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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 213)

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129. Desgleichen. Der rothe Wollgrund ist herausgemodert und lässt die 
um die blossliegenden Kettfäden geschlungenen De ssins als Transpa- 
rentmuster erscheinen. 
x30. Das sehr interessante Fragment einer in einem Stücke gewebten 
Tunica aus feinem Scharb-Linnen. Der Gewandüberrest ist in Uni- 
Streifen dessinirt und hat rothe, mit stilisirten weissen Pflanzen- 
ornamenten gemusterte Gobelinspangen (s. Nr. 124.), die mit der 
Textur combinirt sind und daherplane erscheinen (s. Nr. x19). Gleiche 
Gobelinborten dienen als Aermelbesatz, während das Aermelends ä" 
clerHandwurzelbenäht ist mit einer schmalen, blauen, weiss dessinirten 
Gobelinborte, Der Stolfist in der Magengegend verdichtet (s. Nr. 149). 
Mit dieser Tunica liegt uns das erste Beweisstück der besonderen Art 
einer im Alterthuin allgemein geübten Kurisrweberei vor, nämlich eine der borühmlfß 
diäfmgaor oder timinie iiicbnsufilrs (ungenähten Tuniken) oder Tuniken, weiche 
aus einem Stück gewoben wurden. Es gabfnamlich zweierlei Arten. Man wehte 
entweder, wie es das vorliegende Exemplar zeigt, den Vorder- und Hintertheil 
sammt den Aermelstücken als viereckiges Gewand in einem Stücke und heftete 
oder ßocht (knüpfte) -- wie es andere Exemplare unseres Funden in vollkommener 
Erhaltung erkennen lassen - dasselbe an denjenigen Stellen, wo gewöhnlich die 
Naht sich befand, mit besonderen, von den Geweben-ändern auslaufenden gedrehten 
Schlingen zusammen - oder, man webte das Kleidungsstück im Doppelgewebß 
als sogenannte runde geschlossene Tunica (tunica rotunda) am Webstuhl voll- 
ständig fertig. ln beiden Fallen, wo man also statt des Zuachneidens und der Naht 
sich entweder des Knüpfens oder des Zusammenwebens bediente, ward das Gewand 
durch gewisse, hier nicht naher zu beschreibende, ccmplicirte technische Vorkeh- 
rungen am Webstuhl erzeugt. Diese Kunst hat sich, wenigstens was den Orient und 
speciell Aeg ypten betrilft, bis in das Mittelalter hinein erhalten; denn, wenn esauch 
schon zu Here's Zeit in Rom auftiel und zu den Absonderlichkeiten gerechnet wurde, 
da der Philosoph S en eca stets Gewänder ohne Naht trug, so spricht dieser Umstand 
eben blos für das Ueberhandnehmen der aus mehreren Stücken zusammengenahten, 
billiger kommenden Kleider in der römischen Mode damaliger Zeit; keinesfalls 
darf aber daraus auf das völlige Verschwinden dieser Kunstübung geschlossen 
werden, wie dies manche Gelehrte thaten. In Aegypten ward diese Kunst, wie 
gesagt, noch lange fortgeßbt, und wieder war es die am Menzalehsee blühende 
Manufacturstatte Tin ni s, die Stadt der Weber par excellence, welche selbst noch 
in der Chalifenzeit ihren Ruhm, Gewänder ohne Naht zu erzeugen, über den 
ganzen Orient verbreitete. Es wurden daselbst derlei Bekleidungsstücke in allen 
Qualitäten hergestellt und ich erwähne nur, dass man als die kostbarsten für den 
Chalifen Tuniken (arab. bddane) anfertigte, welche an nothwendigstem Fadenge- 
spinnst zu Kette und Einschlag nur ein Gewicht von je zwei Unzen (54'5 Gramm 
:-. 317 Loth) aufbrauchten, während die eigentliche Textur in Gold (vergoldete 
Membranlamellen) hergestellt wurde und die ausserst kunstvolle Arbeit dennoch 
durchaus solid war. Solch' eine Tunica incansutilis, für welche man also weder 
des Zuachneidens, noch der Naharbeit bedurfte (ld tnfßfl wa la' cllijtite) kam auf 
xooo Dinar (circa 13.000 Francs) zu stehen! 
131. Feiner uni-gestreifter Leinenstoff rnit rothern schmalen Band, das 
mit zartem Ornament (nlaufender Hunde) eingefasst ist. 
x32. Bruchstück eines befransten länglichen Tuches (mindfl). Zwischen 
den Endstreifen, welche dicht uni-gewoben sind, eine dreifache Reihe
	        

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