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großen Werkstätten mit dem besten Material beliefert werden, ist da 
gegen für das Schaffen der hohen Kunst bezeichnend. 
In Persien, dessen Hochlage der Entwicklung der Teppichkunst gün 
stig war, gedieh am Hof der drei großen Safiwidenschahs Ismael (1502 
bis 1524). Tahmasp (1524—1576) und Abbas (1587—1628) die Tep 
pichkunst zur höchsten Blüte. Die Leitung der Kunstbetriebe lag zu 
dieser Zeit in einer Hand. Dies gab den bewundernswerten Gleich 
klang der Künste. Ein Miniaturmaler war es meist, der mit dieser Auf 
gabe betraut wurde. Der Weitblick, den seine Stellung verlangte und 
auch mehrte, sicherte die Kunst vor Erstarrung und hielt sie beweglich. 
Dem Teppich galt im besonderen seine Sorge. Für ihn schuf er die 
Entwürfe. Daß sie werkgerecht waren, dafür bürgte sein Vertrautsein 
mit den technischen Erfordernissen. 
PERSIEN 
Von wenigen, nur in Bruchstücken erhaltenen volksmäßigen Arbei 
ten abgesehen, sind die ältesten auf uns gekommenen Teppiche — es 
sind Knüpfteppiche — schon Werke der hohen Kunst. Sie sind in 
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, einige vielleicht schon am Ende 
des 15. Jahrhunderts, in Nordwestpersien, wahrscheinlich in Täbris, 
entstanden, das bis zu der durch die Türkennot erzwungenen Ver 
legung der Residenz die Hauptstadt des Reiches war. Meist sind sie 
im Medaillonsystem komponiert. Es stammt, was nach dem oben Ge 
sagten nicht wundernehmen kann, aus der Buchkunst. Aus unendlicher 
Dekoration von in versetzten Reihen angeordneten Medaillons wird, 
nicht ohne symbolische Bedeutung, ein Ausschnitt genommen: Mittel 
medaillon, Eckviertel. Letztere fehlen oft. 
M e d a i 11 o n t e p p i c h e und verwandte Typen 
Den Innenfeldgrund, manchmal auch die Medaillonformen, findet 
man bei Werken dieser Gruppe oft mit Spiralranken gemustert, einer 
symbolischen Ausdrucksform für den Lebens- und Paradiesesbaum. 
Meist in zwei übereinandergeschichteten Systemen, wobei das obere 
stärker betont ist. Häufig sind es zweierlei Ranken, beide aus pflanz 
licher Urform gewachsen. Die eine ist ungeachtet aller zeitbedingten 
stilistischen Umformungen naturnäher geblieben, die andere ist in ab 
strakter Gestalt zur Arabeske umgebildet. Dieser als monumentaler, 
auch als älter empfundenen Rankenform ist meist der Vorrang gege 
ben. Aber auch florale Ranken allein sind in zwei verschieden stark 
akzentuierten Systemen anzutreffen. Wolkenbänder, in China schon 
aus der reziprok-spiraligen Schwammform des Glückssymbols durch 
verlängerte Ausstrahlungen entstanden, wurden in den Ornament 
schatz Persiens übernommen und in Anpassung an die Ranken noch 
länger und schlanker gebildet. In den Ranken sich tummelnde Vögel 
bringen und verstärken die Vorstellung von Frühling und Jenseits. 
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