von Belgien, Holland und des baierischen Oberlandes wird den Ti- 
roler Landtag überzeugen, dass er seine Mittel nicht leicht einem productiveren Zwecke 
zuwenden kann, als der Errichtung solcher Schulen, von denen die Coneurrenzfäihigkeit 
und der Export der Tiroler Bildsebnitzereien abhängt. 
(Lellrrurs für llolzplasiik.) An der mit der k. k. Oberrealschnle in Innsbruck 
verbundenen Geweibeschule wurde ein Curs für Holzplastik unter der Leitung des wackern 
Bildhauers Trenkwalder in's Leben gerufen. 
{Verwerlbuug drs Nachlasses der k. k. Aerurlal-Porzellan-Manufaetur.t 
Im Museum sind in den letzten Wochen einige sehr hübsch in Thon ausgeführte Arbeiten 
aus dem Etablissement des Herrn De Cente in Wiener-Neustadt (eine Statuette Kaiser 
Josephs II., die Gruppe der Niobiden, eine Bncchusgruppe, Daphne und Apollo u. n. m.) 
zur Ausstellung gelangt; es sind dies die ersten Ausgüsse grösserer Objecte aus den Mo- 
dellen, welche das Museum bei der Auflassung der bestandenen k. k. Porzellanfabrik von 
derselben übernommen hat und den österreichischen Industriellen zur freien Benutzung 
überlässt. Die Originale dieser Gegenstände sind von den besten österreichischen Bild- 
hauern aus dem Ende des vorigen und dem Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts von 
A. Grnssi, Scballer und Hütter modelliri. Die Farbe des Thons so wie die technische 
Behandlung der ausgestellten Copien verdienen alles Lob. 
(Dorubirncr Lithographie-Steine.) Die bei Dornbirn in Vorarlberg bestehenden 
grossartigen Steinbrüche enthalten, wie dem Museum von Herrn Schwnerzler in Bre- 
genz mitgetheilt worden ist. in vielen Lagern sehr brauchbare Lithographie-Steine. Un- 
geachtet der mehrjährigen Bemühungen des genannten Herrn ist es bisher nicht gelungen, 
die Ausbeutung dieses Fundes ins Werk zu setzen. weil die Eignung der Steine für die 
Lithographie von anderer Seite bestritten wurde. Kürzlich hat Herr Schwaerzler einige 
Proben solcher Steine nach Wien gesendet, welche unter Vermittlung des Museums von 
einem der bedeutendsten hiesigen Etablissements für Lithographie versucht und als vor- 
züglich tauglich für diesen Zweck anerkannt worden sind. Es wird eich nun nur 
um die Preise dieser Steine handeln; im Falle sie billig sind, dürfte sich der Bcgchr dar- 
nach von Wien aus hald sehr lebhaft gestalten, da die Preise der hier verwendeten litho- 
graphischen Steine bekanntlich ziemlich hoch sind.
	        

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