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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

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Dienst der Architektur. Nach San Miniato glänzt gleichfalls der Fayence- 
schmelz dieser Decoration hinüber: in dem Altartabernakel von Michelozzo 
Michelozzi (von 1448) und in jener Capelle, welche Rosellino's herrliches 
Grabdenkmal des Cardinals Jacopo di Portogallo enthält (zwischen 145g 
und 1468). Immerhin passte diese farbig-verglaste Töpferdecoration mit 
ihrem Schimmereifeet nur für kleinere Raumesdispositionen. Aber wie 
weithin leuchtete doch der milde Glanz aus der Werkstatt des guten 
Meisters Luca durch die Morgenzeit der jungen Bauepoche von Florenz 
über Prato bis nach Pistoja! 
Solche decorative Vorübungen - auch in der Figurendarstellung 
noch halb decorativ - mussten vorangehen, ehe die Majolikaplastik für 
höhere Aufgaben zu Vertrauen und Ansehen gelangte. 
Betrachten wir jetzt näher die Bogenfelder über den beiden Sacri- 
steien des Domes. Es sind noch eigentliche Historien, in der Anordnung 
sich aufgipfelnd, dem spitzbogigen Compositionsgesetz der Gothik äußerlich 
sich fügend -- dazu im strengeren sacralen Marmorstil gehalten, der in die 
weichere Vertragsweise der Fayenceplastik noch nicht recht aufgeht. Die 
vAuferstehungn über der Sacristei mit der Erzthür zeigt weiBglasirte 
Figuren auf blauem Grund. Die tretflichen Gestalten der schlafenden 
Soldaten mahnen in den Stellungen und der ziemlich umständlich behan- 
delten Rüstung an Donatello; Christus schwebt feierlich-edel aus dem 
Sarkophag empor. Dieses Werk muss den Administratoren des Dom- 
baues sehr gefallen haben; sie wussten aber von der Capelle Pazzi her, 
dass der Meister seine Terracotten auch zu coloriren verstand und 
stellten sofort für die neue Bestellung, die vl-Iimmelfahrt Christin, 
nach dieser Richtung ihre detaillirten Anforderungen i"). Bei aller Mühe 
aber, mit welcher sich Luca in die neue Arbeit legte, gerieth das Werk 
in der Composition geringer, im Ausdruck ärmer als das frühere Gegen- 
bild. Heilige AtTecte darzustellen, wie in den Gestalten der aufblickenden 
Apostel, war nicht Sache des Meisters, dessen Kunstweise auf die Melodie 
der ruhigeren Empfindung gestimmt war. 
Weiterhin vertieft sich das ganze Gemüth des Meisters in die 
künstlerische Durchbildung der Motive und Darstellungsformen, welche 
specitisch dem Formengebiet der glasirten Terracotta abgewonnen werden 
können. 
') nDie Xl. mensis octobris (anno 1446), Operarii anledicli locaverum et con- 
cesserunt am, Luce Simonis della Robbia scultori prcsenti e! cqnducenli nd flcicndum: 
unam storiam karre coclc invetriale illius materie qua u: illa posita in arcu sacreslie. 
Que storia debet esse videlicet Ascensio Domini Noslri Jhesu Christi cum duodecim 
Iiguris aposlolorum e! matris ejus Virginis Marie. E! quod mons sit sui coloris, arbores 
etiam sui coloris er secundum designum factum in quodam mcdello parvo, qui Star: 
debet in opcra usque adperfectionem dicli Iaborcrii et melius, si melius üeri potesl. Quam 
sloriarn debet pzrfecisse hinc a desto (ad octo?) mcnses proximos futuros et powisse 
super archum secundr. sacristie. . .. u (Rumohr, Italien. Forschungen H, S. 364.)
	        

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